Weingärten des Weinguts Georgium am idyllischen Längsee bei St. Veit an der Glan / Foto: beigestellt
Weingärten des Weinguts Georgium am idyllischen Längsee bei St. Veit an der Glan / Foto: beigestellt

Kärnten blickt auf eine tausendjährige Weinbaugeschichte zurück. Die unter Kaiser Josef II. durchgeführte Säkularisierung von kirchlichen Einrichtungen leitete den Abschwung im Weinbau ein, außerdem fügte Ende des 19. Jahrhunderts das katastrophale Auftreten des Mehltaus den Kärntner Rieden enormen Schaden zu. In der Zwischenkriegszeit kam der Weinbau völlig zum Erliegen. Es dauerte bis zum Jahr 1972, dass man sich im Lavanttal wieder an die Geschichte des Weinbaus erinnerte. Damals entschloss sich Herbert Gartner, Klosterneuburg-Absolvent und langjähriger Mitarbeiter in der Landwirtschaftskammer Kärnten, in der Riede »Oberer Weinzedl« am St. Andräer Burgstall wieder Reben zu setzen. 1978 bepflanzte der Hobbywinzer die obersten Terrassen bei Schloss Thürn, Schritt für Schritt wurde daraus ein richtig professionelles Weingut – und der Dornröschenschlaf des Kärntner Weinbaus fand ein Ende.

»Der Kärntner Weinbauverband ist an sich eine kleine Organisation und verfügt über etwa 20 ›echte‹ Winzer, aber wenn die Jahreshauptversammlung ansteht, dann sind gleich 200 Personen anwesend, denn so viele Mitglieder hat der Verband bereits«, so Präsident Josef Pleil, Österreichs oberster Winzervertreter, der vom Kärntner Engagement sichtlich begeistert ist. »Und wenn die Erzeuger die 30 bis 40 Weine präsentieren, die sie alle zusammen keltern, dann stehen gleich wieder einige Hundert Interessenten vor der Tür.«

Schloss Thürn im Lavanttal mit den Weinterrassen der Weinbau-Pionierfamilie ­Gartner aus St. Andrä / Foto: beigestellt
Schloss Thürn im Lavanttal mit den Weinterrassen der Weinbau-Pionierfamilie ­Gartner aus St. Andrä / Foto: beigestellt


Schloss Thürn im Lavanttal mit den Weinterrassen der Weinbau-Pionierfamilie ­Gartner aus St. Andrä / Foto: beigestellt

Der Weinbauverband Kärnten wurde im Jahr 2001 gegründet und baute mit dem Arbeitskreis »Wein aus Kärnten« eine offizielle Marketingplattform auf, die dazu dient, die Marke professionell zu bewerben und das Image des Kärntner Weins durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätssteigerung zu fördern. Seine rechtlichen Grundlagen wurde der Kärntner Weinbau durch den Landtag mit dem Kärntner Weinbaugesetz vom November 2005. Kärnten bekam aus der österreichischen regionalen Reserve ein Pflanzkontingent von 100 Hektar zugesprochen. Jeder, der hier anpflanzen will, muss beim Land Kärnten um die Bewilligung der Neuanlage von Weingärten ansuchen. Kärnten ist heute ein gesetzlich anerkanntes Qualitätsweinbaugebiet und zählt zusammen mit Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zur Weinbauregion Bergland. Im Jahr 2011 wurden erstmals wieder mehr als 100.000 Flaschen Wein erzeugt. Die Zentren des Weinbaus sind die Regio­nen Feldkirchen-Ossiachersee, Klagenfurt-Wörthersee, Lavanttal, St. Veit an der Glan, Sittersdorf und das Trixnertal.

In der Ried Seewiese mit Blick auf den Wörthersee ernten die Klagenfurter Stadtwinzer ihre Trauben / Foto: beigestellt
In der Ried Seewiese mit Blick auf den Wörthersee ernten die Klagenfurter Stadtwinzer ihre Trauben / Foto: beigestellt


In der Ried Seewiese  mit Blick auf den Wörthersee ernten die Klagenfurter Stadtwinzer ihre Trauben / Foto: beigestellt

Selbst die Kärntner Hauptstadt Klagenfurt hat Anteil am Weinboom: Mit dem Projekt »Stadtweingarten Klagenfurt« wird hier das Potenzial der Rebsorte Riesling ausgelotet. Zu den Initiatoren zählten Helmut Unterkofler und Roland Pulsinger aus dem Lavanttal, der dort wie die Familie Gartner und Arno Polli Wein erzeugt. Die Weinbaukooperative »Die Stadtwinzer« betreibt nun seit 2003 den Weingarten der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee. In der Ried Seewiese mit einer Fläche von 1,2 Hektar stehen 2630 Rebstöcke im Ertrag. Jährlich werden immerhin etwa 2700 Flaschen Kärntner Qualitätswein produziert. Die aktiven »Stadtwinzer« sind Helmut »Ralf« Unterkofler, Kurt Knoltsch aus Keutschach, Horst Wild, Obmann des Weinbauverbands Kärnten, und Rene Oberleitner aus Krumpendorf, Josef Math aus Pischeldorf sowie Christian Waltl und Robert Passegger aus Klagenfurt. Ein bemerkenswertes Projekt, das Weingut Karnburg, wird von Sem Kegley und Georg Lexer betrieben. Die größte Dichte an Produzenten findet man heute im Lavanttal, wo neben den bereits Genannten die Familien Gritsch, Janko, Klade, Lippitz sowie das Stift St. Paul erwähnt werden müssen.

In der Region Feldkirchen hat die Familie Lassing die Terrassen der Burg sehenswert rekultiviert; tolle Weine gibt es auch bei Gerhard Köck und Gerald Neumaier. Viel Aktivität gibt es im Raum St. Veit durch ­Hubert Vittori mit Vinum Virunum und Weinkultur Hochosterwitz, die Familie ­Salbrechter und Marcus Gruze mit seinem Georgium am Längsee. Im Trixnertal sind Felix Kucher und Johann Lamprecht aktiv, in Sittersdorf sind Rosa und Karl Hren zu nennen. Prominentester Neowinzer ist der Unternehmer Alfred Riedl, der rund um Burg Taggenbrunn seine Weingärten bereits auf rund 15 Hektar erweitert hat.

Interview mit »Wein aus Kärnten«-Sprecher Erwin Gartner

>> Zu den Verkostungsnotizen


Weibauregion Kärnten, Karte / Illustration: Bianca Tschaikner
Weibauregion Kärnten, Karte / Illustration: Bianca Tschaikner



Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 05/2013

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