Gegensätzliches Duo am Herd: ­»Kochen ist Chefsache«
Gegensätzliches Duo am Herd: ­»Kochen ist Chefsache« / Foto: Senator Film

Den Druck permanenter Hochleis­tung und kulinarischer Moden kennen viele Köche. Dem Kino ­liefert das Stoff für pointierte Geschichten. Aktuell auf der Leinwand: Einem hochdekorierten Küchenchef gehen die Ideen aus, doch sein neuer Chef will, dass er sich endlich etwas Modernes einfallen lässt, und poltert: »Deine Rezepte sind wie aus dem ­vorigen Jahrhundert!« Alexandre Lagarde ­(gespielt von Jean Reno) ist Frankreichs ­berühmtester Sternekoch, doch seine Zeit scheint abgelaufen. Er soll durch einen jungen Molekularschnösel ersetzt werden, ­einen, der kleine Entenstücke in Geleeform zubereitet oder irgendwas mit Stickstoff. Schließlich bekommt Lagarde von seinem Chef noch eine letzte Chance: Er muss ein sagenhaftes Menü kreieren, um die Kritiker eines Sterne vergebenden Guides zu überzeugen. Alles ziemlich unerfreulich. Der Druck auf Lagarde steigt wie in einem Schnellkochtopf.

Da taucht gerade rechtzeitig der junge ­Jacky Bonnot (Michaël Youn) auf. Er ist ein talentierter Koch, aber ein ziemlicher Hitzkopf, weshalb er in nur einem Monat vier Stellen verloren hat. Die beiden tun sich ­zusammen, und von nun an sind Lagardes ­Gerichte wieder in aller Munde, werden von allen Seiten gelobt – und das, obwohl er selbst nicht einmal eine Prise Salz dazu bei­getragen hat. ­Jacky kocht Lagardes Wider­sacher an die Wand.

Bekömmliche Unterhaltung
Was Regisseur Daniel Cohen hier als Komödie serviert, ist vielleicht nicht ganz große Filmkunst, aber gute Hausmannskost. Keine Haute Cuisine, sondern bekömmliche Unterhaltung, so zumindest die mehrheitliche ­Meinung der Filmkritik. »Kochen ist Chefsache« ist die jüngste Schöpfung eines eigenen Genres, das mit Klassikern wie »Das große Fressen« (1973) und »Brust oder Keule« (1976) erstmals in den 1970er-Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Seither sind unzählige Filme erschienen, in denen gekocht, gevöllert, getrunken und gesoffen wird, in denen Bauch und Verdauung zentrale Rollen einnehmen. Der Koch- und Gourmetfilm ist mal Liebesfilm, mal ­Komödie, mal Drama und umfasst Meisterwerke wie »Big Night« (1996), »Sideways« (2004), »Eat Drink Man Woman« (1994) oder den Greenaway-Klassiker »Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber« (1989).

Die neue Filmgeschichte
Eine der jüngsten Schöpfungen aus dem Genre der Koch- und Essfilme ist der 2007 in die Kinos gekommene Animationsfilm »Ratatouille« von Brad Bird und Jan Pinkava, ein Film von fein­gliedriger Struktur und mit unerwartet großem Abgang, um in der Sprache önologischer Experten zu bleiben. Der Film ging zu Recht als eine der gelungensten und erfolgreichsten Aufarbeitungen zum Thema Köche und ­Restaurantkritiker in die neuere Film­geschichte ein.

Eine Ratte als Starkoch
Der Held des Films ist die Wanderratte Rémy, ausgestattet mit ausgesprochen feinem Geruchssinn und der Fähigkeit, grandiose Gerichte zu komponieren. Nach einigen Irrwegen gerät Rémy eher zufällig in die Küche eines Pariser Feinschmeckerlokals. Dort sieht das begabte Tier, wie der Küchenjunge Linguini hilflos herumdilettiert. Linguini ist beim Anblick der Ratte zunächst schockiert, erkennt aber schon bald die Begabung des possierlichen Nagers. Sie werden Freunde, und das Duo kreiert in der Folge grandiose Gerichte, stets bemüht, das wahre Geheimnis der Urheberschaft nicht preiszugeben. Letztlich wird aber auch der strengste Kritiker Frankreichs überzeugt.

Eine Ratte, versteckt unter der Kochmütze eines Kochs, der durch seinen haarigen Kompagnon zu Ruhm und Ehre gelangt, das ist die Grundrezeptur dieses faszinierenden Films. Allerdings stellt der Plot vermutlich auch so manchen Herdvirtuosen vor die Frage: Vielleicht ist da unten in den Abwasserrohren meiner Küche gar eine Ratte, die besser kocht als ich?


Eine Liste der beliebtesten Filme zum Thema Kulinarik können Sie hier nachlesen:

Die besten Kulinarik-Filme


Text von Herbert Hacker

Den vollständigen Artikel mit vielen weiteren Filmen aus dem Koch- und Essgenre finden Sie im Falstaff Nr. 06/2012.

Mehr zum Thema