Karsten Ranitzsch
Karsten Ranitzsch / Foto: Falstaff, Degen

Falstaff: Wie wichtig sind für Sie Ökologie und Nachhaltigkeit als Entscheidungskriterien beim Einkauf von Kaffeebohnen?

Karsten Ranitzsch: Sehr wichtig. Wir haben mit dem »Nespresso AAA sustainable Quality Program« ein ausgeklügeltes Qualitätsmanagement für nachhaltige Entwicklung erschaffen. Kaffeefarmer, die hervorragende Spitzenkaffees produzieren, können von ihrem Engagement für Qualität auch hinsichtlich der Verbesserung ihrer Lebensumstände profitieren. Es sind bereits 34.000 Kaffeebauern in diesem Programm erfasst, womit wir bereits mehr als 50 Prozent des Kaffees abdecken können. Mittelfristiges Ziel sind 80 Prozent. Wir kooperieren zudem mit der NGO »Rainforest Alliance«, die die Entwicklung in Harmonie mit den Regenwäldern überwacht.

Wie überprüfen Sie Ihre Lieferanten einerseits hinsichtlich Einhaltung der Qualitätsrichtlinien und andererseits im Hinblick auf faire Arbeitsbedingungen für deren Arbeiter?

Die erste Auswahl zielt auf die Qualität ab und erfolgt durch Verkostungen und Kontrolle der Muster. Es werden nur solche Partner geholt, die auch überschaubar und somit kontrollierbar sind. Für die Kaffeebauern selbst gibt es laufend Workshops und Self Assessment. Die Arbeitsbedingungen kontrolliert zudem die »Rainforest Alliance«.

In welchem der vielen Länder, in die Sie bislang auf der Suche nach Rohkaffee gereist sind, würden Sie privat am liebsten Urlaub machen?

Ich habe das Glück, in viele atemberaubend schöne Länder reisen zu können. Und noch dazu in Regionen, die man als Tourist nicht sieht. Allerdings habe ich kleine Kinder, mit denen Fernreisen noch nicht so gut möglich sind.

Sie betreiben einen enormen Aufwand, um großartige Kaffees anbieten zu können. Was kann passieren, dass es beim Konsumenten doch nicht so schmeckt, wie das idealerweise der Fall sein sollte? Welche Rolle spielt die Wasserqualität beim Endverbraucher? Verlieren die Kapseln bei langer Lagerung an Aromen?

Wir kreieren die Kaffees so, dass sich der Geschmack mit der empfohlenen (Wasser-)Dosierung am besten entfalten kann. Aber wir wollen niemandem vorschreiben, wie er seinen Kaffee machen soll, die Geschmäcker sind verschieden. Natürlich spielt auch die Wasserqualität eine Rolle, besonders der Mineralgehalt. Deshalb ist jeder gut beraten, verschiedene Sorten mit seinem Wasser zu probieren, um einen Favoriten zu finden.

Wir Wiener sind sehr stolz auf unsere jahrhundertealte Kaffeehauskultur. Jedes Kaffeehaus verwendete früher eigene Kaffeemischungen, die auf Wunsch auch abgeändert wurden. In vielen Kaffeehäusern waren bestimmte Mischungen und/oder Zubereitungsarten von einzelnen Stammgästen so populär, dass sie sich etabliert haben und den Namen vom Gast bekamen. (Maier-Kaffee, Müller-Kaffee, etc.). Wäre es für Sie in Zukunft denkbar, dass sich der Nespresso-Konsument ab einer gewissen Bestellmenge im Internet selbst eine Mischung zusammenstellen kann?

Unsere Kaffees sind sehr komplex zusammengestellt, die Entwicklung endet nicht bei der Mischung, sondern beinhaltet beispielsweise auch unterschiedliche Alu-Membrane. Die Kreation von Grand Crus stützt sich auf 25 Jahre Spezialisten-Know-how, washalb es schwer ist, den Konsumenten am Blenden teilhaben zu lassen.

(Interview geführt von Bernhard Degen)