Franz Türk (l.) aus Stratzing siegte mit dem Riesling Kremser Weinzierlberg; Leopold Müller (r.) aus Krustetten bei Göttweig siegte mit seinem Grünen Veltliner Kremser Kogl / Foto: Manfred Klimek
Franz Türk (l.) aus Stratzing siegte mit dem Riesling Kremser Weinzierlberg; Leopold Müller (r.) aus Krustetten bei Göttweig siegte mit seinem Grünen Veltliner Kremser Kogl / Foto: Manfred Klimek

Die Erwartungen an den Jahrgang 2012 waren groß und wurden, so viel kann man nach der Verkostung der klassischen DAC-Weine mit einem Alkoholgehalt von bis zu 12,9 Volumenprozent sagen, auch wirklich erfüllt. In den Weingärten gab es eine relativ frühe Traubenreife, die Winzer konnten sich über extrem gesundes Material freuen. Und doch war wieder einmal Geduld gefragt, denn dieser Umstand verleitete manch unerfahreneren Winzer auch zu einer zu frühen Lese. Die wirklich guten Weine wurden im Kremstal erst Ende Oktober und Anfang November gelesen. Wer alles richtig machte, der hat aus allen Kategorien überzeugende Weine, denn speziell die Säurestruktur ist jener aus dem Vorgängerjahrgang 2011 deutlich überlegen, was vor allem beim Riesling entscheidend war.

Sehr guter Gesamteindruck
Die Grünen Veltliner zeigen sich elegant und ausgewogen, sie besitzen einen klaren Sortenausdruck und gefallen durch eine präzise Frucht und eine ansprechende Würzigkeit. Nur dort, wo die Winzer zu schnell mit der Weinlese begonnen haben, fehlt es wegen zu geringer Säure an Lebendigkeit und Extrakt. Diese Weine sollten eher rasch konsumiert werden, weil es ihnen dadurch auch an Reifepotenzial mangelt. Dass vereinzelt versucht wurde, dieses Manko durch Aufsäuern der Moste zu korrigieren, kann den sehr guten Gesamteindruck nicht mindern.

Die besten Rieslinge
Man darf sich also auf die Kategorie der DAC-Weine freuen, zumal auch das Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Weine mit Fug und Recht als trinkanimierend bezeichnet werden kann. Nicht weniger als 110 Weine wurden für die diesjährige Falstaff-Probe eingereicht, statt­liche 20 Weine erreichten 90 Punkte oder mehr. Der Sieger in der Rebsortenkategorie Riesling heißt Franz Türk aus Stratzing, der mit seinem Riesling DAC vom Kremser Weinzierlberg die Jury begeisterte. Die Lage Weinzierlberg ist die südlichste Urgesteinsformation im Weinbaugebiet Kremstal am linken Donauufer, an sie schließt (getrennt nur durch den Bründlgraben) die legendäre Kremser Sandgrube mit ihren mächtigen Lössböden an, wo der Grüne Veltliner optimale Bedingungen vorfindet. Der zweite Platz geht an Franz Proidl aus Senftenberg für den Riesling DAC aus der Lage Rameln, einem Terrassenweingarten auf Urgestein, der zwischen Senftenberg und Imbach am linken Ufer des Kremsflusses liegt. Den dritten Rang erreichte Martin Nigl vom Wein-Gut Nigl, ebenfalls aus Senftenberg, mit seinem Riesling DAC Dornleiten.

Blick von der Lage Altenberg auf die Altstadt von Stein und den ­Donaustrom / Foto: Niederösterreich Werbung / Barbara Krobath
Blick von der Lage Altenberg auf die Altstadt von Stein und den ­Donaustrom / Foto: Niederösterreich Werbung / Barbara Krobath



Erstklassige Grüne Veltliner
Aus der großen Gruppe der präsentierten Grünen Veltliner, die einmal mehr den geologischen Facettenreichtum des Kremstals widerspiegelten (der hier aus Löss, Konglomerat und Urgestein gebildet wird), setzte sich diesmal ein Wein vom rechten Donauufer durch. Den ers­ten Platz belegt das Weingut Müller aus Krustetten aus der Subregion Göttweiger Berg. Die Großlage Kremser Kogl erstreckt sich auf der Bergflanke von Krustetten in Richtung Hollenburg und bringt auf Konglomeratböden stoffige Grüne Veltliner mit feiner Frucht hervor. Den zweiten Platz holte sich Josef Schmid aus Stratzing mit dem Grünen Veltliner DAC Kremser Weingärten, der durch Balance und Frische überzeugte. Die Bronzemedaille geht an das Weingut Salomon Undhof für den Grünen Veltliner DAC mit der Bezeichnung Wieden & Berg. Hier verbindet Bertold Salomon die Frische und Mineralik von Trauben aus Terrassenlagen mit der cremigen Textur seiner bekannten Clos-Lage zu einem harmonischen Ganzen. Fazit: Der Jahrgang 2012 ist im Kremstal erstklassig ausgefallen, der Weinfreund kann nach Herzenslust aus dem Vollen schöpfen.


Die Cup-Sieger 2013

Riesling
Kremstal DAC 2012


1. Platz
Riesling DAC Kremser Weinzierlberg
Weingut Türk, Stratzing

2. Platz
Riesling DAC Rameln
Weingut A. und F. Proidl, Senftenberg

3. Platz
Riesling DAC Dornleiten
Wein-Gut Nigl, Senftenberg


Grüner Veltliner
Kremstal DAC 2012


1. Platz
Grüner Veltliner DAC Kremser Kogl
Weingut Müller, Krustetten

2. Platz
Grüner Veltliner DAC Kremser Weingärten
Weingut Josef Schmid, Stratzing

3. Platz
Grüner Veltliner DAC Wieden & Berg
Weingut Salomon Undhof, Stein/Donau


>> Zu den Verkostungsnotizen


Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 03/13

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