Renzo Rosso/Foto: Othmar Kiem
Renzo Rosso/Foto: Othmar Kiem

Das Gut Diesel Farm verteilt sich auf sieben Hügel, die sich gleich hinter der Ortschaft Marostica bei Vicenza aus der Pobene erheben. Die Zufahrt führt mehrere Kilometer über eine private Straße, ­vorbei an Wiesen, Wäldern, Olivenhainen und Weinbergen. Das imposante Areal ist insgesamt 100 Hektar groß. Neben Öl, Obst und Gemüse wird hier Wein angebaut, auf den Weiden werden Kühe gehalten. Der größte Teil der Farm ­besteht aus Wald und Gebüsch, die zahlreichen Tieren als Unterschlupf dienen. Die Weinberge erstrecken sich über sechs Hektar mit rund 5000 Stöcken pro Hektar. Sie befinden sich in Hanglage, zum Teil sehr steil mit über 40 Prozent Neigung. Die Böden in dieser Region sind stark lehmhaltig. Der Ertrag wird sehr niedrig gehalten und liegt deutlich unter einem Kilo pro Rebstock. Es werden drei Weine erzeugt: Der Bianco di Rosso ist ein erstaunlich stahliger, vielschichtiger Chardonnay. Der Rosso di Rosso, eine klassische Bordeaux-Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon, zeigt eine verführerische Nase, ist klar und geradlinig angelegt, kompakt und mit guter Tiefe. Der Nero di Rosso schließlich, ein saftiger Pinot Noir, benötigt noch etwas Feinschliff – wohl auch wegen des geringen Alters der Pflanzen, die erst 2000 gesetzt wurden. Neben Wein werden auf der Diesel Farm ein formidables Olivenöl und ein feuriger Grappa erzeugt.

Das Herrenhaus des Weinguts sitzt auf der Kuppe des Hügels, die Aussicht ist umwerfend. Davor parkt unübersehbar ein schickes Bentley-Coupé. Hausherr Renzo Rosso bereitet einen herzlichen Empfang, vor dem angenehm warmen Kamin entwickelt sich ein lockeres Gespräch rund um Wein und Mode.

FALSTAFF: Herr Rosso, wie ist die Diesel Farm entstanden?
RENZO ROSSO: Ich habe das Land 1994 gekauft, ursprünglich, um zu verhindern, dass es der Bauspekulation anheimfällt. Auf den Hügeln rings um uns werden überall Häuser hochgezogen und Straßen gebaut. Vor diesem Schicksal haben wir unsere Hügel bewahrt, und heute ist die Diesel Farm ein willkommener Unterschlupf für viele Tier- und Vogelarten. Eine öffentliche Straße führt mitten durch die Farm. Die nüt­zen viele Leute für Spaziergänge und Naher­holung. Für mich ist die Diesel Farm ein kleines Schmuckstück. Hier komme ich auch mit meinen engsten Freunden gerne her – oder mit wichtigen Geschäftspartnern, um einen guten Vertragsabschluss zu feiern.

Markante Erscheinung: die drei Weine der ­Diesel Farm/Foto beigestellt
Markante Erscheinung: die drei Weine der ­Diesel Farm/Foto beigestellt

Wie kamen Sie auf die Idee, Wein zu erzeugen? Hatten Sie Verbindungen zur Landwirtschaft?
Ja, ich bin auf dem Land auf einem Bauernhof geboren und aufgewachsen. Ich weiß also, was es heißt, in der Landwirtschaft zu arbeiten. Als Kind musste ich immer in die großen Fässer kriechen und sie innen reinigen. Ich kann mich noch gut an den Duft des Weines und des Traubenmosts von damals erinnern. Der entscheidende Anstoß kam dann von Roberto Cipresso (ein ­bekannter Önologe, der heute in Montalcino lebt und Weingüter in ganz Italien berät; er stammt aus demselben Ort wie Renzo ­Rosso, Anm.), den ich schon seit meiner Kindheit kenne. Er verkostete die Weine des Vorbesitzers und meinte: »Hier können wir etwas wirklich Großartiges schaffen!« Wir begannen also, Bodenuntersuchungen zu machen und die Weine des Vorbesitzers eingehend zu analysieren. Wir stellten die alten Weingärten auf niedrigen Ertrag um, gleichzeitig begannen wir mit dem Anlegen neuer Weingärten. Ich hatte ja das Land bereits Anfang der Neunzigerjahre gekauft, den ersten Wein erzeugten wir erst 1999. Die Jahre dazwischen waren für uns außerordentlich wichtig, um genau zu verstehen, welche Art von Wein wir hier mit welchen Sorten machen könnten. Unsere Böden sind ausgesprochen lehmhaltig. Auf unseren Hügeln treffen die Winde des Meeres auf die Winde aus den Alpen und formen ein eigenes Mikroklima. Ich hatte also kein Interesse, hier einen x-beliebigen Wein zu erzeugen und mein Etikett drauf­zukleben, um dann sagen zu können: »Schaut her, auch ich habe meinen Wein.« Ich wollte etwas wirklich Außergewöhnliches machen, wollte mich in einem Sektor behaupten, der nicht meiner ist. Ich wollte etwas Qualitätsvolles machen, damit hat man mich auch in der Modebranche schätzen gelernt. Dafür aber brauchten wir Zeit.

Sehen Sie Parallelen zwischen der Welt der Mode und der Welt des Weins?

Bei einigen berühmten Weinen geht es den Leuten sicher darum, so was wie Lifestyle auszu­drücken. Mit dem Wein, den ich trinke, will ich den anderen etwas mitteilen – wie mit den Kleidern, die ich trage. Auch mit meinem Wein möch-
te ich solch eine Marke schaffen, dafür stecke ich all meine Leidenschaft in dieses Projekt.

Berg-Weinbau: Die Weinberge der Diesel Farm weisen zum Teil ein beachtliches Gefälle auf/Foto beigestellt
Berg-Weinbau: Die Weinberge der Diesel Farm weisen zum Teil ein beachtliches Gefälle auf/Foto beigestellt


 
Die Marke Diesel wendet sich vor allem an ­Junge und Junggebliebene. Wie ist das mit dem Wein der Diesel Farm?
Die Mode ist heute nicht mehr gebunden an ein bestimmtes Alter, sondern richtet sich nach einem bestimmten Lebensstil, auch Fünfzig- oder Sechzigjährige fühlen sich in Diesel-­Klei­dung sehr wohl, nicht nur die Jungen. Neben un­seren Spitzenweinen, die einfach einen be­stimmten Preis haben und damit nicht für alle leicht erschwinglich sind, möchte ich eines ­Tages auch einen hervorragenden Alltagswein erzeugen, der nicht die Welt kostet. Bis dahin aber stecken wir unsere ganze Energie in unsere Spitzenweine. Die Kritiker stimmen darin überein, dass wir mit unserem Weißwein, dem Bianco di Rosso, schon zu den Besten Italiens zählen. Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Wenn Renzo Rosso nicht Rosso trinkt, welchen Wein trinkt er dann?

Ich verfüge über einen sehr umfangreichen Weinkeller mit Weinen aus aller Welt. Ich habe ein Faible für Bordeaux, da insbesondere für Château Margaux und Cheval Blanc. Von den italienischen Weinen liebe ich Brunello di Montalcino. Und Champagner geht immer, am liebs­ten Dom Pérignon. Aber auch die Top-Franciacorta von Ca’del Bosco schätze ich sehr.

Was wünscht sich Renzo Rosso für seine Weine?
Dass sie zu den großen Weinen der Welt gezählt werden und auf den Karten der besten Restaurants der Welt zu finden sind. Derzeit nutze ich meine Reisen auch dafür, meine Weine anzubieten, so etwa vor einigen Tagen in einem Restaurant in Peking. In Tokio haben wir vor Kurzem einen neuen Diesel Shop eröffnet. Am Eingang gibt es auch eine Bar und ein Restaurant, in dem die Weine der Diesel Farm zu haben sind.

DER WEIN

91 Punkte
2005 Bianco di Rosso – Diesel Farm
Funkelndes Strohgelb. Zeigt in der Nase zunächst feine rauchig-mineralische Noten, öffnet sich dann mit viel frischer Frucht, nach Apfel und Ananas. Am Gaumen präsente, gut eingebundene Säure, gibt Frische, im Verlauf cremige Textur, Holz und Frucht sind sehr gut verbunden, zeigt sich im Finale vielschichtig und tief, langer Nachhall mit salzigen Noten.

89 Punkte
2005 Rosso di Rosso – Diesel Farm
Sattes, dunkles Rubin mit leichtem Violettschimmer. Tiefgründige, kompakte Nase mit Noten nach Cassis, Leder und Lakritze. Am Gaumen saftig, öffnet sich klar und geradlinig, präsentes Tannin mit weichem Kern, im Finale viel Frucht.

Die Preise der Weine liegen zwischen 90 und 100 Euro.
Der Verkauf erfolgt über Diesel Shops und online: www.dieselfarm.com.

Text und Interview von Othmar Kiem

Aus Falstaff Nr. 2/2011

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