Iñigo Rodríguez vom »El Hotel Pacha« ist einer der ­führenden Köche der Insel
Iñigo Rodríguez vom »El Hotel Pacha« ist einer der ­führenden Köche der Insel / Foto: beigestellt

Nirgendwo wird nächtliches Durchtanzen in Großdiskotheken und entspanntes Nachfeiern auf bewirtschafteten Strandliegen so kultiviert wie im Partyparadies Ibiza – auf den ersten Blick kein Terrain für Gourmets. Seitdem die Ibizenker versuchen, neben dem Sommer auch die anderen Jahreszeiten zu besetzen, hat sich jedoch in der gehobenen Gastronomie einiges getan.In schmucken Finca-Restaurants, trendigen Stadtlokalen und selbst in den einzigartigen Beachclubs werden inzwischen auch anspruchsvolle Gaumen zufriedengestellt.

Die Küche von Iñigo Rodríguez
Einer der vielversprechendsten Küchenchefs ist Iñigo Rodríguez. Der 32-jährige Baske ist verantwortlich für das Restaurant des Design­hotels Pacha, das zur gleichnamigen Diskothekenkette gehört. Bevor er nach Ibiza kam, machte Rodríguez Station im »elBulli« und im nicht minder berühmten »Mugaritz«. Eine breite Speisenpalette, von Sandwiches bis zum fünfgängigen Degustationsmenü, vermittelt in Bonbon-Ambiente bei lockeren Grooves das richtige Ibiza-Feeling.

Zu den bemerkenswerten Angeboten von Ibiza-Stadt zählt auch das charmante Lokal »S’Ametller« der aus Mallorca stammenden Köchin Marga Orell und ihres Mannes Joan Ferrer, der freundlich und kompetent die Tische bedient. Frische Inselprodukte, viele davon im eigenen Garten gezogen, verarbeitet Marga Orell zu stimmigen wie geradlinigen Drei-Gänge-Menüs zu erstaunlich fairen Preisen.
Im Restaurant des spektakulären Finca-­Hotels Can Curreu auf einer Anhöhe zwischen Santa Eulària und Sant Carles dominiert eine verfeinerte ibizenkische Marktküche die Speisekarte. Das elegant-rustikale Lokal gehört seit Jahren zum Besten, was die Insel zu bieten hat.

Ein Klassiker für traditionelle, aber nicht schwer im Magen liegende Ibiza-Kost ist der Dauerbrenner »Can Alfredo« am belebten Boulevard Vara de Rey in Ibiza-Stadt. Das Lokal wurde in den Dreißigern von einem Deutschen namens Alfred gegründet, der vor den Nazis nach Ibiza geflohen war. Das Restaurant ist ein Magnet für prominente Inselbesucher, die sich neben dem Fototermin mit Wirt Juanito auch an der guten Auswahl ibizenkischer Nachtischspezialitäten erfreuen.

Abseits von Ibiza-Stadt
Wem Ibiza-Stadt im Sommer zu heiß ist, der findet auf dem Weg nach Santa Eulària in der »Casa Colonial« ein stilvolles Kontrastprogramm. Auf einem bewaldeten Hügel werden mediterrane und fernöstliche Spezialitäten zwischen Buddhafiguren und Fackeln in einem balinesischen Garten serviert. Der seit 20 Jahren auf Ibiza lebende deutsche Küchenchef Mat­thias Conrad stellt seinen Menükreationen ein wechselndes fünfteiliges Häppchen-Arrangement voran.
Mit seinem urban designten Lokal »Ample 32« macht seit drei Jahren der bei spanischen Spitzenköchen ausgebildete Miguel Tur in San Antonio Furore. Der 32-Jährige bietet opulente Eigenkreationen auf Basis von Inselprodukten zu relativ moderaten Preisen an.

Strandrestaurants und Beachclubs
Wer den Strand nur ungern verlässt, ist auf Ibiza nicht auf Picknickkörbe und Kühl­taschen angewiesen. Von den zahlreichen ­Beachclubs mit Speiseangeboten ist das »Blue Marlin« in der Cala Jondal die Erste-Klasse-Party-Location unter den Strandlokalen. Auf weißem Ledermobiliar, beschallt von sattem Ibiza-Sound, entspannen und feiern die Reichen und die Schönen. Für die kulinarische Versorgung ist der Salzburger Christian Dintl zuständig, der mediterrane Spezialitäten auf dem gut sortierten Speisezettel anbietet. Direkt daneben liegt das Strandrestaurant »Yemanjá«, das sich aufgrund der offensichtlichen Unterschiede zum funkelnden Nachbarn gar nicht erst Beachclub nennt. Der Res­taurantgedanke steht hier denn auch eindeutig im Vordergrund. Die frische, schmackhafte Marktküche lockt Tag für Tag ein bunt gemischtes Publikum an.

Der Beachclub »Coco Beach« ist dagegen nichts für gepflegtes Understatement. Am ­äußersten Ende der Playa d'en Bossa zeigt man, was man hat, und das gilt auch für den deutschen Wirt Jimmy Immler. Ob Kaviar, Hummer, Weine mit 100 Parker-Punkten oder Obstlerflaschen im XXL-Format: Der Begriff Finanzkrise kommt im Wortschatz der dort feiernden deutschen Ibiza-Community nicht vor.


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Text von Wolfgang Schönborn
aus Falstaff Nr. 4/2011

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