Wunschdestination und derzeitiger Lebensmittelpunkt von Sebastian Doll ist Peking. / Foto © Kempinski
Wunschdestination und derzeitiger Lebensmittelpunkt von Sebastian Doll ist Peking. / Foto © Kempinski

Exklusiv berichten junge Nachwuchsführungskräfte über ihren Werdegang und ihre Zeit im Ausland. Sie geben Einblick in die kulturellen Unterschiede und liefern hilfreiche Tipps für zukünftige Expatriates. Dieses Mal steht Sebastian Doll Falstaff Rede und Antwort. 

Als Director of Sales sind Sie für die Verkaufsabteilung zuständig und müssen sicherstellen, dass das Hotel eine gesunde Auslastung mit entsprechenden Raten vorweist. Wie können wir uns Ihren Alltag und die damit verbundenen Herausforderungen vorstellen?
Doll: In China ist es besonders wichtig, sein Wissen und seine Erfahrungen tagtäglich weiterzugeben und als Ansprechpartner immer für sein Team da zu sein. Neben den Hotelzimmern geht es aber natürlich auch um die Marke Kempinski selber und den Hotelkomplex als Ganzes – sprich Restaurants, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Büros oder auch Apartments, die mitbeworben werden. Die Herausforderung besteht darin, an seinem Standort das Beste für das Haus herauszuholen und dieses traditionelle Hotel gegen die neu eröffneten Häuser zu verteidigen. Es dreht sich hier fast alles um Entfernungen: Morgens vier Kilometer mit dem Taxi sind schon hart an der Schmerzgrenze der meisten Firmen. Vor diesem Hintergrund sollte man daher stets über Büroumzüge informiert sein und entsprechend schnell handeln, genauso wie über die zahlreichen Änderungen bei den Mitbewerbern. Im Umgang mit dem Team steht das Bestreben selbstständiges Handeln zu fördern im Vordergrund, Freiräume zu geben und eigene Ideen zu unterstützen. Das ist nicht immer ganz einfach – klare Vorgaben und Ansagen sind hier bei den Mitarbeitern deutlich beliebter.

Das Kempinski Hotel Beijing Lufthansa Center wurde bereits vor 20 Jahren eröffnet. Es trägt bereits eine lange Geschichte – wieso haben Sie sich für diese Destination entschieden?
Doll: Dieses Haus ist eine Institution hier in Peking – als es eröffnet wurde, war Kempinski ein echter Pionier. Ich finde es spannend, dass sich das Hotel in einem so hart umkämpften Markt seit nun mehr als zwei Jahrzehnten behaupten kann. Hier an dem weiteren Erfolg der Zukunft mitzuarbeiten und ein Teil dieses Erfolgs zu sein, ist für mich eine echte Herausforderung. Wir sind kein klassisches »Urlaubsziel«. Viele unserer Gäste kommen seit Beginn in das Lufthansa Center, kennen noch ein Peking voller Fahrräder und Wiese auf der anderen Seite des Hotels anstelle von Hochhäusern. Ein völlig anderes China als das von heute. Es ist schwierig, sich das heute vorzustellen, aber etwas Besonderes, daran Teil haben zu können.

Was reizte Sie an der Stadt Peking?
Doll: Wenn ins Ausland und nach China, dann bitte das »Traditionelle«, das war mir von Anfang an klar. Ich wollte gerne in ein Land, das sich in Kultur und auch hinsichtlich seiner Sehenswürdigkeiten komplett von Europa unterscheidet.

Auf welche kulturellen Unterschiede sind Sie gestoßen?
Doll: Die Essgewohnheiten sind in China ganz anders als zum Beispiel in Deutschland und auch der aus deutscher Sicht absolut chaotische Fahrstil hier in Peking ist schon eine Erfahrung wert. Außerdem sagt einem der Taxifahrer hier, ob er dahin fahren will, wo man eben hin will, oder nicht – in Deutschland undenkbar. Auch der Umgang mit Problemen im Alltag ist anders. Hier werden Probleme in der Regel eher ignoriert als sie direkt anzusprechen. Viel stärker ausgeprägt ist in China auch der Respekt gegenüber Kindern und Älteren. Und – man schaut immer nach vorne – nur äußerst selten zurück. Sprüche wie »Früher war alles besser« sind hier unbekannt.

Wie war Ihre erste Nacht in Peking?
Doll: (lacht) – Als ich im Hotel aufgewacht bin, hat mich beim Blick aus dem Fenster die Panik ergriffen: strahlend blauer Himmel, ein wahnsinniger Verkehr auf den Straßen mit Bussen und Autos, dazwischen Menschenmassen, die man sonst nur vom verkaufsoffenen Sonntag auf dem KuDamm kennt. Ich hatte Angst, verschlafen zu haben. Es war aber erst 7.15 Uhr.

Was können Sie dem Nachwuchs empfehlen, der in diese Branche einsteigen möchte?
Doll: Man sollte sich vorher genau darüber im Klaren sein, was einen in der Hotelbranche erwartet – also schon mal ein Praktikum machen oder während Schule oder Studium in die Hotelwelt rein schnuppern. Es ist definitiv kein Nine to Five-Job, den man mal »ne Zeitlang« machen kann. Man muss 110prozentig dazu stehen, ansonsten hält man es nicht durch, vor allem nicht in den operativen Bereichen. Wer mit Leidenschaft und vollem Einsatz dabei ist, dem steht dann jedoch die Welt offen: Man lernt die interessantesten Menschen kennen, ist überall auf der Welt zu Hause und kann davon ausgehen, dass auch in 60 Jahren noch Hotels und Dienstleistung gefragt sind.

Sebastian Doll hat zweimal pro Woche Chinesisch Unterricht, treibt in seiner Freizeit viel Sport und nützt die Gelegenheit andere Städte in China wie Shanghai zu bereisen. Beruflich möchte sich Doll in Peking als guter Director of Sales beweisen. Als nächsten Karriereschritt sieht er die Position als Director of Sales & Marketing. Wir wünschen Sebastian Doll weiterhin viel Erfolg!


Das beeindruckende Kempinski Hotel Beijing Lufthansa Center mit seinen 526 Zimmern besteht bereits seit 20 Jahren. / Foto © Kempinski

Hard Facts Kempinski Hotel Beijing Lufthansa Center
Mitarbeiteranzahl: gesamt ca. 1000
Mitarbeiteranzahl nach Abteilungen:
ca. 200 Service
ca. 200 Küche
ca. 70 Security
ca. 40 Sales & Marketing
ca. 160 Housekeeping
ca. 80 Rezeption
ca. 100 Technik zzgl. Verwaltung.

www.kempinski.com

(von Alexandra Gorsche)

 

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