Haben in Kalifornien ihr Glück gefunden: Manfred Krankl und Ehefrau Elaine
Haben in Kalifornien ihr Glück gefunden: Manfred Krankl und Ehefrau Elaine / Foto: Kevin Wynn

»Sine qua non« darf man etwas freier mit »absolut unverzichtbar« übersetzen. Und das sind sie ­zweifellos, die Weine des gebürtigen Oberösterreichers Manfred Krankl, der genau aus diesem Grund sein Projekt in Kalifornien so nannte. Angesichts Krankls ursprünglicher Wirkungsstätte in Ventura konnte man beinahe von einem »Garagenwinzer« sprechen: Sie glich ­einer Baracke auf einem Schrottplatz – für Krankl war es die »Garage d’Or«. Weinguru Robert Parker beschrieb das Weingut als ­idealen Dreh­ort für den Endzeitfilm »Mad Max«. Doch noch bevor Krankl 1994 das Weingut Sine Qua Non (SQN) gründete, hatte er ­bereits einige Abfüllungen in Zusammen­arbeit mit ­befreundeten Winzern gemacht.

Die ersten Weine
Die ­beiden ers­ten dieser Projektweine, für die er auch das Etikett gestaltete, waren ein Chardonnay, »The Thief« 1990, vinifiziert mit

Manfred Krankl nimmt sich viel Zeit für seine Weine, ­jedes Barrique hat seinen eigenen Kosenamen
Manfred Krankl nimmt sich viel Zeit für seine Weine, ­jedes Barrique hat seinen eigenen Kosenamen

Bryan Babcock, und eine Cuvée, »Terzetto« 1990, in Zusammenarbeit mit den piemontesischen Coppo-Brüdern aus Canelli. Die Projektweine wurden exklusiv im Restaurant »Campanile« in Los Angeles verkauft. 1992 gab es eine rote Cuvée aus Syrah und Cabernet Sauvignon von Havens Wine Cellars aus dem Napa Valley, die speziell für Manfred Krankl gefüllt wurde, auch bei diesem »Black & Blue« zeichnete er für die Ausstattung verantwortlich. 1993 folgte ein Weißwein, den John Alban für den glasweisen Ausschank im »Campanile« kelterte. Das dafür entworfene Label »Legs« schien Krankl dann doch zu verwegen – das BATF hatte in der Vergangenheit schon öfter anstößige Etiketten einge­zogen. Der größere Teil des Weins trägt den Namen »Roussanne is coming«.

Ein individuelles Programm

Ein Wein, drei unterschiedliche Etiketten: der Weißwein ­Omadhaun & Poltroon aus 1996
Ein Wein, drei unterschiedliche Etiketten: der Weißwein ­Omadhaun & Poltroon aus 1996

Der erste »echte« Sine-Qua-Non-Wein war ein reiner Syrah namens »Queen of Spades« 1994 aus dem Bien Nacido Vineyard in ­Arroyo Grande, von dem es 200 Kisten gab, allerdings zu je sechs Flaschen (Preis heute nicht unter 2000 Euro). Von diesem Jahr an entwickelte Krankl sein höchst indivi­duelles Programm, das in der Regel aus einem trockenen Weißwein, einem Rosé, Rotweinen aus Syrah und Grenache sowie Süßweinen besteht. Er variiert nicht nur die Form der Flaschen, jeder Wein bekommt auch stets seinen ­eigenen Namen und dazu natürlich
das vom Winzer entworfene Künstleretikett. So ­wurden im Laufe der Zeit sogar die leer ­getrunkenen Flaschen zu gesuchten Sammlerstücken.

Der zauberhafte Lake Casitas liegt in ­unmittelbarer Nähe zu Krankls Domizil
Der zauberhafte Lake Casitas liegt in ­unmittelbarer Nähe zu Krankls Domizil


Der zauberhafte Lake Casitas liegt in ­unmittelbarer Nähe zu Krankls Domizil

Unterstützung aus der Heimat
Für seine Süßweine, die Krankl in den Kategorien Strohwein, Eiswein und Trockenbeerenauslese erzeugt, holte er sich bereits in den 90er-Jahren Unterstützung aus seiner ­alten Heimat. Alois Kracher aus Illmitz half ihm bei diesen diffizilen Weinen, die bald den Zusatz »Mr. K« und die Bezeichnungen »Ice Man«, »Straw Man« und »Noble Man« trugen. Aus der Freundschaft mit Kracher resultierte auch ein Rotweinprojekt der beiden im Burgenland: Kracher und Krankl entwickelten dort gemeinsam mit Metzgermeister Hans Schwarz aus Andau den »Schwarz Rot«, einen reinen Zweigelt, der bis heute von Krankls Idee der Rotweinvinifika­tion geprägt ist.

Preise jenseits der 1000-Dollar-Grenze
Die beiden wichtigsten Weine aber sind wohl jene aus den Rhône-Sorten Syrah und Grenache. Sie waren es auch, die in besonderem Maße zum Welterfolg von SQN beigetragen

Die Krankls gewährten Falstaff auch private Einblicke
Die Krankls gewährten Falstaff auch private Einblicke

haben. Seit dem Jahrgang 2001 mit dem Syrah »On your Toes« ließ Krankl gewisse Weine lange in den Fässern reifen, es handelt sich um jene des »EBA«-Programms (»extended barrel-aged«). Der Jahrgang 2003 steht für ­einen weiteren Meilenstein: Zum ers­ten Mal brachte Krankl sowohl einen ­Syrah als auch einen Grenache ausschließlich mit Trauben aus dem eigenen Weingarten auf den Markt. »The Inaugural« heißen sie, die ­Beeren stammen aus dem Eleven Confession Vineyard. Dass beide Weine mit 100 Parker-Punkten ausgezeichnet wurden und nur eine geringe Menge von etwa 300 Kisten exis­tierte, hat den ursprünglichen Preis pro ­Flasche rasch verzehnfacht – er liegt längst jenseits der 1000-Dollar-Grenze.

Träume vom perfekten Wein
Seit dem Jahrgang 2000 hat Manfred Krankl von Robert Parker nicht weniger als 13-mal die Traumnote 100/100 für einen seiner Weine eingefahren. Die

Auch bei der Einrichtung ihres Zuhauses beweisen die Krankls Stilsicherheit
Auch bei der Einrichtung ihres Zuhauses beweisen die Krankls Stilsicherheit

Jahresproduktion von Sine Qua Non ist nach wie vor mit etwa 4000 Kisten sehr limitiert. Die weltweite Nachfrage ist trotz der ­hohen Preise geradezu gigantisch. Neben den etwa 4000 Glücklichen, die auf der Mailingliste des Weinguts stehen, gibt es eine Warteliste für die Mailingorders, die noch weit länger ist. Wenn die gesuchten Weine von Krankl bei einer Auktion auftauchen, dann ist das stets ein Highlight für Sammler. Die geheimnisumwitterte »Garage d’Or« ist heute längst Vergangenheit, Krankl hat sich gleich neben seinem Wohnhaus nahe des Lake Casitas eine feine Designer-Winery bauen lassen. Umgeben von seinen eigenen Cumulus-Weingärten hat der akribische Tüftler jetzt in Oak View im Süden von Santa Barbara einen idealen Playground, um seine Träume vom perfekten Wein Wirklichkeit werden zu lassen.

Weingut und Wohn­haus sind nun in Oak View vereint
Weingut und Wohn­haus sind nun in Oak View vereint


Weingut und Wohn­haus sind nun in Oak View vereint


Eine Liste der besten Weine von Manfred Krankl finden Sie hier.


Text von Peter Moser

Den vollständigen Artikel mit allen Informationen zum Werdegang von Manfred Krankl finden Sie im Falstaff Nr. 06/2012 bzw. Falstaff Deutschland Nr. 04/2012
.

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