Eier haben nach den jüngsten Skandalen ein Image-Problem / Symbolfoto: Andreas Jakwerth
Eier haben nach den jüngsten Skandalen ein Image-Problem / Symbolfoto: Andreas Jakwerth

Rattengift im Romanasalat, Metallstückchen in Käse-Sahne-Tortelloni, Listerien in Pfälzer Leberknödeln, Giftpilze unter getrockneten Spitzmorcheln: Nahezu täglich informiert der Newsletter der Website lebensmittelwarnung.de über gesundheitsgefährdende Stoffe in Lebensmitteln oder Fertiggerichten. Und das alles neben dem hinlänglich bekannten Etikettenschwindel bei Pferdefleisch und Bio-Eiern. Was muss noch alles passieren, bis seitens der Verbraucher eine signifikante Reaktion erfolgt? Denn eines steht fest: Egal, wie groß der Skandal ist – der Verdrängungsmechanismus bei uns allen ist noch größer. Unser Einkaufsverhalten ändert sich nicht. Nach wie vor greift die Mehrheit zu Billigprodukten, der Preis diktiert die Nachfrage. Solange sich diese Einstellung nicht ändert, werden wir auch in Zukunft mit Skandalen leben müssen.
Eine Veränderung der Einstellung und damit des Verhaltens gehört zum Schwierigsten, was man bei einem Menschen erreichen kann – lehrt zumindest die Kommunikationswissenschaft. Wir sehen die Skandale im Fernsehen, hören über sie im Radio, lesen über sie in Magazinen, Tageszeitungen und im Internet, wir empören uns, wir fordern vehement, dass die Politiker handeln – aber wir selbst reagieren nicht.

Jeder kennt die Lösung
Dabei kennt jeder die Lösung: Nur das ­essen, von dem man genau weiß, wo es herkommt und was drin ist. Wenn man hundertprozentig sicher sein will, heißt das: Entweder man baut selbst an (über den Trend Urban Farming haben wir ausführlich berichtet), oder man findet Bauern, denen man vertraut und von denen man weiß, wie sie Obst und Gemüse anpflanzen und wie sie ihre Tiere halten. Gleiches gilt für Metzger und Gemüsehändler. Natürlich ist das eine Illu­sion weit jenseits jeder Realität – wer würde sich allein die Zeit nehmen, sich ein solches Netzwerk aufzubauen? Die Realität sind agrarindustrielle Großproduzenten und der Supermarkt. Damit wir uns recht verstehen: Der Handel hat ein ureigenes Interesse daran, nur »saubere« Lebensmittel anzubieten. Wo nicht gekauft wird, gibt’s kein Geschäft. Jede Supermarktkette hat inzwischen eigene Bio-Marken, deren Lieferanten sie streng kontrolliert. Nur: Der Verbraucher kann nicht nachvollziehen, ob da überall auch Bio drin ist, wo Bio draufsteht.

Glaubensfrage
Inzwischen gibt es erste Versuche mit QR-Codes auf Verpackungen, die Informationen auf Smartphones übertragen. Da sieht man dann die Kuh, von der – angeblich – die Milch in der Tüte stammt. Das kann man glauben oder nicht. In Testsupermärkten wird seit Längerem damit experimentiert, auch in den Barcodes Informationen über die Herkunft des Produkts bzw. die Zutaten zu speichern. Schließlich werden wir in nicht allzu ferner Zukunft ein Display am Einkaufswagen haben, mit dem wir die Produkte scannen und dabei nicht nur den Preis erfahren. Auch diese Informationen kann man dann glauben oder eben nicht.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser
Rein theoretisch müsste auch die Lebensmittelindustrie – speziell die global agierenden Giganten wie Nestlé, Coca-Cola, Kraft, Nabisco, Procter&Gamble etc. – ein Interesse daran haben, Vertrauensverluste wieder wettzumachen. Rein theoretisch. Denn so­lange sich das Verbraucherverhalten nicht ändert, besteht kein Handlungsbedarf.

Buch mit sieben Siegeln
Verbraucherverbände wie foodwatch fordern seit Jahren mehr und vor allem verlässliche Informationen auf Verpackungen. Sogenannte Gütesiegel helfen da nur bedingt weiter. Verbände wie Demeter, Naturland oder ­Bioland gelten zwar als verlässlich, aber beim EU-Bio-Siegel wird das schon schwierig, dessen Kontrollsystem hat sich mehrfach als mangelhaft herausgestellt. Mehr Vertrauen haben darf man zu regionalen Gütesiegeln – in Österreich ist man da schon weiter: Es gibt sogenannte Genussregionen, deren Produkte und Produzenten jederzeit von jedem nachvollziehbar kontrolliert werden können. Und es gibt darüber hinaus das Siegel der Agrarmarkt Austria (AMA), die damit ausschließlich Produkte gesicherter Herkunft und Inhaltsstoffe auszeichnet und diese dann auch über eine Datenbank öffentlich macht. Das schafft Vertrauen.

Übrigens: Der Preis ist längst kein Kriterium mehr für Qualität. Gut muss nicht teuer sein. Nur: Solange Etikettenschwindel ohne Folgen bleibt und Qualität nicht erkennbar gemacht werden muss, wird es immer wieder minderwertige Ware zu hohen Preisen geben.

Mehr zum Thema

News

Martiniloben am Neusiedler See

Weingenuss und Gansl-Kulinarik – wir haben die wichtigsten Termine 2018 im Überblick.

News

Naturweine: Die Ruhe nach dem Sturm

Natur, Orange, Amphore: Alternativ produzierte Weine boomen. Auch in den deutschsprachigen Ländern setzen immer mehr gestandene Winzer auf die »neuen«...

News

Impressionen der Falstaff Champagnergala 2018

Die schönsten Eindrücke vom großen Falstaff Champagner-Event im Wiener Palais Ferstel – mit Fotos vom Symposium, der Verkostung, den Ausstellern und...

News

Die Sieger der Falstaff Soave Trophy 2018

Der Tenuta di Corte Ciacobbe – Soave Superiore Vigneto Runcata der Familie Dal Cero belegt Platz eins und holt sich die Soave Throphy 2018.

News

Was ist dran an der Histamin-Hysterie?

Übelkeit, Migräne, rinnender Nase und Hautrötungen – Das Spektrum der Symptome einer Histaminintoleranz ist breit. Doch was ist dran am Histamin?

News

World Champions: F.X. Pichler

Franz Xaver Pichler hat Österreich in der internationalen Weinszene bekannt gemacht. Sein Sohn Lucas tut das heute mit der gleichen familientypischen...

News

Italien: »Volcanic Wines« von Nord bis Süd

Am Ätna auf Sizilien wurden die ersten zehn Jahre der »Volcanic Wines« zelebriert. Diese Weine verbindet der vulkanische Boden und eine ausgeprägte...

News

Lageder: Ein Weingut – Drei Geschwister

Helena Lageder, die jüngste Tochter der Lageders, tritt wie bereits ihre zwei älteren Geschwister ins Familienweingut ein.

News

Gewinnspiel: Reunion setzt neue Maßstäbe für Blaufränkisch

Die beiden in Kooperation zwischen Gerhard Kracher und dem Winzerkeller Neckenmarkt vinifizierten Ausnahmeweine aus der Lage Hochberg sind von...

Advertorial
News

Kremstal DAC Rieden-Cup: Stoffige Eleganz

Das Kremstal ist Herkunft großer Grüner Veltliner und Rieslinge. Die Cupsieger kommen diesmal vom Weingut Salomon Undhof und vom Weingut Franz...

News

Umfrage: Die Lieblingsgetränke der Österreicher

Kaffee, Bier, Wein, Wasser... Welches ist ihr Lieblingsgetränk? Worauf könnten Sie gar nicht verzichten? Stimmen Sie mit!

News

Champagne: außergewöhnliche Weinlese 2018

Die heißen Temperaturen und sonnigen Tage des Sommers haben sich bezahlt gemacht: Die diesjährige Weinlese in der Champagne verspricht beste Qualität....

News

Die Wachau ist auf dem Weg zum DAC-Status

Die Winzer haben sich auf eine dreistufige Qualitätspyramide geeinigt und wollen ihre Stil-Bezeichnungen Steinfeder, Federspiel und Smaragd...

News

Die Sieger der Falstaff Burgunder Trophy 2018

Sieger der Burgunder Trophy 2018 sind unter anderem Günter und Regina Triebaumer, Georg Prieler und Andreas ­Gsellmann. Alle weiteren Sieger finden...

News

Domäne Wachau: Produktionsstätten für die Zukunft

Das größte bisherige Projekt der Domäne Wachau ist vollendet und wurde gebührend gefeiert.

News

100 Parker-Punkte für Gewürztraminer »Epokale 2009«

Erstmals konnte ein Südtiroler Wein die Höchstwertung in Robert Parker’s Wine Advocate erzielen. Zuvor hatte schon Falstaff den Wein sehr hoch...

News

Kaiserlichen Wein aus Schönbrunn ersteigern

Wer gerne einen imperialen Tropfen genießen möchte, kann derzeit eine rare Köstlichkeit aus Trauben aus dem Schönbrunner Schlosspark erwerben.

News

Genussfahrt zur Gerolsteiner Quelle

Mit österreichischen Spitzengastronomen durch das Ahrtal nach Gerolstein und über die Mosel wieder nach Hause – mit vielen genussvollen Stationen.

News

Fritz Wieninger ist Winzer des Monats im »Dstrikt«

Das Steakhouse und die Sommelière Sindy Kretschmar präsentieren im September Weine des Wiener Spitzenwinzers.

News

Alles über Naturwein

Natur, Orange, Amphor: Naturweine boomen. Sie führen abseits der gewohnten Geschmackswelten und mögen den einen oder anderen überraschen.