Jörg Gartler braut versautes Bier

Jörg Gartler in seiner Brauküche

Foto beigestellt

Jörg Gartler in seiner Brauküche

Jörg Gartler in seiner Brauküche

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Die prägendste Zeit im Leben von Jörg Gartler war wohl sein neunmonatiger Aufenthalt in Neuseeland. Der gelernte Automechaniker und spätere Student der Biotechnologie lernte auf der anderen Seite des Globus eine junge und erfrischende Bierkultur kennen, die ihn von Beginn an fasziniert hatte. Durch die hohen Steuern auf Alkohol gibt es eine sehr lebendige Homebrewing-Szene, der sich der Niederösterreicher rasch angeschlossen hat. Sein neues Hobby hat Gartler mit nach Hause genommen und u.a. den Biersommelier und einen Bierbraukurs absolviert.

Aus dem Hobby sollte mehr werden: Gemeinsam mit Bruder Rainer und mit Kathrin Erlebach kaufte er einen alten Bauernhof in ihrer Heimatgemeinde Schalladorf. Nach kraftraubender Überwindung von Widerständen seitens der Nachbarn und Behörden konnte vor rund einem Jahr endlich eröffnet werden. Die ambitionierten Hobbybrauer setzen nach Möglichkeit auf biologische Zutaten und haben bei ihren Kreationen stets Küche und Speisebegleitung im Hinterkopf, daher auch der passende Name »Brauküche 35«. Der Name stellt aber auch einen Bezug zum Ursprung der Brauversuche in der Küche her. Ihre unkonventionelle Kreation eines Mangalitza Milk Stouts passt daher auch sehr gut ins Bild.

Eine schweinische Kooperation

Auszug aus dem Sortiment

© Falstaff/Degen

Zusammen mit dem avantgardistischen Mangalitza Zuchtbetrieb Arche de Wiskentale entwickelten sie das »versauteste Bier der Welt« mit einem intensiv rauchigen, salzigen und dichten Geschmacksbild. Dabei wurden tatsächlich ganze geräucherte Sauschädeln mit Biohafer, Dinkel und Gerstenmalz eingebraut. Das Fett wurde laufend und sorgsam abgeschöpft und Milchzucker wurde hinzugefügt. Das Ergebnis ist ein verrücktes, extrem geschmacksintensives Bier. Etwas wonach gute Sommeliers immer suchen und womit sie bei der Getränkebegleitung überraschen können.

Angebot nach Saison

Aber auch das gemäßigte Programm der Brauküche 35 bietet Spannung und geschmackliche Vielfalt. Die Biere sind allesamt flaschenvergoren, was eine feine und wohltuende Kohlensäure bewirkt. Die Heferückstände befinden sich noch in den Flaschen, weshalb sie stehend gelagert werden sollten, damit sie sich am Flaschenboden absetzen. Das Hausbier ist ein sehr trinkfreudiges untergäriges Lagerbier nach dem Vorbild eines Münchner Hellen. Das Saisonbier ist mit belgischer Saisonhefe bewusst kräftig gebraut und passt ausgezeichnet zu Gemüse oder Fisch. Das Red Ale ist vollmundig malzig, erfrischender Citra-Hopfen sorgt für guten Trinkfluss. Das Angebot variiert je nach Saison und wird laufend durch Sonder-Editionen ergänzt. Im Gespräch mit Falstaff berichtet Jörg Gartler von seiner Zukunftsvision:

»Wir haben eigene Felder und möchten in Zukunft Hopfen und Braugerste selbst anbauen.«

www.braukueche35.at