Kleine Architektur-Highlights ganz groß

Das »Vipp Shelter« ist durchgestylt und durchgeplant. Für 480.000 Euro kann man es sich auf sein Grundstück stellen. vip.com 

Foto beigestellt

Das »Vipp Shelter« ist durchgestylt und durchgeplant. Für 480.000 Euro kann man es sich auf sein Grundstück stellen. vip.com

Das »Vipp Shelter« ist durchgestylt und durchgeplant. Für 480.000 Euro kann man es sich auf sein Grundstück stellen. vip.com 

Foto beigestellt

http://www.falstaff.at/nd/kleine-architektur-highlights-ganz-gross/ Kleine Architektur-Highlights ganz groß Geht es noch kleiner? Natürlich. Trotzdem zeigen Architekten, dass Microhouses und weniger Platz zum Wohnen nicht unbedingt den Lebensraum einschränken. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/1/8/csm_LIV-1801-micro-header_98c8b04416.jpg

Soziodemografische Paradigmenwechsel führen zwangsläufig zu Umdenkprozessen. Seit 2008 leben auf der Erde mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gefilden. Wohnraum wird daher zum knappen Gut. In der Stadt sowieso, aber auch außerhalb der pulsierenden Metropolen wird sich das Leben stark verändern. 
Einen Vorgeschmack darauf geben findige Architekten, die möglichst platzsparende Wohnlösungen suchen. Inspiriert zeigen sie sich dabei von der »Tiny House«-Bewegung, die ein aufs Wesentliche reduziertes, nicht selten mobiles Eigenheim propagiert.

Die »Tiny House« Bewegung propagiert reduzierte und nicht selten mobile Eigenheime. 

Zwei Glasfronten sorgen im »Vipp Shelter« für genügend Licht. Wer einen Kurztrip an den schwedischen Immeln-See plant, kann darin für 600 Euro pro Nacht gastieren. vip.com 

Foto beigestellt

Reduktion und Besinnung müssen nicht zwangsläufig mit Verzicht aufs Schöne einhergehen, wie das dänische Unternehmen Vipp mit dem »Vipp Shelter« zeigt. Auf 55 m2 ist alles clever und vor allem durchgestylt untergebracht. Kücheninsel, Bett und ein vom Wohnraum abgetrenntes Badezimmer finden problemlos Platz, zwei Panoramafronten sorgen für genügend Licht. Konzipiert ist das »Vipp Shelter« als Wochenendhaus, als persönliches, platzsparendes Hideaway. Für die Schaffung von günstigem Wohnraum in ländlichen Regionen steht auch der »Fincube«. Der Kubus mit der auffälligen Holzl-amellenverkleidung funktioniert dank Foto­­voltaikanlage mit Energie. Die Nutzfläche von rund 50 m2 ist derart clever aufgeteilt, dass im Kubus nie eine Spur von Enge entsteht, und zudem ist der Würfel so konzipiert, dass er natürlich auch als Event- oder Ausstellungsraum, Home-Office oder Konferenzraum genutzt werden könnte.

So wie die Design-Minihäuser des burgenländischen Unternehmens Eunido übrigens. Sie waren ursprünglich als kleines Office für zu Hause gedacht, als unkomplizierter Zubau, bis von den Firmengründern bemerkt wurde, dass immer mehr Kunden in ihren Ökowürfeln leben wollten. Ein besonderer Clou: Der »Cube4« lässt sich mit ein wenig logistischem Aufwand schnell abtransportieren und an einem anderen Ort wieder aufbauen. Wo er eben gerade gebraucht wird. So erfüllt er auch die Flexibilitätswünsche, die Bewohner und Sympathisanten von ­Microhäusern besonders auszeichnet. 

Downsizen schafft Raum

Ein Wunsch, der vor allem auch dann präsent ist, wenn es eine Spur urbaner zugeht. Wie etwa bei Architekt Sam Jacob. Das ­Microheim, das er gemeinsam mit der Automarke Mini beim London Design Festival vorstellte, hat lediglich 15 m2 Wohnfläche, verfügt aber über eine eigene Bibliothek. 

Jacob ging es bei diesem Projekt vor allem darum, eine Diskussion anzustoßen und zu zeigen, wie downgesizetes Leben aussehen kann, wenn man dabei ganz bewusst Prioritäten abseits gängiger Zimmer-Küche-Kabinett-Gedanken setzt. Geistige Nahrung in Form einer gut sortierten Bibliothek kann nämlich ebenso wichtig sein wie eine klug installierte Kleinstküche.
Das Architekturstudio James Law Cyber­tecture aus Hongkong wird in puncto ­Microhome hier noch um eine Spur konkreter. Die asiatische Mega-City ist bereits jetzt mit einer Wohnkrise konfrontiert. Eine vernünf­tige Lösung präsentiert Architekt James Law mit seinen »OPod Tube Housing«. Platz­sparend können die Röhren übereinander gestapelt werden und sollen so Häuserlücken auffüllen. In den knapp 10 m2 großen Röhren finden sich Schlaf- und Arbeitsplatz sowie ein kleiner Nassraum. Für umgerechnet 350 Euro pro Monat lassen sich die Rohrparzellen dann mieten. Das ist fulminant günstiger als der übliche Appartementpreis in Hongkong, hat aber auch den leicht gewöhnungsbedürftigen Charme eines Bienenstocks oder Insektenbaus.

Platzkrisen Meistern

Während in Hongkong auf kleine Frei­flächen zwischen Häuserschluchten gesetzt wird, hat sich der Architekt Tim Lowe auf Immo-Leerstand wie Bürokomplexe oder Lagerhallen fixiert und bringt in die Microhouse-Bewegung eine soziale Komponente abseits von Ökobilanzen und grünen Fußabdrücken ein. Lowes Korkkubus »The Shed«, der innerhalb eines Tages montiert werden kann, soll nämlich in großen, leer stehenden Hallen unter­gebracht werden und dort temporären Wohnraum schaffen. Vor allem für pendelnde Arbeiter, aber auch Obdachlose oder Menschen auf der Flucht kann so eine Unterkunft geschaffen werden. Wie gesagt: Das Leben wird sich stark verändern.

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 01/2018
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

MY CITY: Architektonischer Rundgang durch Brno

Ondřej Chybík und Michal Krištof zeigen LIVING ihre persönlichen Architektur-Highlights der Metropole.

News

Architektur-Icons: Audrey Irmas Pavilion, Los Angeles

Sich des Audrey Irmas Pavilion anzunehmen, war keine leichte Aufgabe, die das Architektenbüro Office of Metropolitan Architecture (OMA) unter der...

News

Klimaneutral: »Null Kilometer«-Gewächshaus in Catalonien

Das im Naturpark »Serra de Collserola« in Barcelona errichtete Gewächshaus soll zeigen, wie unsere grundlegendsten Bedürfnisse auf ökologischere Weise...

News

Wohnen, wo man Urlaub macht – Chalets und Villen in Österreich

Hauptsache raus aus der Stadt? Nein, nicht ganz. Denn die Österreicher:innen definieren ganz genau, wo sie wohnen wollen.

News

Das Hotel-Paradoxon

Der Tourismus stottert, vor allem die Städte stöhnen. 71 Prozent weniger Übernachtungen als 2020 musste Wien letztes Jahr verkraften. Auch der Durst...

News

Nachhaltige Trends in der Recycling-Architektur

Aus altem Glas, kaputten Jeans und ausgetrunkenen Tetra Paks können neue, nachhaltige Baustoffe entstehen. Mit viel Geschick führt dieses...

News

Die Stadt als Kooperationsprojekt

Abseits der großen, bekannten Wiener Stadtentwicklungsgebiete entstehen Hunderte neue Wohnungen. Die gemein­same Klammer all dieser Projekte: Es geht...

News

Aufatmen in der Stadt - Grüne Dächer und Fassaden

Balkone und Terrassen müssen heute mehr bieten als einen Minimalauftritt und eine Position in der Verkaufsbroschüre. Mit ganzheitlichem Anspruch und...

News

Architektur-Icons: Museum of the Future, Dubai

Noch wartet es zwar auf seine Eröffnung, von außen betrachtet ist es aber jetzt schon ein architektonisches Highlight – das 78 Meter hohe Museum of...

News

My City: Architektonischer Rundgang durch Toronto

Toronto vereinigt das Europäische einer dicht bebauten fußgängerfreund­lichen Stadt und die wirtschaftliche Dynamik des Amerikanischen.

News

Pritzker-Preis 2022 geht an Francis Kéré

Der 1956 im westafrikanischen Burkina Faso geborene und in Berlin lebende Architekt Diébédo Francis Kéré war bei der Ehrung zu Tränen gerührt. Der...

News

Sakral-Architektur – Die Verbindung von Spiritualität und Design

In Istanbul bildet das Projekt der Sancaklar-Moschee, das von dem preisgekrönten Architekten Emre Arolat verwirklicht wurde, eine progressive Vision...

News

My favorite projects

Faszination Immobilien: Drei Branchenprofis erzählen in LIVING, welche Projekte ihnen in Österreich besonders am Herzen liegen.

News

Architektur pur – der Reiz puristischer Interieurs und Exterieurs

Wer simple Eleganz und harmonische Naturfarben bevorzugt ist mit Purismus gut beraten – ein Architektur- und Einrichtungsstil der weltweit im Trend...

News

Stilvolle Luxury Lofts in London: Eine Lovestory

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. In die luxuriösen Penthouses und Lofts Londons kann man sich aber fast nicht nicht verlieben.

News

Hoch hinaus: Stylische Baumhäuser, die Designliebhaber begeistern

Ob Kind oder Designer, es gibt Baumhäuser, die uns alle zum Staunen bringen. Sie heben uns dem Himmel ein kleines Stückchen entgegen und erschließen...

News

Haushoch im Trend!

Mehr Holz, mehr Ökologie, mehr Farbe – und vieles mehr. Die Welt ist im Wandel und wird mal südlicher, mal nordischer und vor allem besser und bunter....

News

Kellerperlen: Weinarchitektur im Burgenland

Die Architektur des Weinbaus hat sich über die Jahre zu einem eigenen Genre mit wenigen Spezialisten ausdifferenziert. Der burgenländische Weg folgt...

News

Der Lebensraum-Gestalter

Ob im historischen Zinshaus oder im modernen Neubau: Der Wiener Immobilienentwickler Christian Winkler und sein Team von WINEGG Realitäten schenken...

News

Ein Haus für Ferrero Rocher

Gold übt auf uns Menschen eine Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann. Rechtzeitig zu Weihnachten fällt auf, dass der edle Farbton nun...