Alexander Margaritoff gibt nach 33 Jahren das Ruder bei Hawesko aus der Hand / Foto: Hawesko (Andreas Wernheuer)
Alexander Margaritoff gibt nach 33 Jahren das Ruder bei Hawesko aus der Hand / Foto: Hawesko (Andreas Wernheuer)

Die Nachricht kam Anfang November aus dem Nichts und verblüffte Deutschlands Weinszene: Über seine Beteiligungsgesellschaft Tocos gab der zweitgrößte Hawesko-Aktionär Detlev Meyer ein Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien der Hawesko Holding ab. Diesen Schritt unternehme Tocos - so die Pressemitteilung vom 7. November 2014 - vor allem, um eine Anpassung der Dividendenpolitik erwirken zu können. Durch eine Verringerung der Ausschüttungen solle die Finanzkraft des Weinhandels-Giganten für weitere Expansionsschritte gestärkt werden.

Während der letzten Wochen hatten sich daraufhin die Ereignisse überschlagen. Anfang Dezember lehnte der Hawesko-Vorstand das Übernahmeangebot in einer öffentlichen Stellungnahme ab. Gleichzeitig machten Gerüchte die Runde, dass ein »weißer Ritter« in Form der Beteiligungsgesellschaft Permira (Iglo, Hugo Boss) das Tocos-Angebot überbieten könne. Am 19. Dezember lud der Vorstand alle Aktionäre zu einer für den 26. Januar anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung ein. Durch diesen Schritt verlängerte sich die Annahmefrist für das Tocos-Angebot um einen Monat.

Kein »weißer Ritter«
Doch zu diesem Zeitpunkt schien bereits eine Vorentscheidung gefallen - noch vor Weihnachten meldete Tocos, seinen Anteil von 29,5 auf 33,7 Prozent erhöht - und damit Margaritoffs Anteil von 30 Prozent übertroffen zu haben. Auch das Gegenangebot eines »weißen Ritters« blieb aus. Am 6. Januar 2015 setzte die Neuberufung zweier Vorstände ein Zeichen: Mit Alexander Borwitzky und Nikolas von Haugwitz stiegen zwei jüngere Hawesko-Manager zu Vorständen auf. Einen Tag später wurde durch eine Pflichtmitteilung bekannt, dass Hawesko-Vorstand Bernd G. Siebdrat (Wein Wolf) 70.000 Hawesko-Aktien an Meyer veräußert hat. Wenige Tage vor der Hauptversammlung und dem Ende der Annahmefrist hat nun der 62-jährige Margaritoff am Montag auch selbst angekündigt, seine Anteile an Meyer zu verkaufen. Sein Amt als Vorstandsvorsitzender wird Margaritoff noch bis zum 30. Juni fortführen.

Bequeme Mehrheit für Meyer
Meyer stammt ursprünglich aus der Modebranche. Seit er vor einigen Jahren die von ihm mitgegründete Kette Street One an einen Finanzinvestor verkauft hat, erwarb er nicht nur Beteiligungen an Hawesko und dem auf Weinraritäten spezialisierten Geisenheimer Weinhändler Weinart, sondern kaufte auch die rheinhessischen Weingüter Heyl zu Herrnsheim und Sankt Antony. Mit seinem nun über 60-prozentigen Anteil an Hawesko dürfte er eine bequeme Mehrheit besitzen, um das Unternehmen nach seinen Vorstellungen weiterzuführen.

Hawesko ist im Groß-, Einzel- und Versandhandel tätig, zur Holding gehören so namhafte Unternehmen wie Jacques' Wein-Depot, Wein Wolf, CWD, Wein+Vinos, Carl Tesdorpf, aber auch das online-Portal tvino.de. Mit 925 Mitarbeitern schuf das Unternehmen 2014 einen veranschlagten Konzernumsatz von 465 Millionen Euro. Meyers Übernahmeangebot von 40 Euro pro Aktie bewertet den im Herbst 2014 aus dem SDAX abgestiegenen Titel mit rund 360 Millionen Euro. Die für den 26. Januar geplante außerordentliche Hauptversammlung ist abgesagt.

(Ulrich Sautter)

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