Jahrgang 2021: Hagel, Sturm, Überschwemmungen

Ein komplett zerstörter Weingarten bei Mailberg

© Hagelversicherung

Ein komplett zerstörter Weingarten bei Mailberg

Ein komplett zerstörter Weingarten bei Mailberg

© Hagelversicherung

2021 hat sich im Weinbau bislang als Jahr erwiesen, das alle düsteren Klimawandel-Prognosen bewahrheitet hat: Es begann mit lokalem Spätfrost, ging in eine Dürre über und fand in schweren Unwettern mit Hagel, Sturm und Überschwemmungen einen vorläufigen Höhepunkt. In Österreich sind die Schäden schmerzhaft bis existenzbedrohend, aber dennoch kein Vergleich mit der Hochwasser-Katastrophe in Deutschland.

Der niederösterreichische Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann zog im Gespräch mit Falstaff Zwischenbilanz und erinnert sich mit Schrecken an den zerstörerischen Hagel vom 24. Juni. »Es gab noch nie ein so großflächiges Hagelereignis in Österreich, mit derart großen Hagelkörnern. Im nördlichen Weinviertel wurden rund 1000 Hektar Weingärten zerstört. Mehr als die Hälfte davon sind Totalausfälle!«

Die Österreichische Hagelversicherung bestätigt die Angaben von Zöchmann. Bis Anfang August ist durch Hagel, Sturm und Überschwemmungen ein Gesamtschaden von 110 Millionen Euro an allen landwirtschaftlichen Kulturen über alle Bundesländer hinweg entstanden. Dazu kommen Frostschäden in der Höhe von 35 Millionen und Dürreeinbußen in der Höhe von 70 Millionen Euro. »In Summe beträgt der Gesamtschaden in der Landwirtschaft aufgrund der genannten Risiken im heurigen Jahr bereits 215 Millionen Euro«, sagt Magdalena Hofer von der Hagelversicherung.

Kurt Weinberger, der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, sieht die Ursache für die Häufung dieser extremen Wetterereignisse eindeutig im Klimawandel.

Niederösterreich

Alle erinnern sich an den Tornado, der am 24.6. in Südmähren Häuser zerstörte und zahlreiche Todesopfer forderte. Zusammengebraut hatte sich die Naturgewalt im Bezirk Mistelbach von wo aus sie eine Spur der Verwüstung zog und schließlich in Tschechien unfassbare Zerstörungen anrichtete. Zurückgeblieben sind zerstörte Kulturflächen, so wie die erwähnten 1000 Hektar Weingärten.

Nur ein paar Tage später kam es in der Gegend von Furth, Palt und Krustetten zu extremen Starkregen, der enorme Erosionsschäden verursachte (siehe Fotos). Bis zu einem halben Meter Humus-Auflage wurde weggeschwemmt, berichtet Zöchmann. Lorenz Mayr, Vizepräsident der NÖ Landwirtschaftskammer bringt die Problematik auf den Punkt: »Ein Zentimeter Humusaufbau dauert 100 Jahre!«

Am 26. Juli kam es zu einem sehr lokalen aber umso zerstörerischen Hagelunwetter in Rossatz in der Wachau. Es folgten fast täglich Gewitter mit großen Niederschlagsmengen. Für die Weinbauern bedeutet das hohen Fäulnisdruck und viel Arbeit – durch gezieltes Laubwandmanagement müssen die Reben gut belüftet werden. Weinbaupräsident Reinhard Zöchmann zeigt sich dennoch zuversichtlich. Der späte Austrieb konnte durch warme Tage zum teil wettgemacht werden, der Behang ist grundsätzlich gut und wenn das Wetter mitspielt kann es eine durchschnittliche Ernte werden. Wenn es aber im Herbst viel regnet, kann es wieder in eine völlig andere Richtung ausschlagen.

Wien

Die Weingärten der Bundeshauptstadt sind im Vergleich mit Niederösterreich glimpflich davongekommen. Winzer Fritz Wieninger berichtet dennoch von heftigem Hagel Mitte Juli am Nussberg: »In den Rieden Rosengartl, Ulm und Unterer Weißleiten kam es zu massiven Schäden, die bis zu 75 Prozent Ausfall befürchten lassen.« Er selbst habe dort zwar auch Weingärten, diese waren aber durch Hagelnetze geschützt.

Insgesamt zeichnet Wieninger aber ein sehr positives Bild von den Wiener Weingärten. Die Reben seien bei bester Gesundheit, der verzögerte Austrieb sei so gut wie aufgeholt und auch die Mengen schauen »ordentlich« aus. Eine Bedrohung kommt für eine Weltstadt allerdings von unerwarteter Seite: Die Wildschäden sind dem Wiener Paradewinzer zufolge beträchtlich und besonders die streng geschützten Ziesel werden am Bisamberg zu einer echten Plage.

Burgenland

Das Weinjahr im Burgenland begann mit lokalem Spätfrost im Seewinkel und im Mittelburgenland. Der Austrieb war wie überall im Land sehr spät und wurde von einer sehr trockenen Phase abgelöst. Als das Weinviertel schon mit großen Niederschlagsmengen kämpfte, blieb es im Burgenland überwiegend trocken.

Der burgenländische Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld bedauert im Gespräch mit Falstaff das schwere Hagelunwetter, das Ende Juli im Mittelburgenland große Schäden verursachte. In den Gemeinden Neckenmarkt, Horitschon und Deutschkreutz wurden Weingärten fast komplett zerstört. Die betroffenen Winzer befürchten Ausfälle von bis zu 80 Prozent. Die Hagelversicherung schätzt den Schaden auf rund eine Million Euro. Am Leithaberg, im Bereich von Purbach und Breitenbrunn gab es auch Hagel, die Schäden sind aber vergleichsweise gering.

Generell sieht Liegenfeld den Zustand der Reben aber sehr positiv, die Wasserversorgung sei ideal, der Vegetationsrückstand so gut wie aufgeholt und die Wettervorhersagen sehr vielversprechend. Aus heutiger Sicht sei mit einem Erntebeginn Mitte September zu rechnen, was einem durchschnittlichen Jahr entspricht. 

Steiermark

Von Wetterkapriolen weitgehen verschont blieb bislang die Steiermark. Weinbaupräsident Stefan Potzinger berichtet von spätem Austrieb, der aber durchaus willkommen war. Im Moment sei man sieben bis zehn Tage später als im Vorjahr, was für eine schöne Ausreifung der Trauben durchaus erwünscht ist. Es gab kleinflächige Hagelunwetter, beispielsweise im Sausal oder im Vulkanland, aber in der Steiermark hat man schon weit Schlimmeres gesehen. Potzinger zeigt sich hinsichtlich Qualität und Menge sehr zuversichtlich und wünscht sich so wie alle seine Kollegen einen schönen und trockenen Herbst.

Situation in ganz Europa extrem schwierig

Frankreich und die Schweiz hatten ebenso mit verheerenden Unwettern und kaum bewältigbaren Niederschlagsmengen zu kämpfen. Der Fäulnisdruck ist enorm und trockene Bedingungen werden sehnlichst erhofft. Dazu kommen teils große Ausfälle durch Spätfrost. Die Situation in Deutschland ist seit dem Hochwasser über weite Strecken verheerend. Italien und Griechenland kämpfen mit Trockenheit, Temperaturrekorden und zuletzt auch mit Flächenbränden. Diese betreffen Weingärten nicht nur unmittelbar, sondern verursachen auch durch die massive Rauch-Entwicklung Beeinträchtigungen.