Kleine Architektur-Highlights ganz groß

Das »Vipp Shelter« ist durchgestylt und durchgeplant. Für 480.000 Euro kann man es sich auf sein Grundstück stellen. vip.com 

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Das »Vipp Shelter« ist durchgestylt und durchgeplant. Für 480.000 Euro kann man es sich auf sein Grundstück stellen. vip.com 

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Soziodemografische Paradigmenwechsel führen zwangsläufig zu Umdenkprozessen. Seit 2008 leben auf der Erde mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gefilden. Wohnraum wird daher zum knappen Gut. In der Stadt sowieso, aber auch außerhalb der pulsierenden Metropolen wird sich das Leben stark verändern. 
Einen Vorgeschmack darauf geben findige Architekten, die möglichst platzsparende Wohnlösungen suchen. Inspiriert zeigen sie sich dabei von der »Tiny House«-Bewegung, die ein aufs Wesentliche reduziertes, nicht selten mobiles Eigenheim propagiert.

Die »Tiny House« Bewegung propagiert reduzierte und nicht selten mobile Eigenheime. 

Zwei Glasfronten sorgen im »Vipp Shelter« für genügend Licht. Wer einen Kurztrip an den schwedischen Immeln-See plant, kann darin für 600 Euro pro Nacht gastieren. vip.com 

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Reduktion und Besinnung müssen nicht zwangsläufig mit Verzicht aufs Schöne einhergehen, wie das dänische Unternehmen Vipp mit dem »Vipp Shelter« zeigt. Auf 55 m2 ist alles clever und vor allem durchgestylt untergebracht. Kücheninsel, Bett und ein vom Wohnraum abgetrenntes Badezimmer finden problemlos Platz, zwei Panoramafronten sorgen für genügend Licht. Konzipiert ist das »Vipp Shelter« als Wochenendhaus, als persönliches, platzsparendes Hideaway. Für die Schaffung von günstigem Wohnraum in ländlichen Regionen steht auch der »Fincube«. Der Kubus mit der auffälligen Holzl-amellenverkleidung funktioniert dank Foto­­voltaikanlage mit Energie. Die Nutzfläche von rund 50 m2 ist derart clever aufgeteilt, dass im Kubus nie eine Spur von Enge entsteht, und zudem ist der Würfel so konzipiert, dass er natürlich auch als Event- oder Ausstellungsraum, Home-Office oder Konferenzraum genutzt werden könnte.

So wie die Design-Minihäuser des burgenländischen Unternehmens Eunido übrigens. Sie waren ursprünglich als kleines Office für zu Hause gedacht, als unkomplizierter Zubau, bis von den Firmengründern bemerkt wurde, dass immer mehr Kunden in ihren Ökowürfeln leben wollten. Ein besonderer Clou: Der »Cube4« lässt sich mit ein wenig logistischem Aufwand schnell abtransportieren und an einem anderen Ort wieder aufbauen. Wo er eben gerade gebraucht wird. So erfüllt er auch die Flexibilitätswünsche, die Bewohner und Sympathisanten von ­Microhäusern besonders auszeichnet. 

Microhouses

Downsizen schafft Raum

Ein Wunsch, der vor allem auch dann präsent ist, wenn es eine Spur urbaner zugeht. Wie etwa bei Architekt Sam Jacob. Das ­Microheim, das er gemeinsam mit der Automarke Mini beim London Design Festival vorstellte, hat lediglich 15 m2 Wohnfläche, verfügt aber über eine eigene Bibliothek. 

Jacob ging es bei diesem Projekt vor allem darum, eine Diskussion anzustoßen und zu zeigen, wie downgesizetes Leben aussehen kann, wenn man dabei ganz bewusst Prioritäten abseits gängiger Zimmer-Küche-Kabinett-Gedanken setzt. Geistige Nahrung in Form einer gut sortierten Bibliothek kann nämlich ebenso wichtig sein wie eine klug installierte Kleinstküche.
Das Architekturstudio James Law Cyber­tecture aus Hongkong wird in puncto ­Microhome hier noch um eine Spur konkreter. Die asiatische Mega-City ist bereits jetzt mit einer Wohnkrise konfrontiert. Eine vernünf­tige Lösung präsentiert Architekt James Law mit seinen »OPod Tube Housing«. Platz­sparend können die Röhren übereinander gestapelt werden und sollen so Häuserlücken auffüllen. In den knapp 10 m2 großen Röhren finden sich Schlaf- und Arbeitsplatz sowie ein kleiner Nassraum. Für umgerechnet 350 Euro pro Monat lassen sich die Rohrparzellen dann mieten. Das ist fulminant günstiger als der übliche Appartementpreis in Hongkong, hat aber auch den leicht gewöhnungsbedürftigen Charme eines Bienenstocks oder Insektenbaus.

Platzkrisen Meistern

Während in Hongkong auf kleine Frei­flächen zwischen Häuserschluchten gesetzt wird, hat sich der Architekt Tim Lowe auf Immo-Leerstand wie Bürokomplexe oder Lagerhallen fixiert und bringt in die Microhouse-Bewegung eine soziale Komponente abseits von Ökobilanzen und grünen Fußabdrücken ein. Lowes Korkkubus »The Shed«, der innerhalb eines Tages montiert werden kann, soll nämlich in großen, leer stehenden Hallen unter­gebracht werden und dort temporären Wohnraum schaffen. Vor allem für pendelnde Arbeiter, aber auch Obdachlose oder Menschen auf der Flucht kann so eine Unterkunft geschaffen werden. Wie gesagt: Das Leben wird sich stark verändern.

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 01/2018
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