Kamptal DAC: Die feschen Kampln zeigen Charakter

Vincent und Willi Bründlmayer präsentierten den besten Riesling.

© Chris Rogl

Vincent und Willi Bründlmayer

Vincent und Willi Bründlmayer präsentierten den besten Riesling.

© Chris Rogl

Der Jahrgang 2014 hatte es in sich. So mancher Winzer bekommt heute noch eine Gänsehaut, wenn er zurückdenkt. In Anbetracht des ausgezeichneten Ergebnisses kann man sich kaum vorstellen, wie sehr dieses Jahr den Weinbauern Nerven gekostet hat. Dabei hätte alles viel schlimmer kommen können.

Rückblick: Das Frühjahr 2014 war sehr warm und zeichnete sich gerade im Kamptal durch eine anhaltende Trockenperiode aus, die nicht nur den Winzern große Sorge bereitete. Erst der Mai brachte Regen – dafür gleich doppelt so viel wie gewöhnlich. Die Blüte und der Vegetationsansatz verliefen zur vollen Zufriedenheit der Weinbauern. Im August gab es zweimal mehr Regen als im Durchschnitt und deutlich mehr Wolken als Sonne.Ebenso verlief der September, der keine zwei Tage hintereinander ohne Regen zu bieten hatte. Der kühle August brachte zunächst gute Säurewerte, die erhöhten Regenmengen führten zu hohem Fäulnisdruck, sodass ein großer Aufwand bei der Lese mit strenger Selektion betrieben werden musste, um die gesunden Trauben herauszulesen. Erst im Oktober besserte sich das Wetter, und für die Top-Lagen war ein Silberstreif der Hoffnung am Horizont zu erkennen.

Qualität vor Quantität

Die Trauben für die meisten Reserve-Weine wurden Anfang November geerntet, sodass die Lese Mitte November abgeschlossen werden konnte. Die Qualitäten bei den Kamptal-DAC-Reserven sind schließlich sehr gut ausgefallen, die Mengen hingegen sehr bescheiden. Aufgrund der schwierigen Bedingungen waren Geduld und Fleiß gefragt, auf manchen Lagenwein wurde dort und da verzichtet.

Wettlauf mit der Zeit

Die kleinen Mengen spiegeln sich auch in der Beteiligung an der Cup-Verkostung wider – dieses Mal lag die Zahl der eingereichten Weine knapp unter hundert. Sowohl beim Grünen Veltliner als auch beim Riesling ist der Alkohol nicht zu hoch geworden, die Mindestgrenze für eine Kamptal-DAC-Reserve ist gesetzlich bei 13 Vol.-% festgeschrieben, was sehr begrüßenswert ist. Die guten Winzer haben sich an der Botrytis vorbeigearbeitet, das war nicht einfach und nur in einem sehr limitierten Zeitfenster möglich. Perfektes Timing war absolut notwendig, für viele war das aufgrund der peniblen Selektion die vielleicht teuerste Ernte bisher. Die Rieslinge wurden im Herbst oft schlagartig von massiver Botrytis befallen, da hatte man nur wenige Tage, um das Beste daraus zu machen, in vielen Weingütern war die Rieslingernte vor dem Grünen Veltliner abgeschlossen.

Jungweintrinker

Generell zeigen sich die Weine zum aktuellen Zeitpunkt bereits sehr harmonisch und zugänglich, manche Veltliner wirken durch ihre Extraktwerte süßer als sie tatsächlich sind. Nicht alle Weine werden sich als Langstreckenläufer eignen, nur die besten gehören in die Vinothek. Aber das ist, wie wir leider wissen, im Jungweintrinkerland Österreich das Problem einer kleinen Minderheit.

Siegerehrung

Die Weinstraße und das regionale Wein­komitee Kamptal luden auch heuer wieder zur »Kamptaler Wein Nacht« in das Schloss ­Grafenegg ein. Ende November wurde diese traditionsreiche kulinarische Gala zu Ehren des Kamptaler Weins gefeiert. Am 20. November 2015 ließ man ab 18:30 Uhr das Weinjahr Revue passieren und präsentierte dem ­privaten Publikum die besten Weine aus dem Kamptal – die von Falstaff prämierten Grünen Veltliner und Rieslinge Kamptal Reserve DAC sowie die preisgekrönten Rotweine des »Kamptaler Zweigelt Preis«.

Aus Falstaff Nr. 08/2015

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