Kutschkermarkt: »Die Gastronomie ist unser Überlebenskonzept«

Die Kulinarik spielt am Kutschkermarkt eine wichtige Rolle.

© Andreas Jakwerth

Die Kulinarik spielt am Kutschkermarkt eine wichtige Rolle.

© Andreas Jakwerth

Um den »Fressmeilen« auf den Wiener Märkten den Garaus zu machen, trat mit 1. Juli eine Neuregelung der Marktordnung in Kraft. Die Gastro-Nebenrechte, die es Standlern bis dahin ermöglichten, auch Speisen und Getränke anzubieten, wurden für neue Betriebe gestrichen. Sowohl bei Standbetreibern als auch bei Marktbesuchern stößt diese Maßnahme auf Unverständnis. Laut Falstaff-Umfrage sprechen sich mehr als 80 Prozent der Befragten, gegen diese Neuregelung aus. Aufgrund der großen Resonanz auf die Umfrage hat Falstaff eine Petition gegen die Neuregelung gestartet.

Werden Sie jetzt aktiv: Unterzeichnen Sie die Petition gegen das Konsumationsverbot!

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Märkte gehören wie Kaffeehäuser zu Wien

Um uns einen Eindruck zu verschaffen, haben wir auch verschiedene Wiener Märkte besucht und mit Standlern sowie Passanten bzw. Kunden gesprochen. Am Kutschkermarkt im 18. Bezirk treffen wir gleich auf eine ältere Dame, die aus Berlin zu Besuch bei ihrem Sohn ist. Sie zeigte sich entsetzt, als wir ihr die Neuregelung der Marktrechte kurz erklären: »Warum wollen sie die Wiener Gemütlichkeit verbieten, für die diese schöne Stadt doch so berühmt ist? Das ist absurd!« Einen Marktbesuch verbindet die Touristin stets mit einem späten Frühstück, für sie Pflichtprogramm, wenn sie in Wien ist. »Die Märkte gehören für mich zu Wien wie die Kaffeehäuser. Und die sind ja, glaube ich, sogar Weltkulturerbe. Irgendwas läuft hier also gewaltig schief!«

Verbote verbessern die Situation nicht

»Ein Marktbild sollte bunt sein«, davon ist Irene Pöhl vom »Pöhl’s am Kutschkermarkt« überzeugt. »Das wichtigste sind Obst-, Gemüse- und Blumenstände und die Menschen die kommen und verweilen möchten bleiben nun mal bei den Gastronomiebetrieben.« Vor Jahren habe etwa die Kombination von Handel und Gastronomie quasi den Kutschkermarkt gerettet, erzählt Pöhl weiter. »Man wollte ihn schon fast schließen. Damals hab ich mich mit vier anderen Frauen von Ständen zusammengetan und wir haben begonnen auch kleine Gastronomie zu betreiben und so wieder die Gäste auf den Markt gelockt. Die Gastronomie ist unser Überlebenskonzept. Man isst, wo man gerade ist. Ein Markt ist eine Lebenszelle mitten in der Stadt und wichtig für das Stadtbild.« Irene Pöhl ist der Meinung, dass das Markttreiben nicht durch Verbote verbessert werde, sondern durch Regeln, die aber auch eingehalten werden müssten. Etwas zu verbieten gehe in die falsche Richtung. Sie wünscht sich außerdem, dass die Marktleute viel mehr bei den Entscheidungen miteinbezogen werden. »Hier am Kutschkermarkt herrscht eine Harmonie zwischen allen Ständen, egal ob mit großer oder kleiner Gastronomie, wir arbeiten alle miteinander.

Kulinarisches Potenzial

Am Ende unseres Streifzugs über den kleinen, charmanten Markt treffen wird noch einen Mitt-Dreißiger beim Gemüseeinkauf und fragen ihn nach seiner Meinung zum Thema Neuregelung der Gastro-Nebenrechte. »Ich nutze den Markt zwar nur zum Einkaufen, aber ich frag’ mich schon: Wer wenn nicht die Standler mit ihren frischen Waren haben Potenzial daraus gute Gerichte zu machen? Wieso sollten sie das jetzt auf einmal nicht mehr dürfen? Ich denke, die Politik sollte sich den wirklichen Problemen stellen und sich nicht mit solchen Zwangsbeglückungen beschäftigen, die eh nur alle Betroffenen unglücklich machen.«

Unterschriften sammeln

Möchten Sie die Falstaff Petition offline unterstützen, so bieten wir Ihnen hier eine Unterschriftenliste zum Download und Ausdrucken an. Bitte retournieren Sie die gesammelten Unterschriften spätestens bis zur Ablauffrist der Petition (25.9.2017) an den Falstaff Verlag, Führichgasse 8, 1010 Wien.

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