Interview mit Sommelier Jérôme Aké Béda

© Mark Henley | Panos Pictures | VISUM

© Mark Henley | Panos Pictures | VISUM

Jérôme Aké Béda ist berühmt im Waadtland, kaum einer hat mehr für den heimischen Wein getan als der von der Elfenbeinküste stammende Sommelier. Autodidaktisch hat er sein Handwerk gelernt, die Begeisterung und die Passion für die Traubensorte Chasselas muss ihm aber in die Wiege gelegt worden sein. Die »Auberge de l’Onde« im Lavaux gehört zu den Pflichtlokalen für einen Waadtlandreisenden. Eine wahre Pilgerstätte für Chasselasfans und für solche, die sich von der Rebe überzeugen lassen wollen.

FALSTAFF: Chasselas ist keine Sorte, in die man sich einfach verliebt, vielen sind Chasselas-Weine zu leicht. Was entgegnen Sie Gästen, die das auch so sehen?

Aké Béda: Ich habe viele Gäste, die ­beispielsweise einen Chardonnay bei mir bestellen. Die überrasche ich dann gerne mit einer Blinddegustation und schenke ihnen gereiften Chasselas ein. Dieser kann durchaus wie ein Meursault riechen oder auch wie ein Riesling. Chasselas ist subtil, aber ebenso vielfältig und für mich eine der besten Traubensorten der Welt.

Was macht Chasselas denn zu einem großen Wein?

Die größten Traubensorten der Welt zeigen die Umgebung, in der sie gewachsen sind, im fertigen Wein – Pinot noir etwa oder Chardonnay. Chasselas kann das auch, jedoch erst nach einigen Jahren der Reife.

Chasselas soll reif getrunken werden!?

Sie überraschen sicher viele gestandene Weintrinker mit solchen Aussagen. Das ist nun mal so. Chasselas braucht ein gutes Terroir, um sein volles Potenzial zeigen zu können, und der beste Ort der Welt für die Sorte ist vermutlich hier am Genfersee. Jung sind diese Weine dann natürlich sehr intensiv und der Alkohol im Jungstadium oft noch etwas störend. Nach zwei, drei Jahren der Reife aber zeigen sie ihr volles Aromenspektrum, erst dann sind sie richtig gut. Die besten Weine aus Spitzenjahren können viele Jahre im Keller reifen.

Gereifte Chasselas-Weine sind sehr schwer zu kriegen, oft sind nur die aktuellen Jahrgänge verfügbar. Gibt es da einen Trick?

Den gibt es leider nicht. Ich frage die Produzenten immer, ob sie noch gereifte Weine da haben. Die Antwort ist leider immer öfter nein, da ich nicht der Einzige bin, der fragt. Wer einen gereiften Chasselas trinken will, sollte also am besten ein Restaurant in unserer Region besuchen, das solche Weine anbietet.


Chasselas

Chasselas ist eine alte, weiße Traubensorte, die zur Weinproduktion, aber auch als Tafeltraube Verwendung findet. Die Sorte ergibt einen leichten, süffigen und vor allen Dingen frischen Weißwein mit eher neutralem Charakter. Bei besten Bedingungen und altem Rebbestand gerät Chasselas betont mineralisch und ausdrucksstark. In den letzen Jahren entdecken mehr und mehr Weinliebhaber die Vorzüge gereifter Chasselas-Weine. Die Sorte ist heute fast nur mehr in der französischen Schweiz und in Süddeutschland zu finden – im Waadtland als Chasselas betitelt, heißt sie im Wallis Fendant, im süddeutschen Markgräflerland ist sie als Gutedel bekannt. Der Westschweizer Stil sieht einen biologischen Säureabbau vor, was die Weine gegenüber ihren süddeutschen Pendants milder erscheinen lässt.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Spezial »Vaud«
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

Sicher versorgt mit dem Besten aus Österreich

Die Ereignisse der letzten Wochen haben es nachhaltig gezeigt: Die Versorgung des heimischen Handels und der Lebensmittelindustrie mit frischen,...

News

Hintermayer: »Kaufen Sie regionale Produkte.«

Die österreichischen Winzer sollten mehr denn je unterstützt werden, darauf plädiert der Besitzer der Gebietsvinothek »Weritas« im Talk. Zum Beispiel...

News

Chris Yorke: Der neue ÖWM-Chef im Interview

Seit Beginn dieses Jahres leitet der gebürtige Brite Chris Yorke, 55, die österreichische Weinvermarktungsgesellschaft ÖWM. Falstaff bat Chris Yorke...

News

Obauers & Liebherr: Aus Überzeugung

Interview: Die Brüder Obauer über Nachhaltigkeit in der Gastronomie und wie man mit innovativen Kühlgeräten von Liebherr verschiedenste Lebensmittel...

Advertorial
News

Interview: Typisch britisch?

Mode, Lifestyle, Haltung: Großbritannien hat auf vielen Gebieten eine weltweite Vorbildfunktion. Aber woher rührt diese Begeisterung für die...

News

Interview: »Ich wollte dem Ball seine Würde wiedergeben«

Dominique Meyer, der scheidende Direktor der Wiener Staatsoper, spricht im großen Interview mit Opernball-Organisatorin Maria Großbauer über seine...

News

Wo Spitzenköche essen gehen: Konstantin Filippou

Die Tische stets perfekt eingedeckt und ein Service, bei dem man sich immer willkommen fühlt: Der »Eckel« in Sievering ist für Konstantin Filippou das...

News

Runder Tisch: Genuss aus dem Wald

Österreichs fantastisch ­vielfältiger Wildbestand ist auch kulinarisch eine ­Offenbarung. Niemand weiß das besser als Josef Pröll, ...

News

Willi Klinger im Falstaff Talk

VIDEO: Willi Klinger zieht Resumée seiner Zeit als ÖWM-Chef. Ab Jänner 2020 ist er »Wein & Co«-Geschäftsführer. Falstaff traf ihn zum Talk.

News

Hans Peter Doskozil im Interview

Trotz seiner kurzen Amtszeit hat Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schon riesige Meilensteine für sein Land gesetzt. Geht es nach ihm, sollen noch...

News

Rudi Obauer: »Da passt alles!«

In der Serie »Wo Spitzengastronomen essen gehen« verrät der Salzburger Spitzenkoch, bei welcher Hütte er am liebsten einkehrt.

News

Georg Riedel: »Das Glas muss funktional sein«

Der wohl bedeutendste Glasmacher nennt im Falstaff-Interview eine einfache Formel fürs Auffinden der richtigen Glasgröße – und verrät, welche Weine er...

News

Star-Architekt Matteo Thun im Interview

Der italienische Architekt und Designer hat die neue »Bar Campari« in Wien gestaltet. Im Gespräch mit Falstaff spricht er über seine Beziehung zu Wien...

News

Die Zukunft des Weinglases

Falstaff hat Maximilian Riedel, CEO des gleichnamigen Glasherstellers, auf dem Weingut Gaja im Piemont getroffen und mit ihm über die Zukunft des...

News

Fitness im »The Ritz-Carlton, Vienna«: Ring frei!

Boxen ist längst mehr als Selbstverteidigung. Deshalb hat der »Gentlemens Private Boxing Club« von Box-Staatsmeister Reza Tamasebi seine Pforten im...

News

Filmtipp: »Bier!« von Friedrich Moser

Der Regisseur und Bier-Liebhaber war auf der Suche nach einem Standard-Filmwerk über den Gerstensaft. Am 30. August kommt »Bier! Der beste Film, der...

News

Daniel Spoerri über Kuttelwurst und Schoko-Bienen

Im Tischgespräch erzählt der schweizer Künstler über ausgefallene Spezialitäten und erklärt, warum er nicht immer Drei-Sterne-Küche essen will.

News

»Man fühlt sich wie in einem Retreat-Hotel«

Christian Zandonella, General Manager des »The Ritz-Carlton, Vienna«, über Ringstraßenhotels und die Eigenheiten der Gäste aus verschiedensten...

News

Maximilian Riedel denkt an ein eigenes Weingut

Interview mit dem Chef der Glas-Dynastie: über ein neues Zweigelt-Glas, Wein aus Schweden und dem Himalaya sowie neue Konkurrenz für die Weinwelt.

News

Front office Managerin Simone Krimbacher im Gespräch

Die Tirolerin kümmert sich in ihrem Job um das Wohl der Gäste. Im Interview spricht sie über Herausforderungen und warum sie ihren Job liebt.