Kein Kater danach... aber wie?

Kaffee, Obst, fettes Essen, »Reparaturseidl«? Viele Rezepte, die gegen einen Kater kursieren, sind Humbug – andere helfen tatsächlich.

© Gina Müller

Kaffee, Obst, fettes Essen, »Reparaturseidl«? Viele Rezepte, die gegen einen Kater kursieren, sind Humbug – andere helfen tatsächlich.

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Gehen wir den Beschwerden zuerst auf den Grund. Der Kopf brummt, der Magen fühlt sich flau an oder revoltiert, die Konzentration ist im Keller, man ist müde und fühlt sich schwach, der Durst ist wieder groß. In erster Linie fehlt uns Flüssigkeit. Denn Alkohol hemmt das Hormon Vasopressin, und dadurch scheidet der Körper mehr Wasser und Mineralstoffe aus. Die Zellen dehydrieren und melden »Brand«. Zu wenig Wasser im Blutkreislauf kann auch die Ursache für Kopfschmerzen sein. Davon abgesehen ruft die erste Abbaustufe von Alkohol, Acetaldehyd, Herzrasen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Zittern hervor. Auch verschiedene Neurotransmitter und Hormone wie Histamin und Prostaglandine sind vermehrt im Umlauf und an der Entstehung von Kopfschmerzen beteiligt. Histamin im Rotwein kann bei empfindlichen Personen noch zusätzlich ausschlaggebend sein. 

Je nach Volumenprozent wirkt Alkohol auch auf die Magenschleimhaut. Während harte Alkoholika sie irritieren und es zu Entzündungen kommen kann, entlocken ihr Wein und Bier vermehrt Magensäure. Ob so oder so: Wenn es zu viel ist, ist der Magen beleidigt. Schließlich ist die Gesamtkonstitution beeinträchtigt, man hat meist weniger und schlechter geschlafen, ist munter, obwohl man eigentlich noch müde ist. Das liegt am gestörten tagesrhythmischen Anstieg und Abfall von Cortisol. Denn auch dieses Stresshormon kommt mit Alkohol aus der Bahn.

Nach einer durchzechten Nacht fehlt dem Körper Flüssigkeit.

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Ab welcher Alkoholmenge sich ein Kater einstellt, hängt von persönlichen Voraussetzungen ab. Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer. Das liegt zum einen am meist niedrigeren Körpergewicht, zum anderen an einer generell geringeren Abbaurate. Alkohol wird also vom Körper zwar schnell aufgenommen, aber nur langsam abgebaut und ausgeschieden. Im Schnitt sind das pro Stunde etwa 0,1 bis 0,2 Promille. Mit einer Flasche Wein (0,7 Liter) oder drei Flaschen Bier (0,5 Liter) hat ein Mann mit 75 Kilogramm einen Alkoholspiegel von etwa 1,1 Promille im Blut erreicht und eine Frau mit 65 Kilogramm circa 1,3 Promille. Für den vollständigen Abbau braucht der Mann dafür etwa acht bis neun Stunden und die Frau etwa 13 bis 14 Stunden. Und das lässt sich weder durch Schwitzen, kaltes Duschen oder Bewegung an der frischen Luft noch mit starkem Kaffee beschleunigen. Für den Kater macht es grundsätzlich keinen Unterschied, ob verschiedene Getränke aufeinanderfolgten, aber beim Trinken kann die sensorisch-spezifische Sättigung eine Rolle spielen. Das heißt: Bleibt man bei einer Art von Getränk, nimmt der Gusto darauf mit der Zeit ab, und die Trinkgeschwindigkeit verlangsamt sich – folglich auch die Trinkmenge. Werden dagegen verschiedene Getränke getrunken, hat der Gaumen eher Appetit auf mehr. Man kann also durchaus durcheinander trinken, nur die Menge ist relevant! Entscheidend ist zudem, ob die Drinks schnell und in kurzen Abständen getrunken werden. 

Schnelle Wirkung zeigt Alkohol auch, wenn er auf leeren Magen getrunken wird. Daher startet man durchzufeiernde Nächte am besten mit einer guten – also durchaus deftigen – Unterlage, trinkt Alkohol langsam sowie immer wieder Wasser und knabbert Oliven, Käsehappen oder Nüsse dazwischen.

Der Kopf brummt, der Magen fühlt sich flau an, man fühlt sich müde und kann dennoch nicht schlafen. Zeichnet sich ein Hangover »am Tag danach« ab, helfen vor allem drei Zutaten: Wasser, Zeit und Ruhe.

Obst hilft, Alkohol zu reduzieren

Zeichnet sich trotz allem ein Hangover ab, sind die einzig fundierten Maßnahmen: Wasser, Zeit und Ruhe. Obst könnte zudem den Alkoholabbau unterstützen, weil der enthaltene Fruchtzucker den limitierenden Schritt dabei vorantreibt. Ein pikantes Frühstück liefert wiederum Energie und Mineralstoffe, tut aber wahrscheinlich vor allem der Seele gut.

Koffein blockiert die Prostaglandin-Synthese und kann damit Kopfschmerzen eindämmen. In Schmerzpräparaten ist meist eine Menge von 50 mg Koffein enthalten, was in etwa einer Tasse Kaffee entspricht. 

Und das »Reparaturseidl«? Das hilft wahrscheinlich nur dann kurzfristig, wenn
der Kater auf Fuselalkoholen basiert und sich Methanol in der Pipeline befindet. Denn der wird dann für den Abbau nach hinten gereiht, und das »Aufwärmen« empfindet man vorübergehend als angenehmer als alle anderen Konsequenzen. 

Aus dem Falstaff Spezial Opernball 2017.

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