Klimawandel und Tourismus

Sehr trockene Sommer und extrem kalte Winter sind eine Herausforderung für den Tourismus.

© Cervo

Sehr trockene Sommer und extrem kalte Winter sind eine Herausforderung für den Tourismus.

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Es ist kein utopisches Szenario, das Forscher und Wissenschaftler vom Klimawandel zeichnen, sondern es gibt zahlreiche wissenschaftliche Belege für die Erderwärmung. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, extreme Wetterbedingungen werden häufiger. Der Tourismus muss darauf reagieren. Insbesondere der Druck auf schneesichere und gut erreichbare Gebiete stellt für den Beherbergungssektor eine Herausforderung dar. Hingegen überlegen sich einige Winterdestinationen bereits seit Jahren, wie sie mehr Sommergäste in die Region bekommen. So auch das »Arlberg Hospiz Hotel« in Tirol: »Wir entschieden uns für ein saisonunabhängiges Projekt, die ›arlberg1800 Contemporary Art & Concert Hall‹, die 2015 fertiggestellt wurde. Damit sind wir auch zur Kulturstätte und Eventlocation geworden – und das zu jeder Jahreszeit. Ich sehe unsere Zukunft definitiv im MICE (Meetings-Incentives-Conventions-Exhibitions)-Sektor«, verrät Florian Werner, Gastgeber des »Arlberg Hospiz Hotel« und Vizepräsident der ÖHV (Österreichische Hoteliervereinigung), im Gespräch mit PROFI. Nicht nur die Angebotspalette, sondern die gesamte Infrastruktur in der Region habe sich der veränderten Wetterlage angepasst und neue Attraktionen wurden geschaffen: von E-Bike-Trails über einen Bike Fun Park bis hin zum Mountain Yoga Festival. 

Attraktionen werden immer mehr der Wetterlage angepasst von E-Bike trails bis hin zum Mountain Yoga Festival.
Attraktionen werden immer mehr der Wetterlage angepasst von E-Bike trails bis hin zum Mountain Yoga Festival.

© PURESLeben

Neue Angebote erschließt auch die Tourismusregion Obertauern in Salzburg. »Im April verzeichnen wir die höchsten Schneehöhen, deswegen ist der Sonnenskilauf bis Anfang Mai ein essenzielles Thema. Generell wollen Gäste immer mehr Erlebnispakete statt ›nur‹ Urlaub buchen«, weiß Marketing-Leiterin Andrea Rohrbacher.

In der Südsteiermark wurde ebenfalls nachgerüstet. Als eigentlich klassische Destination für wärmere Jahreszeiten, haben die Ferienhäuser »PURESLeben« ihre Angebotspalette für Winterurlauber ausgedehnt. Als Antwort auf die immer hektischer werdende Zeit, erhöhte Dietmar Silly die Serviceleistungen für alle, die im Winterurlaub etwas anderes suchen als Skifahr-Action und Hektik: »Wir bieten den Gästen einen sanften Winterurlaub mit viel Komfort. Es geht einfach ums Nichtstun, um Erholung, Kulinarik, leichte Winterspaziergänge, Sauna, Lesen vor dem flackernden Kaminfeuer etc., und das in einem stilvollen, exklusiven Ambiente. Man muss theoretisch nicht mal das Haus verlassen, denn wir können die gesamte Kulinarik direkt in die Ferienhäuser liefern.« Auch für die Hauptsaison im Sommer wurde das Angebot an die Folgen des Klimawandels angepasst. Durch die immer heißer werdenden Sommerperioden war für die Gäste ein Pool ein starkes Buchungskriterium, daher wurde in den letzten Jahren bei den meisten Ferienhäusern nachgerüstet.

»Der letzte Winter war ein Jahrhundert-Winter – ich habe noch nie solche Schneemassen gesehen.«   
Lukas Sebastian MeierHotelmanager »Cervo Mountain Boutique Resort«

Extreme: Hitze und Schnee

Die Wetterextreme – sehr kalter Winter und sehr heißer Sommer – sind auch in der Schweiz Thema. Im Winter fällt zwar viel Schnee, aber die heißen und trockenen Sommer lassen die Gletscher schmelzen. Gletscherforscher sprechen von bis zu 20 Zentimeter an einem heißen Sommertag. Was im Sommer zu viel Hitze, ist im Winter zu viel Schnee. Über fehlende Winterbuchungen kann man sich daher in den Schweizer Alpen nicht beschweren, im Gegenteil. »Der letzte Winter war ein Jahrhundert-Winter – ich habe selber noch nie solche Schneemengen gesehen. Zwei Mal waren wir komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Im Gegensatz dazu war der vergangene Sommer sehr heiß und trocken. Wir hatten mehrere Monate striktes Feuerverbot in Zermatt. 

Für unsere Grillanlässe sind wir auf Gas umgestiegen«, erinnert sich Hotelmanager Lukas Sebastian Meier vom »Cervo Mountain Boutique Resort«. Hingegen im »The Chedi Andermatt« sah man aufgrund des Klimawandels noch keine Veränderung bei den Buchungen, da Andermatt Wettereinfluss aus Süden und Norden bekommt, und das ziemlich ausgeglichen. »Aber wir behalten die klimatischen Veränderungen in der Schweiz und der ganzen Welt sicher im Blick und passen unsere Packages und -Experiences, falls notwendig, diesen neuen Bedürfnissen an«, so Marketingmanagerin Sonja Gübeli.

Sonnenskilauf ist in Obertauern besonders im April sehr gefragt.
Sonnenskilauf ist in Obertauern besonders im April sehr gefragt.

Foto beigestellt

Verzögerte Buchungen

Doch das Buchungsverhalten der Gäste wird durch die Wetterlage immer stärker beeinflusst. »Im Sommer buchen die meisten recht kurzfristig – im Gegensatz zum Winter. Zermatt ist schneesicher und hat genügend Schneemaschinen«, so Meier. Auch in Obertauern in Salzburg liegt man mit 1.740 Meter in relativ schneesicherem Gebiet und die Buchungslage ist laut Auskunft des Tourismusverbandes gut. Aber der warme Herbst lässt die Gäste trotzdem zögern: »In den letzten Jahren gab es immer wieder längere Schönwetterperioden im Herbst. Eine Veränderung ist in einer stärker abwartenden Haltung der Kunden im Hinblick auf die Buchung erkennbar. Das heißt, es wird abgewartet bis Schnee fällt und erst dann wird gebucht.«

Trotzdem oder gerade deswegen kreieren die Betriebe und Regionen in den Winterdestinationen auch immer mehr Angebote für Sommerurlauber. Stichwort: Sommerfrische. »In den Tälern wird es im Sommer immer wärmer. Bei uns in den Bergen hingegen bleibtes noch angenehm mild. Mehr und mehr Gäste werden vor der Hitze flüchten und sich in höhere und klimatisch attraktivere Gefilde begeben«, ist Florian Werner vom »Arlberg Hospiz Hotel« überzeugt.

Darüber macht man sich in den Sommerdestinationen in Südtirol keine Sorgen. Auch Winterurlauber anzusprechen und die Angebote in diese Richtung auszuweiten, sei kein Thema. »Wir merken keine Veränderung der Buchungslage aufgrund der extremen Hitze. In unserer Gegend ist kein Winterurlaub gefragt. Wir liegen 220 Meter über dem Meeresspiegel. Im Winter haben hier nur einzelne Hotels offen, über 90 Prozent schließen Anfang November und öffnen erst kurz vor Ostern wieder«, gibt Familie De Carli vom »Parc Hotel am See« in Kaltern zu bedenken.

Der Winter ist eine beliebte Thermenzeit, doch der Sommer holt auf.
Der Winter ist eine beliebte Thermenzeit, doch der Sommer holt auf.

© AVITA

Sowohl als auch

Als Ganzjahresdestinationen positionieren sich allerdings Thermen. Die Außenbereiche nehmen bereits einen sehr hohen Stellenwert ein, mehrere Pools, Liegewiesen und Parks sorgen dafür, dass die Thermen sowohl als Sommer- als auch Winterdestination genutzt werden können. Wie auch das »Avita Resort« in Bad Tatzmannsdorf im Südburgenland. »Ideologisch wollen wir vom Klimawandel eigentlich nicht profitieren. Aber durch die Ausdehnung der Outdoor-Saison profitiert unser Haus vor allem im September, wo Gäste den verlängerten Sommer für einen Kurzurlaub nutzen und Paare ohne Kinder bewusst den Schulferien ausweichen«, erklärt Geschäftsführer Peter Prisching. Der warme Oktober hingegen wirke sich auf Thermenbesuche eher kontraproduktiv aus. Für den Außenbereich meist schon zu frisch, aber mit vielen Sonnentagen gespickt, sei der »Wunsch nach Wärme und Rückzug nach innen noch nicht so ausgeprägt. Viele potenzielle Gäste gehen eher wandern oder nutzen das Wetter für Radtouren, anstatt ins warme Wasser abzutauchen.« Der Winter ist ohnehin eine beliebte Thermenzeit, doch der Sommer holt auf. Hier investieren viele Thermen in Zusatzangebote, die man in einer Therme vor 20 Jahren nicht erwartet hätte. 2013 wurde im »Avita Resort« als Zusatzangebot zu den Außenpools ein Bio-Naturbadeteich mit Romantikliegen inklusive eigenen Stegen gebaut und der in das Freilichtmuseum integrierte Romantikgarten entstand. Auch der »Sauna Garten Eden«, der im Außenbereich der Thermesichtgeschützt errichtet wurde, bedeutet ein Zusatzangebot für Sommerfrischler – inklusivenahtloser Bräune. »Und wem die Hitze zu viel wird, der kühlt sich in unseren Sportschwimmbecken oder in Österreichs erster Schneesauna mit richtigem Schnee ab.«

»Durch den immer länger dauernden Sommer profitieren wir vor allem im September, wo Gäste den Ferien ausweichen.«  
Peter Prisching Geschäftsführer »Avita Resort«

Immer mehr Menschen wollen der Hitze im Sommer entfliehen und urlauben daher in den Bergen.

Immer mehr Menschen wollen der Hitze im Sommer entfliehen und urlauben daher in den Bergen.

© Cervo

Auch wenn einige Betriebe aufgrund des veränderten Buchungsverhaltens vom Klimawandel profitieren, so sei dennoch ein eigener Beitrag zum Umweltschutz das Ziel, wie Lukas Sebastian Meier anmerkt: »Wir stellen uns die Frage, wie wir der Natur helfen können. Seien es Feuerverbot, kein unnötiger Wasserverbrauch, Trinkstellen für die Wildtiere oder allgemein weniger Foodwaste und Plastik. Das ›Cervo‹ wird ab diesem Winter zum Beispiel komplett auf Plastikstrohhalme verzichten und stattdessen Halme aus biologisch abbaubarer Milchsäure verwenden.« Es gibt sie also, die kleinen Beiträge,die für alle möglich sind, um dem Klimawandel ein Stück entgegen zu wirken.

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Falstaff Profi Magazin 06/2018
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