Tom Hillenbrand zeigt uns auch sein Luxemburg / Foto: Dirk Guldner / www.foto-guldner.de
Tom Hillenbrand zeigt uns auch sein Luxemburg / Foto: Dirk Guldner / www.foto-guldner.de

Sein Held heißt Xavier Kieffer, ist Besitzer des Restaurants »Deux Eglises« in Luxemburg und wird zum dritten Mal mit einem Verbrechen konfrontiert. Autor Tom Hillenbrand lässt den ehemaligen Sternekoch in seinem jüngsten Werk eintauchen in die komplexe Welt der Finanzmärkte und Unternehmen, die mit Lebensmittelpreisen spekulieren.

Luxemburger Oktoberfest
Los geht die »Letzte Ernte«, so der Buchtitel, während der Schueberfouer, der luxemburgischen Version des Münchner Oktoberfests. Kieffer verkauft dort seine Gromperekichelcher – Kartoffelpuffer bzw. Reibekuchen, die die Liste der lokalen Top-Ten-Snacks auch in der realen Welt mit weitem Abstand anführen.


Tom Hillenbrand in Luxemburg / Foto: Dirk Guldner (www.foto-guldner.de)

Lebhafte Restaurant- und Barszene
Die Schueberfouer 2013 beginnt am 23. August und dauert bis zum 11. September, warum also nicht ein Weekend auf Kieffers Spuren im Großherzogtum verbringen? Da sich Hillenbrand in der Stadt Luxemburg sehr gut auskennt (er studierte Europapolitik und absolvierte hier ein mehrmonatiges Praktikum), darf man den Wegbeschreibungen in seinen Büchern ruhig vertrauen. Abgesehen davon ist es einfach, sich zurechtzufinden: Zentrum und Altstadt liegen oben auf einem Plateau, das Stadtviertel Grund, in dem Kieffer wohnt, liegt unten am Fluss Alzette. Was nicht nur geografische Bedeutung hat, sondern auch soziologische: Im Grund lebten früher die Arbeiter, dort befand sich auch das Gefängnis. Dies hat sich inzwischen geändert, denn da aus Steuergründen viele Internet-Unternehmen ihr Headquarter nach Luxemburg verlegt haben, ist im Grund eine lebhafte Restaurant- und Barszene entstanden. Dort finden sich etwa auch das 2-Sterne-Restaurant »Mosconi« und der Japaner »Kamakura«

Über die Alzette hinüber geht man entweder zu Fuß hinauf in die Altstadt oder man benutzt den Aufzug. Oben hat man vom Plateau Saint-Esprit den besten Blick auf die, die da unten im Grund leben. In der Altstadt spielt sich im Prinzip alles ab zwischen der Rue Philippe II., der Grand-Rue, der Rue du Marché-aux-Herbes und der Rue Notre-Dame. Dazwischen liegt der Place Guillaume II., der gemeinhin nur Knuedler heißt, und der Place d’Armes mit dem gleichnamigen 5-Sterne Hotel. Das ist allein schon architektonisch sehenswert, besteht es doch aus sieben ehemaligen Stadthäusern. Im Erdgeschoß gibt’s Kleinigkeiten in der »Brasserie Pless«, in der ersten Etage speist man im Gourmet-Restaurant »La Cristallerie« französisch.

Wo Kenzo isch
Beim Bummel durch die Rue Philippe II. kann es schon mal passieren, dass der unbedarfte Windowshopper von einer mit Tüten beladenen Touristin in breitem Schwäbisch gefragt wird: »Wisset Sie, wo Kenzo isch?« So gut wie alle bekannten Labels haben hier (die Dame muss übrigens zu Hausnummer 7) und vor allem in der Grand-Rue Boutiquen. An der Kreuzung der beiden Straßen kann man beim Shoppen in einer der besten Espresso-Bars der Stadt ein Päuschen einlegen. Wem die Einkaufstüten übrigens zu schwer werden sollten – einfach den elektrisch betriebenen Shopping-Bus nehmen, der an den wichtigsten Stationen hält.


Den Wegbeschreibungen in Hillenbrands Büchern kann man vertrauen / Foto: Dirk Guldner

Achtung Kalorienfalle!
Am Ende der Grand-Rue wartet dann die Kalorienfalle schlechthin, das Delikatessengeschäft Oberweishttp://www.oberweis.luDrinnen sind sämtliche Leckereien ordentlich sortiert – rechts die salzige Abteilung (darunter die legendären Rieslingpasteten, mit und ohne Kraut), rechts die süßen Verführer von Kuchen bis Pralinen in allen möglichen Formen und Farben.

Von dort geht’s rechterhand hinunter Richtung Krautmarkt (das luxemburgische Synonym für das Parlament), dort trifft sich abends in der Rue du Marché-aux-Herbes tout Luxembourg im Urban, im Café go Ten, im Palais oder in sonst einer der zahlreichen Bars. Oder im Chocolate House, wo man zur heißen Milch einen »Hotchocspoon« zum Umrühren bekommt – die Schokostifte gibt’s in 30 Geschmacksrichtungen, inklusive Wasabi.

(c) Dirk Guldner / www.foto-guldner.de
(c) Dirk Guldner / www.foto-guldner.de

Herrliche Auswahl
Gourmets haben abends die Wahl zwischen den Sternerestaurants »Clairefontaine« und Le Bouquet Garni, oder sie fahren ein paar Kilometer stadtauswärts nach Frisange zu Luxemburgs bekanntester Köchin Léa Linster. Die beiden Klassiker dort: Lamm mit Kartoffelpufferkruste (damit gewann Léa Linster den Bocuse d’Or) und die Crême brulée mit Linsters legendärer Madeleine.

Typische luxemburgische Hausmannskost bekommt man im Wälstuff Restaurant »Kniddelkinnek«, dem »Knödelkönig«. Die kleinen Kugeln gibt’s in allen möglichen Variationen, mit Speck, Gemüse, Käse, gratiniert oder à la française – aber Vorsicht. Die Portionen sind gewaltig und nur von Menschen zu bewältigen, die vorher zwei Tage auf Nulldiät waren.

Autor Tom Hillenbrand ist im Rahmen seiner Recherchen übrigens zu einem ausgezeichneten Kenner der luxemburgischen Küche geworden, die sein Protagonist Xavier Kieffer exzellent beschrieben zubereitet. Kieffer ist nun in der »Letzten Ernte« (320 Seiten, Paperback, erschienen bei KiWi) weniger in der Altstadt unterwegs, seine Informanten (aktuell nennt man sie »Whistleblower«) sitzen gegenüber auf dem Kirchberg, dort befinden sich die Büros vieler europäischer Behörden.


Nicht nur Tom Hillenbrand ist gerne bei Léa Linster zu Gast / Foto: Dirk Guldner (www.foto-guldner.de)

Gebäude im Dialog
Und das Museum für zeitgenössische Kunst (Mudam), das man trotz aller kulinarischen Verführungen unbedingt besuchen sollte, allein schon wegen der Architektur. Ieoh Ming Pei hat ein Gebäude aus Magny Doré, einem honigfarbenen Sandstein und Glas geschaffen, das trotz seiner Modernität in einem perfekten Dialog zu den unmittelbar benachbarten Überresten des Fort Thüngen steht (unbedingt dort in die Kasematten gehen). Bis 8. September ist im Mudam noch die Ausstellung »Actus Tragicus« des niederländischen Künstlers Folkert de Jong zu sehen: Zehn weit überlebensgroße Figuren baumeln an Stricken von der gläsernen Kuppel des zentralen Raums des Museums. Geht man zwischen ihnen hindurch und berührt sie, beginnen sie einen bizarren Tanz.

Koch und Ermittler Xavier Kieffer hat mit Kunst nicht so viel am Hut, er muss sich darum kümmern, dass seine Gromperenkicheler rechtzeitig fertig werden. Wer auf der Schueberfouer oder an einem Imbisstand die Spezialität erwirbt, sollte folgende Verzehrtechnik anwenden: Man kauft normalerweise drei Kartoffelpuffer (auf Papptellern) und ein Pils. Zum Essen stellt man den Pappteller auf das Pils und isst den Reibekuchen mit der Hand. Zum Trinken, klar, den Pappteller vorher wieder vom Pils nehmen.

Das Buch:
Tom Hillenbrand, Letzte Ernte: Kiepenheuer & Witsch 2013. Preis 8,99 Euro (Deutschland) bzw. 9,30 (Österreich).

Text von Michael Tempel

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