Kärntner Wein im Kommen

Das Trippelgut verbindet Wein, Kulinarik und Kultur zu Genusserlebnissen und ist zurzeit eines der angesagten Kärntner Weingüter. 

© Paul Huebl

Das Trippelgut verbindet Wein, Kulinarik und Kultur zu Genusserlebnissen und ist zurzeit eines der angesagten Kärntner Weingüter. 

© Paul Huebl

Kärnten blickt auf eine tausendjährige Weinbaugeschichte zurück. Es waren die Klöster, die eine Vorreiterrolle ausübten. In den letzten Jahrzehnten gab es erste Versuche, die alte Tradition wiederzubeleben – der unübersehbare Klimawandel kommt diesem Unterfangen dabei sehr entgegen. Es dauerte bis zum Jahr 1972, dass man sich im Lavanttal wieder an die Geschichte des Weinbaus erinnerte. Damals entschloss sich Herbert Gartner, in der Riede »Oberer Weinzedl« am St. Andräer Burgstall wieder Reben zu setzen. 1978 bepflanzte der Hobbywinzer die obersten Terrassen bei Schloss Thürn – und der Dornröschenschlaf des Kärntner Weinbaus fand ein Ende.

Erwin Gartner und seine Familie bringen seit den 1970er-Jahren Kärntner Wein zurück auf die Genusslandkarte.

Erwin Gartner und seine Familie bringen seit den 1970er-Jahren Kärntner Wein zurück auf die Genusslandkarte. 

© Stefan Leitner

Der Weinbauverband Kärnten wurde im Jahr 2001 gegründet und baute mit dem Arbeitskreis »Wein aus Kärnten« eine offizielle Marketingplattform auf. Im Jahr 2011 wurden erstmals wieder mehr als 100.000 Flaschen Wein erzeugt. Die Zentren des Weinbaus sind heute die Regionen Feldkirchen/Ossiacher See, Klagenfurt/Wörthersee, Lavanttal, St. Veit an der Glan, Sittersdorf und das 
Trixnertal.

Aktivität in Rot und Weiß

Mit dem »Stadtweingarten Klagenfurt« mischt auch die Landeshauptstadt beim Kärntner Wein-Boom mit. Riesling vom Wörthersee ist ein Genuss für alle Sinne. 

© Wolfgang Croce

Auch die Landeshauptstadt selbst hat ihren Anteil am Weinboom: Mit dem Projekt »Stadtweingarten Klagenfurt« wird hier das Potenzial der Rebsorte Riesling ausgelotet. Zu den Initiatoren zählten Helmut Unterkofler und Roland Pulsinger aus dem Lavanttal, der dort wie die Familie Gartner und Arno Polli Wein erzeugt. Die Weinbaukooperative »Die Stadtwinzer« betreibt nun seit 2003 den Weingarten der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee. In der Ried Seewiese mit einer Fläche von 1,2 Hektar stehen 2630 Rebstöcke im Ertrag. Jährlich werden immerhin etwa 2700 Flaschen Kärntner Qualitätswein produziert. Die aktiven »Stadtwinzer« sind Helmut »Ralf« Unterkofler, Kurt Knoltsch aus Keutschach, Horst Wild, Obmann des Weinbauverbands Kärnten, und Rene Oberleitner aus Krumpendorf, Josef Math aus Pischeldorf sowie Christian Waltl und Robert Passegger aus Klagenfurt. Ein bemerkenswertes Projekt, das Weingut Karnburg, wird vom gebürtigen Texaner Sem Kegley und Georg Michael Lexer aus Klagenfurt auf mittlerweile 6,5 Hektar betrieben. 

Das Weingut Burg Taggenbrunn verbindet historische Substanz mit moderner Kellerarchitektur.

Foto beigestellt

Die größte Dichte an Produzenten findet man heute im Lavanttal, wo neben den bereits Genannten die Familien Gritsch, Janko, Klade und Lippitz sowie das Stift St. Paul mit dem 2008 gegründeten Betrieb Vinum Paulinum, der in der »Hinteren Gumitschleiten« bei Wolfsberg einen ausgezeichneten Chardonnay erzeugt, erwähnt werden müssen. In der Region Feldkirchen hat die Familie Lassnig die Terrassen der Burg sehenswert rekultiviert; tolle Weine gibt es auch bei Gerhard Köck und Gerald Neumaier. Das Weingut am Trippelgut unweit des Maltschacher Sees wurde erst 2015 gegründet und hat mittlerweile bereits 7,5 Hektar Fläche unter Reben. Viel Aktivität gibt es im Raum St. Veit an der Glan durch die Familie Candussi mit Vinum Virunum, die Weinkultur Hochosterwitz, die Familie Salbrechter, aber auch Marcus Gruze und Uta Slamanig mit ihrem Weingut Georgium am Längsee. Im Trixnertal sind Felix Kucher und Johann Lamprecht aktiv, in Sittersdorf sind Rosa und Karl Hren zu nennen. Bekanntester Neowinzer der Region ist der Unternehmer Alfred Riedl, der rund um Burg Taggenbrunn unweit von St. Veit an der Glan seine Weingärten bereits auf circa 70 Hektar erweitert hat und mit Hubert Vittori einen erfahrenen Kellermeister engagieren konnte.

Die Weingartenflächen und die Erntemengen vermehren sich in Kärnten sehr schnell – aktuell sind bereits wieder mehr als 100 Hektar Fläche mit Reben bepflanzt und eine beachtliche Jahresproduktion von fast 200.000 Flaschen erreicht. 

Seit ein paar Jahren nehmen Kärntner Weine an überregionalen Weinwettbewerben wie dem Salon Österreich Wein, dem Falstaff Weinguide, der Austria Wine Challenge und anderen Weinwettbewerben teil und erringen ausgezeichnete Bewertungen. Das Kärntner Wein-Hoch ist stabil, und man plant – wenn es nach dem Kärntner Weinbauverband geht –, die Weinproduktion bis 2020 auf bis zu 750.000 Flaschen zu steigern. Wein aus Kärnten ist also weiter im Aufschwung und wird auch künftig unter Kennern für Furore sorgen.

Zum Tasting

Tipps

Trippelgut
Top-Weingut direkt am Maltschacher See. 
Hubertusweg 4, 9560 Feldkirchen
T: +43 4276 93080
www.trippelgut.at

Weingut Georgium 
Naturwein von Marcus Gruze überzeugt allerorts. 
Längseestraße 9, 9313 St. Georgen am Längsee
T: +43 650 2241234
www.georgium.at

Weinbau Familie Gartner
Kultwein aus Kärnten seit Generationen.
Schießstattstraße 26, 9433 St. Andrä
T: +43 4358 55292
www.weinbaugartner.at

Weinbau Burg Taggenbrunn
Unternehmer Alfred Riedl sorgt für Top-Tropfen.
Jacques-Lemans-Str. 1, 9300 St. Veit a. d. Glan
T: +43 4212 544433
www.taggenbrunn.at

Stadtwinzer
Kooperative, die am Wörthersee Wein keltert. 
Waldschlagweg 20, 9020 Klagenfurt
T: +43 660 3106410 
www.vinum-carinthiae.at

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