Das Bierbrauen in Klostern hat eine lange Tradtion / © Shutterstock
Das Bierbrauen in Klostern hat eine lange Tradtion / © Shutterstock

»Liquida non frangunt ieiunium« bedeutet: Flüssiges bricht das Fasten nicht! Der alte Leitspruch half den Mönchen, die langen Fastenperioden mit nahrhaftem Bier zu überstehen. Die schmackhaften Ergebnisse erlangten Popularität weit über die Klostermauern hinweg. Innerhalb der Abteien und Stifte entwickelten die gläubigen Braumeister die Verfahren und Produkte stetig weiter und verschriftlichten ihr Wissen.

Lukrative Einnahmen
In Kirchenkreisen galt unter dem Einfluss des weinverliebten Rom das Bier lange als heidnisches Getränk. Südlich der Alpen verpönt, erfreute es im Norden die Missionare und Kirchenmänner durchaus. Stattliche Mengen erzeugten die Brüder und Schwestern, denn nicht nur den eigenen Bedarf galt es zu stillen, auch Pilger und Bedürftige erhielten Gastfreundschaft und Trank in den Klöstern. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich das Bier zu einer lukrativen Einnahmequelle. Als erstes überliefertes Braukloster darf St. Gallen gelten. Aus der Zeit um 814 stammen Pläne und Grundrisszeichnungen, die drei Brauhäuser mit Kühlkellern, Gäranlagen und einer Böttcherwerkstatt zur Fassbearbeitung zeigen. Nach dem Vorbild St. Gallens entstanden bald mehr als 400 weitere Anlagen, die auch eine wichtige Verordnung des Abtes übernahmen: »Für alle Klosterinsassen sind täglich sieben Essen mit reichlich Brot und fünf Zumessungen von Bier erlaubt. Das fünfte Essen zur Vesperzeit kann mit Wein eingenommen werden.« Eine »Zumessung« bestand, je nach Kloster, aus einem bis zwei Litern. Davon leitet sich eine heute noch gängige Biermengenbezeichnung ab: die Maß.

Herkuft umstritten
Dem 725 gegründeten Benediktinerkloster in Weihenstephan verlieh eine Urkunde 1040 die Brau- und Schankrechte der Stadt Freising. Die heutige Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan könnte daher den Titel der ältesten noch bestehenden Brauerei für sich in Anspruch nehmen, wenn nicht Historiker starke Zweifel an der Echtheit der Urkunde vorbringen würden.

So fällt der Titel wohl an eine weitere Benediktinerbrauerei, deren Braurechte seit 1050 verbürgt sind: die Klosterbrauerei Weltenburg.

Die Tradition der Braumönche findet sich heute mit Abbildungen und Verweisen noch auf vielen Flaschen, auch wenn die Braustätten längst weltlich geführt sind. Zu den begehrtesten Klosterbieren zählen weltweit die Erzeugnisse der Trappisten, die zum Orden der Zisterzienser zählen. Trappistenbiere müssen von Mönchen innerhalb der Klos­termauern gebraut werden, daher tragen nur elf Biere das sechs­eckige Siegel. Darunter das berühmte Westvleteren 12 aus Belgien, das von zahlreichen Fachleuten als bestes Bier der Welt bezeichnet wird. Ebenfalls aus Belgien, einem Land mit eindrucksvoller klösterlicher Braugeschichte, stammen Achel, Chimay, Orval, Rochefort und Westmalle. Aus den Niederlanden stammen La Trappe und Zundert. Spencer in den USA, Mont des Cats in Frankreich und Engelszell in Österreich zählen neuerdings ebenfalls dazu.

Und so möge ein jedes Klosterbier dem Genießer wie damals ein seliges Lächeln auf die Lippen zaubern.


KLOSTERBIERE IM FALSTAFF-CHECK

Trappistes Rochefort 10 / Foto beigestellt
Trappistes Rochefort 10 / Foto beigestellt

99 Punkte
Rochefort 10
Brauerei: Trappistes Rochefort
Alkohol: 11,3 % ABV
Bierstil: Trappisten-Starkbier
Hinter den Mauern des Klosters Notre-Dame de Saint-Rémy brauen Mönche seit 1595 ihre Biere. Die »10«, auch als Merveille bekannt, ist nach der 6 und der 8 das stärks­te Bier der drei Varianten. Dunkelrot, mit cremigem Schaum, samtiger Textur. In der Nase Trauben, Kakao, Zimt, Toast und Crème brulée. Im Mundraum Süße, Spritzigkeit und Säure mit Aromenvielfalt. Endloser Nachhall mit Vanille, Krokant und kandierten Mandeln. Eines der komplexesten Biere der Welt.
www.trappistes-rochefort.com

Bio Roggen Brauerei: Stift Schlägl / Foto beigestellt
Bio Roggen Brauerei: Stift Schlägl / Foto beigestellt

97 Punkte
Bio Roggen
Brauerei: Stift Schlägl
Alkohol: 5,2 % ABV
Bierstil: Obergäriges Vollbier
Unter der zarten Schaumkrone verbirgt sich eine helle Bernsteinfarbe und setzt eine vielfältige Nase frei. Fruchtige Nuancen von Hopfen, Pflaume und Rosine gesellen sich zu einem Anklang von Feuerstein. Auf der Zunge prickelt eine erfrischende Rezenz. Dazu entfaltet sich intensive Malzsüße mit angenehmer Fruchtigkeit im Hintergrund. Langer Nachhall eines sehr komplexen Bieres mit süßem Einschlag.
www.stift-schlaegl.at

Kartausen Bräu Hell Brauerei: Kartause Gaming / Foto beigestellt
Kartausen Bräu Hell Brauerei: Kartause Gaming / Foto beigestellt

95 Punkte
Kartausen Bräu Hell
Brauerei: Kartause Gaming
Alkohol: 5,0 % ABV
Bierstil: Märzen
Volles Gold mit typischer Trübung eines naturbelassenen, unfiltrierten Bieres. Schöne Nase mit Kräutern, Toast, getrockneten Marillen und Salbei. Umrahmt von einem komplexen Honigton auf Sauerteigbrot. Am Gaumen erfrischende Kohlensäure. Danach wird die Komplexität der Nase von einer gehaltvollen Malzsüße umrahmt. Langer Nachhall mit Heu und der Erinnerung an Malzbonbons.
www.kartause-gaming.at

In Primus Brauerei: Stift Schlägl / Foto beigestellt
In Primus Brauerei: Stift Schlägl / Foto beigestellt

94 Punkte
In Primus
Brauerei: Stift Schlägl
Alkohol: 9,9 % ABV
Bierstil: Starkbier
Feine Sekthefe trifft auf Mühlviertler Hopfen und Flaschengärung. Goldfarben mit leichter Trübung und munterer Perlage. Darüber eine appetitliche, volle Schaumkrone. Der fruchtig-säuerliche Duft erinnert an Lambic-Biere aus Belgien. Eine deutliche Hefenote erinnert an Champagner, ebenso das passende Mousseux. Anklänge von Frucht- und Weingummi, reife Trauben und Dörrobst. Komplexes, feines Bier, das im unglaublich langen Nachhall Frucht mit Adstringenz kombiniert.
www.stift-schlaegl.at

Barock Dunkel Brauerei: Weltenburger Kloster / Foto beigestellt
Barock Dunkel Brauerei: Weltenburger Kloster / Foto beigestellt

93 Punkte
Barock Dunkel
Brauerei: Weltenburger Kloster
Alkohol: 4,7 % ABV
Bierstil: Bayerisch Dunkel
Dreifacher Sieger im renommierten internationalen World Beer Cup in der Kategorie »Dunkel«. Dunkles Braun mit stabiler, feinporiger Schaumkrone. Spritziger Auftakt, den eine cremige Textur ablöst. Malzig, getreidig, vollmundig, dazu filigrane Röstaromen mit dunklen Malzen, subtilen Kräutern und der Bittere von Kaffee. Sehr komplexer, ewig langer Nachhall, der zum Ende hin trocken ausklingt.
www.weltenburger.de

Chimay Bleu 2014 Brauerei: Chimay / Foto beigestellt
Chimay Bleu 2014 Brauerei: Chimay / Foto beigestellt

92 Punkte
Chimay Bleu 2014
Brauerei: Chimay
Alkohol: 9,0 % ABV
Bierstil: Trappisten-Starkbier
Die bekannte belgische Trappistenbrauerei produziert jährlich etwa 130.000 Hektoliter Bier und ist weltweit bekannt. Intensive Schaumbildung krönt ein dunkles Rotbraun. In der Nase Anklänge von Schokolade und Muskat. Den Auftakt bildet eine überraschende Säure, hinter der komplexe Aromen von Frucht, Gewürz und Karamell schlummern. Dazu Kirsche, Röstnoten, Zimt, Pfeffer und Birne. Langer, schokoladiger Nachhall.
www.chimay.com

Kartausen Gregorius Brauerei: Stift Engelszell / Foto beigestellt
Kartausen Gregorius Brauerei: Stift Engelszell / Foto beigestellt

92 Punkte
Kartausen Gregorius
Brauerei: Stift Engelszell
Alkohol: 9,7 % ABV
Bierstil: Trappistenbier, dunkles Trippel
2012 kam das erste Bier auf die Flasche des Klosters, das erst seit kurzer Zeit das Siegel der Trappistenbiere tragen darf. Kastanienbraun die Farbe, darüber ein stabiler, fester Schaum. Frische Kräuter und Süßholz in der Nase. Reife Fruchtnoten gesellen sich hinzu und begleiten Anklänge von Malz und Honig im Aroma. Die intensive Alkoholnote, typisch für die Trappisten, trägt Kirsche, Schokolade und Nuss in einen gewaltig langen Abgang.
www.stift-engelszell.at

Augustiner Märzen-Bier Brauerei: Augustiner Bräu / Foto beigestellt
Augustiner Märzen-Bier Brauerei: Augustiner Bräu / Foto beigestellt

90 Punkte
Augustiner Märzen-Bier
Brauerei: Augustiner Bräu
Alkohol: 4,6 % ABV
Bierstil: Märzen
Auch über die Grenzen Salzburgs hinaus ist das Märzen als Bräustübl-Bier begehrt. Ein klarer Goldton mit elegantem Schaum entfaltet im Aroma Malz und etwas Dörrobst wie Dattel und Marille. Eine leichte, gut eingebundene Säure macht das Märzen spritzig und erfrischend. Ein langer Nachhall entwickelt sich zum Ende hin trocken und weckt die Vorfreude auf den nächsten süffigen Schluck.
www.augustinerbier.at


Text von Peter Eichhorn  
Aus Falstaff Nr. 07/2014

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