Wolfgang Aigner (l.) aus Krems siegte mit dem Veltliner Sandgrube Privat, Franz Proidl aus Senftenberg war mit dem Riesling Ehrenfels erfolgreich.
Wolfgang Aigner (l.) aus Krems siegte mit dem Veltliner Sandgrube Privat, Franz Proidl aus Senftenberg war mit dem Riesling Ehrenfels erfolgreich. / Foto: Christof Wagner

Grüner Veltliner und Riesling prägen als wichtigste Rebsorten die Weinsortimente der Kremstaler Weingüter. Seit Einführung der DAC-Kategorien lädt das Falstaff-Magazin zur Verkos­tung der Klassik- und Reserve-Weine ein, um die Sieger des Falstaff-Kremstal-DAC-Cups zu ermitteln. Der Jahrgang 2011 brachte nach kleinen Erntemengen endlich die ersehnten normalen Erträge, was als erfreulicher Neben­effekt auch zu einem neuen Rekord bei den Anmeldezahlen für die Verkostung der Reserveweine führte. Das unterstreicht, wie gut sich das DAC-Herkunftsmarketing im Kremstal sowohl auf Seite der Produzenten als auch auf jener der Konsumenten etablieren konnte.

2011 - Ein Jahr voll Saft und Kraft
Beim Großteil der Reserven handelt es sich um Weine aus den besten ­Lagen der Betriebe, und dies drückt sich in der Sti­listik deutlich aus. Beim Grünen Veltliner wurden durchwegs stoffige und fruchtbetonte Weine präsentiert, die trotz des ­warmen Altweibersommers eine feine Säurestruktur aufweisen. Manche Winzer haben möglicherweise eine Spur zu lange mit der Ernte gewartet, da gingen die Alkoholwerte dann über 14,5 Volumenprozent hinaus, was auf Kosten von Harmonie und Trinkfluss geht. Andererseits weisen die Veltliner einen hohen ­Extrakt auf, der auch den trockenen Weinen eine fruchtsüße, opulente Note ­verleiht.

Nicht ganz so kraftvoll, aber doch korpulent zeigen sich die Rieslinge, die wie die Grünen Veltliner gut den Blick auf ihr Terroir zulassen. Die Absenz von Botrytis­tönen unterstreicht hier das pure Sortenbild und lässt die typischen Steinobstnoten klar hervortreten. 2011 zeigt sich insgesamt als sehr fruchtbetonter, harmonischer Jahrgang, dem allerdings im Vergleich zu 2010 die Säure­rasse stellenweise etwas abgeht. Dafür sind die meisten Reserven aus 2011 bereits in ­ihrer Frühphase sehr zugänglich, und dank ihrer Extraktdichte und dem Fehlen von Edelfäuleanteilen weisen auch sie ein sehr gutes Reifepotenzial auf.

Das Kremstal ­bietet für elegante Weißweine beste Voraussetzungen.
Das Kremstal ­bietet für elegante Weißweine beste Voraussetzungen.


Das Kremstal ­bietet für elegante Weißweine beste Voraussetzungen.

Grüner Veltliner: Die Spezialisten für Frucht und Würze
Platz eins in der Kategorie Grüner Veltliner DAC Reserve ging an einen seit Jahren ausgewiesenen Spezialisten dieser Rebsorte, an Wolfgang Aigner aus Krems-Weinzierl. Auf rund 13 Hektar in den Kremser Spitzenlagen Sandgrube und Weinzierlberg bearbeitet der Winzer Weingärten, die bereits sein Vater vor über 40 Jahren ausgepflanzt hat. Aigners Weine sind gehaltvoll, aber keinesfalls schwergewichtig, sie kombinieren Frucht und Würze und verfügen über ein ausgezeichnetes Reifepotenzial. Der Grüne Veltliner Sandgrube Privat ist ein herausragendes Beispiel für einen ausdrucksvollen Wein aus einer reinen Lösslage, der in einigen Jahren noch viel an Ausdruckskraft zu­legen wird. Wie meint Aigner so treffend: »Die wahre Größe eines gereiften Veltliners aus der Sandgrube erschließt sich nur dem, der schon ein wenig Erfahrung mit der komplexen Aromatik eines großen Weißweins ­gesammelt hat.« Ein Wein, bei dem sich Geduld in jedem Fall lohnt.

Platz zwei ging an ein weiteres veritables Veltliner-­Monument, und zwar an den Grünen Veltliner Tabor von Meinhard Forstreiter aus Hollenburg am rechten Donauufer. Der Wein vom Tabor ist insofern eine Besonderheit, als es sich um ­einen Veltliner von wurzelechten Reben handelt, die rund 130 Jahre alt sind. Die Bronzemedaille holte sich das Weingut Malat aus Palt für seinen »Das Beste vom Grünen Veltliner«, der so seinem Namen wieder einmal alle Ehre machte.

Riesling: Die langlebigen Cup-Sieger
Den ersten Platz in der Kategorie Riesling belegt Franz Proidl aus Senftenberg. Der Wein stammt aus der Lage Ehrenfels, einem Weinberg, der wegen einer Hangneigung von bis zu 60 Grad und karger Erträge seit 1945 nicht mehr bewirtschaftet wurde. 1988 von Proidl erworben und rekultiviert, wächst heute hier sein vielleicht bester Riesling auf Urgesteinsverwitterungsboden direkt unter der pittoresken Senftenberger Burgruine. Ein Drittel von Proidls Weingärten, durchwegs die steilsten Lagen, sind mit Riesling bepflanzt, seine Weine sind extrem langlebig und entwickeln erst mit der Zeit ihren vollen Glanz. Bleibt zu hoffen, dass der Winzer, dem in Zusammenhang mit Auszeichnungen der Satz »Zu viel Weihrauch schädigt die Lungen« zugeschrieben wird, sich dennoch über diesen Cup-Sieg freuen kann.

Auf dem zweiten Platz in der Riesling-Kategorie landete Martin Nigl vom Wein-Gut Nigl, ebenfalls in Senftenberg beheimatet, mit seinem ­Riesling Senftenberger Pellingen »Privat«. Die Riesling-Bronzemedaille errang Walter Buchegger aus Dross für seinen Riesling aus der Gedersdorfer Lage Moosburgerin, einer kleinen, exzellenten Lage auf Löss, unter dem sich Schotter und Kalk befinden und so dem Riesling ideale Bedingungen bieten.


Die Cup-Sieger 2012

Grüner Veltliner

1. Platz
Grüner Veltliner 2011 Sandgrube Privat
Weingut Wolfgang Aigner, Krems


2. Platz
Grüner Veltliner 2011 Tabor
Weingut Meinhard Forstreiter, Hollenburg

3. Platz
Das Beste vom Grünen Veltliner 2011
Weingut Malat, Palt

Riesling

1. Platz
Riesling Senftenberger Ehrenfels Erste ÖTW Lage 2011 vom Urgestein
Weingut A. und F. Proidl, Senftenberg


2. Platz
Riesling Privat Senftenberger Pellingen
Erste ÖTW Lage 2011, Wein-Gut Nigl, Senftenberg

3. Platz
Riesling Moosburgerin 2011
Weingut Walter Buchegger, Dross



Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 06/2012