Künstlerstadt zwischen den Bergen

Ein Blick in die Galerie August, die in einer alten Villa untergebracht ist. 

© Jens August

Ein Blick in die Galerie August, die in einer alten Villa untergebracht ist. 

© Jens August

Wird Monotones unterbrochen, sorgt das naturgemäß für Aufmerksamkeit. Auf einer Autobahn zum Beispiel. Fährt man auf der A10, der Tauern Autobahn, dahin und nähert sich der Kleinstadt Gmünd, braust man neben Schildern auch an Skulpturen vorbei. Kühe, Schweine, Mistgabeln, aber auch Geier und Adler sieht man. Diese lebensgroßen Gebilde aus Metall, alten, ausrangierten Gerätschaften oder Kunststoff-Materialien hat der Gmünder Bildhauer Fritz Russ kreiert. Sie zeigen, ja schreien förmlich auf die Autobahn hinaus, dass da irgendwas im Gange ist. Riesenbanner mit der Aufschrift »Kunstrast Gmünd« wecken dann zusätzlich Neugier. 

»Immer wieder können wir Gäste aufgrund unserer Skulpturen an der Autobahn in den Ort locken«, erzählt Erika Schuster. Seit zwanzig Jahren ist sie Geschäftsführerin der Kulturinitiative Gmünd und hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Kärntner Kleinstadt mit ihren knapp 2600 Einwohnern eine wahre Kulturoase mitten in Oberkärnten geworden ist.

Der mittelalterliche Hauptplatz ­ überrascht mit ­optischen Interventionen.

Der mittelalterliche Hauptplatz -überrascht mit optischen Interventionen. 

© Künstlerstadt Gmünd

Nicht über Nacht, versteht sich. Bereits 1991 wurde die Kulturinitiative ins Leben gerufen, und in diesem Vierteljahrhundert hat sich die Stadt mit ihrem umfangreichen 
Kulturprogramm auch international einen Namen gemacht. Regionale Stadtentwicklung durch kulturelles Engagement nennt sich das etwas sperrig. Dahinter steckt aber vor allem harte Arbeit. Auf das Resultat ist man mit Recht sehr stolz. So konnte sich etwa die eindrucksvolle Stadtturmgalerie als Ausstellungsort für Druckgrafiken international einen Namen machen. Werke von Francisco de Goya, Albrecht Dürer, Alfred Kubin, Valie Export oder Andy Warhol wurden hier im Laufe der Jahre präsentiert.

»Uns ist vor allem ein Mix aus internationalen und regionalen Künstlern sehr wichtig, und wir legen unseren Schwerpunkt vor allem auf bildende Kunst und Kunstvermittlung«, betont Erika Schuster. Kunstvermittlung wie im Pankratium, dem »Haus des Staunens«: Hier kann man sich in einer inszenierten Reise durch eine visuell-akustische Wunderwelt bewegen, und als Zugabe lässt sich auch noch die größte begehbare Geige der Welt bestaunen.

Kultur bringt Aufschwung

Die Schwerpunktsetzung aufs Museale hat einen guten Grund. Zwar finden sich im prallen Kulturkalender regelmäßige Konzert-, Kabarett-, Theater- und Literatur-Veranstaltungen. Auch Tanztheater und Filmvorführungen gibt es über das ganze Jahr in Gmünd zu sehen, aber die Verweildauer im Ort wird nicht durch diese vorwiegend am Abend platzierten Events gesteigert. Es sind die Ausstellungen in den zahlreichen Galerien und Ateliers der Stadt, die Kunsttouristen in Gmünd halten. Die Werke örtlicher Kunstschaffender, die auf den Output eingeladener Artists in Residence treffen.

Das Porsche-Museum huldigt seit 1982 der schnellen Kultmarke.

© Künstlerstadt Gmünd

Die Sammelleidenschaft der Familie Pfeifhofer für starke Motoren hat sich 1982 in Gmünd zum ersten privaten Porsche-Museum verdichtet. Hier schließt sich ein historischer Kreis. Denn in Gmünd wurde im März 1948 das erste Auto mit dem Namen Porsche gebaut. Der »356er« übrigens. Ein Exemplar aus dieser allerersten Gmünder Serie ist der Stolz des Museums. In der mittlerweile auf 48 Fahrzeuge angewachsenen Sammlung finden sich aber auch noch andere Highlights. Österreichs erster und einziger Polizei-Porsche etwa. Mit dem wurden Raser verfolgt. Auch auf der Tauern Autobahn. Vielleicht auch dort, wo die nicht zu übersehenden Metall-Skulpturen den Weg nach Gmünd säumen. 

Skulpturen an der ­Autobahn weisen den Weg in Richtung Gmünd.

Skulpturen an der Autobahn weisen den Weg in Richtung Gmünd. 

© Künstlerstadt Gmünd

»Bis zu zwanzig Gastkünstler laden wir jährlich nach Gmünd ein, die bis zu fünf Monate hier ihre Zelte aufschlagen«, erzählt Kulturmanagerin Schuster über den Besuch aus der ganzen Welt. Das Gmünder Kulturkonzept greift jedenfalls. Im Sommer zählt man in der mittelalterlichen Kleinstadt mittlerweile 150.000 Gäste, die eine Wertschöpfungskette von gut vier Millionen Euro schaffen. Das merkt man auch an der Infrastruktur. Gmünd, in den 1950er-Jahren noch ein wirtschaftlich benachteiligter Ort, floriert. Hier finden sich noch alteingesessene Handwerksbetriebe, Optiker, Apotheke, Greißler und Bäcker – aber mit dem Porsche-Museum gibte es auch eine über die Landesgrenzen hinaus berühmte Pilgerstätte für Autonarren. 

INFO

Künstlerstadt Gmünd
Tipps zur Stadt und den aktuellen Kulturkalender gibt es unter: 

 www.stadtgmuend.at

Aus dem Falstaff Kärnten Spezial 2017

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