»Late Releases«: Gereifte Rieslinge von Gut Hermannsberg

Karsten Peter ist Betriebsleiter auf Gut Hermannsberg im Nahetal.

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Karsten Peter ist Betriebsleiter auf Gut Hermannsberg im Nahetal.

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Falstaff sprach mit Karsten Peter, dem Betriebsleiter von Gut Hermannsberg, einem der neuen Stars des Nahetals, über die Reifebedürftigkeit großer Rieslinge – und den steinigen, aber zielführenden Weg zur späteren Vermarktung der Weine.

Falstaff: Herr Peter, schildern Sie doch bitte kurz, wie der Vermarktungszyklus auf Gut Hermannsberg aussieht.
Karsten Peter: Insgesamt bringen wir drei Große Gewächse als »Late Releases« auf den Markt, nämlich zwei Jahre nach der Lese: die Rieslinge aus der Traiser Bastei und dem Niederhäuser Hermannsberg. Und fünf Jahre nach der Lese denjenigen aus der Schlossböckelheimer Kupfergrube. Dieses GG hatten wir früher ebenfalls nach zwei Jahren gebracht, aber wir sind überzeugt, dass es enorm von drei weiteren Jahren Wartezeit profitiert. Die Lage fordert das geradezu ein.

Und wie sind die Reaktionen vom Markt?
Als wir 2014 angefangen haben, die Kupfgergrube zurückzuhalten und erst später zu bringen, da war das schon schwierig, weil der Markt für gereifte Weine komplett gefehlt hat. Da waren wir gefühlt die einzigen, die sowas gemacht haben, und wir mussten viel erklären. Aber unsere Kunden haben relativ schnell verstanden, dass GGs in dieser Güteklasse Zeit zur Entwicklung brauchen.

Und wie waren die wirtschaftlichen Folgen?
Zu Beginn war es ja nur eine einzige Lage, die uns im Verlauf gefehlt hat, und nicht drei wie inzwischen. Aber klar, es war schon eine Entscheidung, die wirtschaftlich weh getan hat. Nur, wenn man sich mal entschieden hat, dann muss man die Schmerzen auch aushalten.

Und die sind erträglich?
…die waren verkraftbar, uns gibt’s ja noch. Und wir sehen immer deutlicher: Erst mit Reife zeigt sich die Größe der Lagen. Es gilt grundsätzlich, fürs Weingut wie für die Kunden: Wenn man die Weine zu früh trinkt, verschenkt man Geld.

Auch die Kunden verschenken Geld?
Unbedingt, denn man hat ja auch schon einen gewissen Obulus bezahlt, wenn man sich den Wein in den Keller legt. Ein GG, das einen solchen Preis gekostet hat, früher als fünf Jahre nach der Lese zu trinken, ist rausgeworfenes Geld. Für den früheren Genuss gibt es den Ortswein als spannende und ebenfalls hochwertige Kategorie.

Allerdings hört man oft auch, dass ein großer Wein in jedem Reifezustand schmecken müsse.
Natürlich kann man kellertechnisch das eine oder andere tun, um die Entwicklung zu beschleunigen, aber das ist nicht unser Weg und unsere Intention, für uns ist Zeit das wichtigste önologische Mittel.

Haben Sie Erfahrungswerte, wer besser auf »Late Releases« anspricht, Privatkunden oder Gastronomie?
Da gibt es, glaube ich, keinen Unterschied. Privatleute haben oft keinen guten Keller und sind sehr dankbar, wenn sie etwas beginnend Trinkreifes kaufen können. Die Gastro hat noch größeren Platzmangel. Und der Handel ist letztlich neutral, für den ist nur wichtig, dass Nachfrage da ist. Die einzige Gruppe, die Schwierigkeiten mit unserem späten Vermarktungszyklus hat, scheinen Journalisten zu sein, die wollen immer nur den jüngsten Jahrgang probieren.

Herr Peter, wir danken für dieses Gespräch.

Gut Hermannsberg in der Nahe.

Gut Hermannsberg in der Nahe.

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Verkostungsnotizen

  • 2018 Traisen Bastei Riesling GG
    93 PUNKTE
    Hefewürzig im Duft, braucht etwas Luft, um auch seine mineralisch-brenzligen Seiten zu enfalten. Im Mund gehaltvoll, dicht, die Wärme des Jahrs in Schmelz und Liebreiz umsetzend, aber es ist auch genug Struktur für eine jahrelange weitere Entfaltung vorhanden.
     
  • 2018 Niederhausen Hermannsberg Riesling GG
    92 PUNKTE
    Noch immer hefig im Duft, dazu etwas Holz, und leicht karamellige, honigartige Noten. Im Mund mit dezenter Süße eröffnend, geschmeidig und saftig fortsetzend, feiner Extrakt in der Gaumenmitte, kräftiger Körper, erste Reife mit schöner Zugänglichkeit.

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