Johannes Pfefferkorn über die Romantik-Strategie

Johannes Pfefferkorn, Geschäftsführer der »Die Krone von Lech«.

© Robert Stocker

Johannes Pfefferkorn, Geschäftsführer der »Die Krone von Lech«.

© Robert Stocker

PROFI: Herr Pfefferkorn, Sie sind Geschäftsführer vom Romantik Hotel »Die Krone von Lech« und vom »Tannbergerhof«. Welche Aufgaben/Verpflichtungen nehmen Sie wahr?
Johannes Pfefferkorn: Die betriebswirtschaft­liche Führung, der Kontakt zu ­Gästen und Mitarbeitern und die tägliche Präsenz im Haus, um einen Überblick über das laufende Geschäft zu haben. Dazu ­kommen diverse Verwaltungsaufgaben. Ich bin sowohl in der »Krone« als auch im »Tannbergerhof« im laufenden Betrieb tätig – als Sommelier die Gäste beratend und auch immer wieder unterstützend im Restaurant-Service.

Sie und Ihr Bruder, Christoph Pfefferkorn, haben vor ­wenigen Wochen den ­»Tannbergerhof« gekauft. Was bedeutet dies für die Zukunft beider Hotels und was erwarten Sie sich?
Das bedeutet, dass wir im geringen Abstand – es sind nur 20 Meter über die Straße – ein zweites Haus als Vier-Sterne-Hotel betreiben. Ganz wichtig ist uns, dass der »Tannbergerhof« seine Identität bewahrt. Er gehört mit der »Krone« zu den zwei traditionsreichsten Häusern in Lech, die schon vor dem ersten Weltkrieg Zimmer vermietet und ein Restaurant betrieben haben. Wir versuchen im »Tannbergerhof« eine andere Klientel anzusprechen: jünger und geringeres Urlaubsbudget. Es wird auf jeden Fall kein »Anhängsel« der »Krone« sein, es bleibt ein eigenständiges Hotel unter meiner Geschäftsführung.

»Die Krone von Lech« ist ein familiär geführtes Unternehmen.

© Georg Schnell

Was bedeutet es, zwei Hotels zu leiten? Was hat sich seit dem Kauf verändert?
Dass sich die Arbeit verdoppelt hat. Etwa im Bereich der Mitarbeiter: Mir sind die Persönlichkeiten, die mit uns arbeiten, sehr wichtig, darum stelle ich alle Mitarbeiter persönlich ein. Es soll ein homogenes Team ergeben, das gut miteinander zusammenarbeitet. Das eine Haus soll und darf nicht darunter leiden, dass ein anderes dazugekommen ist. Dazu haben wir zum Glück schon sehr viel Know-how, es ist kein Start von Null. Bis man im Betriebsalltag angekommen ist, gibt es jedoch einiges zu tun.

Welche Gründe hatte der Zukauf des ­»Tannbergerhof«?
Vor allem das Anliegen, dass es kein Investor betreibt oder gar zu einem Chalet umgebaut wird. Mit meinem Bruder und mir bleibt es in Lecher Händen. Das ist für das Zentrum von Lech ganz wichtig.

Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?
Kollegial und konsequent. Mir liegt sehr viel daran, jeden Mitarbeiter persönlich zu kennen und mit ihm Gespräche auf Augenhöhe zu führen. Wir arbeiten alle im selben Haus, für dasselbe Ziel. Um dieses Ziel gemeinsam zu erreichen, braucht es Konsequenz.

Das Genuss-Restaurant in der »Krone von Lech« punktet mit exklusivem Ambiente.

© Othmar Heidegger

Aus welchen Gründen lieben Sie Ihre Arbeit?
Ich glaube, dass es keine vielseitigere und ­flexiblere Branche gibt, als die Hotellerie und Gastronomie. Man hat jeden Tag neue Herausforderungen und neue Gäste. Zudem hat man jeden Tag die Chance, Lob von einem Gast zu bekommen. In einem Bürojob ist das nicht möglich. Auf der anderen Seite kann es auch jeden Tag Kritik geben, die ich positiv sehe, weil sie mich persönlich weiterbringt und wir uns verbessern können. Tag für Tag steht man auf einer großen Bühne. Es gibt kein anderes Business, das so viel bewertet wird, wie die Hotellerie und Gastronomie. Die Kritik ist die Herausforderung, das Lob der Ansporn.

»Die Krone von Lech« verbindet Inno­vation, Eleganz und Tradition. Der ­»Tannbergerhof« ist ein Traditionshotel. Was bedeutet Tradition und Innovation für Sie?
Ich glaube, dass Innovation nur aus Tradition entstehen kann. Ich muss das Rad nicht neu erfinden. Wir sind keine Trendsetter. Innovation in der Gastronomie beruht auf sehr viel Erfahrung.

Was sind die Herausforderungen, die ein ­Traditionshotel mit sich bringt?
Wir haben in der »Krone« Gäste, die seit 60 Jahren zu uns kommen und Mitarbeiter, die mein Großvater eingestellt hat und nun mit dem dritten »Pfefferkorn« arbeiten. Da muss man sich darüber bewusst werden, was Tradition bedeutet. Tradition heißt Bewahren und Voranbringen zugleich.

Welche Herausforderungen bringt ein Familien­unternehmen mit sich?
Oftmals verschiedene Meinungen, die man in einem Familienunternehmen jedoch sehr gut am Mittagstisch ausdiskutieren kann und so am Ende den Mittelweg wählt, der meistens der gesündeste ist.

www.kronelech.at

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