Sofitel Vienna
Sofitel Vienna / Foto: Bernhard Degen

Wie ein fliegender Teppich schwebt die weithin sichtbare Lichtins­tal­lation der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist über der Stadt. Wien hat ein neues Wahrzeichen, das dem Schwedenplatz und dem Donaukanal besonders in den Nachtstunden ein verändertes Gesicht gibt. Das von Stararchi­tekt Jean Nouvel entworfene Hochhaus wurde ­Ende 2010 eröffnet und beherbergt mit dem »Stilwerk« ein Konglomerat von Designläden sowie das Hotel Sofitel mit 182 Zimmern und Suiten. Unter der Rist’schen Lichtdecke befindet sich in der 18. Etage das Restaurant »Le Loft«, das einen traumhaften Rundblick über die Donaumetropole bietet. Unter Mitwirkung von Jean Nouvel, Pipilotti Rist und Sternekoch Alain Westermann verschmelzen Architektur, Avantgarde und Küche zu einem Gesamtkunstwerk.

Die Deckeninstallation von Pipilotti Rist ist weithin sichtbar/Foto: Sofitel
Die Deckeninstallation von Pipilotti Rist ist weithin sichtbar/Foto: Sofitel

Dinieren über den Dächern der Stadt
Westermanns primäre Wirkungsstätte bleibt das »Drouant« an der Place Gaillon in Paris, für die Umsetzung seines Konzepts der Elsässer Küche mit österreichischen Einflüssen sorgt Küchenchef Raphael Dworak, ein treuer Gefolgsmann des Starkochs. Sowohl bei der Weinkarte als auch bei der Wahl der Zutaten wurde auf österreichische Spezialitäten Bedacht genommen. Etwas erhöht thront im obersten Stockwerk die Bar des Sofitel Vienna Stephansdom (so der korrekte Name). Im frei zugänglichen Parterre befindet sich das »Neni im Zweiten«, das neue Restaurant der israelischen Szeneköchin Haya Molcho.

Neues Wahrzeichen
»Ich will kein austauschbares Disneyland bauen. Ich finde, man muss die Stadt spüren können, die draußen vor dem Fenster liegt«, sagt Jean Nouvel, der für einige der spektakulärsten Gebäude der Welt verantwortlich ist. Die Fenster der stadtseitigen Zimmer beginnen genau auf Höhe der Betten. Die Gäste können sich mit verschiebbaren Wandelementen ihren eigenen Ausschnitt von Wien erstellen. Abge­sehen von Rists farbenfrohen Installationen herrschen Schwarz, Grau und Weiß vor – die Zimmer sind wie die Fassaden je nach Himmelsrichtung einheitlich in einer

Mithilfe verschiebbarer Elemente können sich die Sofitel-Gäste ihre individuelle Wien-Ansicht erstellen/Foto: Sofitel
Mithilfe verschiebbarer Elemente können sich die Sofitel-Gäste ihre individuelle Wien-Ansicht erstellen/Foto: Sofitel

dieser Farben gestaltet. Gemeinsam mit dem benachbarten Media-Tower von Hans Hollein bildet der Nouvel-Tower ein Tor vom ersten Bezirk zur Leopoldstadt. Nouvel suchte bewusst einen Konnex zu Holleins Schöpfung: »Stellen Sie sich vor, dass sich eine Fläche unter der magnetischen Kraft des Baus von Hollein zu neigen beginnt, während sich eine andere Fläche entscheidet, die Stadt mittels einer Decke aus heimlichen Bildern zu beleuchten.« Tatsächlich ist die Front zur Taborstraße und somit zum Media-Tower leicht geneigt.

Shangri-La
Das Sofitel ist nur eines von mehreren vielversprechenden Hotelprojekten in Wien. Mit Spannung wird schon die für Anfang April ­geplante Eröffnung des Shangri-La erwartet – einer Wiener Zweigstelle der internationalen Luxushotelkette. Das Hotel wird 207 Zimmer beherbergen, beginnend bei einer Größe von 45 Quadratmetern bis hin zu drei Präsidentensuiten mit bis zu 500 Quadratmetern. Das künftige Gourmetrestaurant mit Küchenchef Joachim Gradwohl wird sich auf Straßenniveau befinden. Neben einem umfangreichen Day Spa ist mit 100 Quadratmeter Wasserfläche auch das größte Hallenbad aller Wiener Luxushotels vorgesehen. Keinen Neu-, sondern nur einen Umbau gibt es im Palais Coburg, wo Küchenchef Silvio Nickol schon intensiv an den Vorbereitungen arbeitet: Das neue Restaurant wird vermutlich Mitte März aufsperren.

Die Zimmer im Sofitel sind komplett in den Nicht­farben Weiß, Grau und Schwarz gehalten /Foto: Sofitel
Die Zimmer im Sofitel sind komplett in den Nicht­farben Weiß, Grau und Schwarz gehalten /Foto: Sofitel

Kempinski
Die nächste große Eröffnung dürfte aus heutiger Sicht eine neue Dependance der Kempins­ki-Gruppe betreffen. Die Bauarbeiten im Palais Hansen neben dem Ringturm haben bereits begonnen, die Fertigstellung des Hauses mit geplanten 151 Zimmern und zwei Restaurants ist für Ende 2012 vorgesehen. Nichts Neues gibt es hingegen vom Palais Schwarzenberg, für das Scheich al Jaber mit seiner JJW-Gruppe (»Grand Hotel«, »The Ring«) die Nutzungsrechte erworben hat. Es gibt zwar ehrgeizige Pläne, in die auch Multigastronom Toni Mörwald eingebunden ist, die Umbau­arbeiten haben aber noch nicht begonnen.

Four Seasons
Ein weiteres Luxushotel mit rund 300 Betten plant Immobilien-Grande René Benko in den Räumlichkeiten der ehemaligen Bank-Austria-Zentrale am Wiener Hof. Als Betreiber des Hotels sind Park Hyatt, Ritz-Carlton und Mandarin Oriental im Gespräch. Im ehemaligen Handelsgericht in der Riemergasse sollen sich ab dem Jahr 2013 die Gäste des Four Seasons wohlfühlen.

Aus Falstaff Nr. 1/2011

Text von Bernhard Degen

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