Kartell Chef Claudio Luti im Exklusiv-Interview

Film ab für Maestro Claudio Luti – seit 30 Jahren der Kopf der Marke Kartell und medienerfahrener Repräsentant der Design-Metropole Mailand.

© Getty Images

Film ab für Maestro Claudio Luti – seit 30 Jahren der Kopf der Marke Kartell und medienerfahrener Repräsentant der Design-Metropole Mailand.

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Der Maestro ist unermüdlich. Ohne den inzwischen 73-jährigen Claudio Luti geht in Mailand nach wie vor nichts. Zur diesjährigen Möbel­messe Salone del Mobile.Milano, deren Präsident Luti ist, eröffnete im Königlichen Palast von Mailand eine Ausstellung, die zeigt, wie unter seiner zielstrebigen Regie die Marke Kartell das internationale Möbeldesign maßgeblich geprägt hat: »The Art Side of Kartell« (Palazzo Reale, bis 12. Mai).

LIVING: In der Jubiläumsschau werden legendäre Produkte aus 70 Jahren Kartell präsentiert. Haben Sie ein Lieblingsstück?
Claudio Luti: Nein, ich kann keinen Favoriten auswählen. Ich verbinde mit jedem Produkt eine einzigartige Geschichte, angefangen bei der Idee bis zu jedem Detail in Bezug auf Technologie, Stil und Komfort. Schließlich kontrolliere ich jeden Schritt dieses Prozesses.

Hat es Sie nie gereizt, selbst etwas zu entwerfen?
Vico Magistretti hat einmal zu mir gesagt, dass gutes Design immer von zwei Typen geprägt ist: Einer ist der Kreative, der andere kennt den Markt. Doch gemeinsam entdecken, entwerfen und gestalten sie. Von dieser produktiven Wechselwirkung bin ich überzeugt, und ich habe das im Laufe der Jahre mit einzigartigen Designern erlebt.

Was hat die von Giulio Castelli, Ihrem Schwiegervater, gegründete Marke Kartell für Sie ausgestrahlt, als Sie 1988 ins Unternehmen einstiegen? Was wollten Sie ändern?
Kartell war von Beginn an ein innovatives Unternehmen. Bei meinem Eintritt ging es darum, die nächste Entwicklungsstufe anzugehen, nämlich neue Designer sowie frische Ideen an Kartell zu binden und die Brand weltweit noch stärker zu etablieren. Heute verfügt Kartell über ein Vertriebsnetz aus 140 Flagship-Stores, 250 Shop-in-Shop-Nie­derlassungen und 2500 Händlern in 140 Ländern.

Die Welt von Kartell

Sie kamen damals vom Modelabel Versace. Inwieweit hat diese Erfahrung Ihre Entscheidungen beeinflusst?
Die Erfahrungen bei Versace waren fundamental. Auch wenn sich die Methoden und Produktionsmengen unterscheiden, gibt es zwischen Fashion und Design doch die große Gemeinsamkeit, eine Marke mit einer klaren Vertriebsphilosophie zum Erfolg führen zu können.

Sie haben italienische Industriedesigner wie Piero Lissoni oder Alberto Meda, aber auch immer wieder Querdenker aus anderen Kulturen wie den Franzosen Philippe Starck, die Spanierin Patricia Urquiola oder den Japaner Tokujin Yoshioka beauftragt. Gibt es etwas Verbindendes?
Kartells kreatives Potenzial resultiert aus einem Chor verschiedener, großartiger Designer. Das Schlüsselwort ist für mich Evolution – als permanenter Dialog zwischen der Kreativität unserer Designer und der Weiterentwicklung von Materialien. Das Experimentieren mit neuen Technologien und Produkten gehört zur DNA von Kartell.

Worauf sind Sie in Ihrer mittlerweile 30-jährigen Tätigkeit für Kartell besonders stolz?
Ende der Neunzigerjahre erblickte mit Philippe Starcks Modell »La Marie« der erste Stuhl aus Polycarbonat das Licht der Welt – damals eine enorme technologische, ästhetische und kulturelle Herausforderung.  Starcks Entwurf hat uns damals an die Zukunft dieses Materials glauben lassen: Es war transparent wie Glas, bruchsicher, ungiftig und resistent.

Das Image von Plastik hat gelitten, es gilt heute als bedrohlicher Umweltkiller. Wie reagieren Sie darauf?
Unsere Passion für hochwertige Produkte geht einher mit unserem Engagement für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, ausgedrückt in unserem Manifest »Kartell Loves The Planet«. Dazu gehört, dass wir ständig nach neuen umweltverträglichen Materialen suchen und die Entwicklung von Bio-Plastik vorantreiben. Und nach jahrelangen Forschungen haben wir mit Philippe Starcks »Woody«-Kollektion nun auch einen Ansatz gefunden, das Material Holz in der industriellen Fertigung nicht als Element zu nutzen, sondern es im Ganzen zu runden und zu einem dreidimensionalen Sitz zu formen. In diesem Sinne möchten wir nicht nur grüne Objekte, sondern nachhaltige Werte von Dauer schaffen.

Kartell ist ein Design-Weltkonzern und zugleich ein Familienunternehmen. Nun sind auch Ihre Kinder bereits in der Verantwortung. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Lorenza und Federico haben sich seit Jahren in die Arbeitsabläufe und vor allem in die Philosophie des Unternehmens eingearbeitet. Sie stehen dafür, die Tradition zu bewahren und sich gleichzeitig den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

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LIVING Nr. 02/2019
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