Josef Nolz und Rudi Hofmann bei der Feldforschung mit ihrem Lieblingswerkzeug
Josef Nolz und Rudi Hofmann bei der Feldforschung mit ihrem Lieblingswerkzeug © Falstaff/Degen

Wenn Sie durch die Weingärten des Traisentals spazieren, dann kann es passieren, dass Sie auf eigenartig anmutende Personen treffen, die mit einer Schaufel bewaffnet die Böden inspizieren. Passen Sie außerdem auf, dass Sie in kein Loch fallen, denn im Traisental wird im Moment viel gegraben. Sogar Bagger kommen zum Einsatz, um bis zu vier Meter tiefe Bodenprofile zu erstellen. Es handelt sich aber nicht um Geologen oder Schatzsucher, sondern um engagierte Winzer, die sich dafür interessieren, wie sich die Bewirtschaftung ihrer Weingärten auf das Bodenleben auswirkt. Es wird analysiert, wie tief die Wurzeln von Grünpflanzen reichen, wie tief die Regenwürmer graben und wie kompakt die Erde ist. 22 Winzer haben eine Arbeitsgruppe gegründet, um herauszufinden wie sich der Weinbau auf veränderte Klimabedingungen und geringere Treibhausgas-Emissionen einstellen kann. Das Projekt wurde »Sustainable Wingrowing Traisental« (SWT) getauft und hat eine enorme Eigendynamik bekommen.

Interdisziplinäre Forschung
Winzer wie Rudi Hofmann aus Traismauer stellen Flächen für Versuche mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) zur Verfügung und fachsimpeln mit Professoren und Experten über gemeinsam gewonnene Erkenntnisse. Die Winzer überbieten sich mit der Erstellung von Studien und der Präsentation von gewonnenen Erkenntnissen. Jeder Winzer hat sein persönliches Nachhaltigkeitskonzept erstellt, evaluiert jährlich die Wirksamkeit der Maßnahmen und teilt seine Erfahrungen mit der Gruppe. Neben der BOKU arbeiten die Winzer mit dem Bundesamt für Weinbau Klosterneuburg und dem Sustainable Europe Research Institute zusammen. Die Anstrengungen fokussieren sich auf die Traubenproduktion, auf die ein Viertel der Emissionen entfällt und die von den Weinbauern direkt beeinflusst werden kann.

Sonnenblumen, Klee und Kräuter in der Gründüngung @ Falstaff/Degen
Sonnenblumen, Klee und Kräuter in der Gründüngung @ Falstaff/Degen



Lokalaugenschein am Fuchsenrand
Wir treffen die Winzer Rudi Hofmann und Josef Nolz, die uns das Projekt direkt in ihren Weingärten näher bringen wollen. Hofmann stapft mit einer geschulterten Schaufel durch kniehohes Dickicht aus Sonnenblumen, Klee und verschiedenen Kräutern zwischen den Rebzeilen voran und unter uns summt, kreucht und fleucht es. Er hält inne und gräbt sein erstes Loch. Es handelt sich um einen neu erworbenen Weingarten, der durch jahrzehntelange Bewirtschaftung mit extensivem Düngen und dem Einsatz von Herbiziden und Funigziden nur noch künstlich am Leben gehalten werden konnte. »Der is nur noch am Tropf ghängt« bemüht Hofmann einen Vergleich mit »Intensiv-Patienten«. Ziel seiner Arbeit ist es, gesunde Weingärten zu bekommen, die sich weitgehend selbst regulieren können und keine »künstlichen Hydrokulturen«. Hofmann zeigt uns, dass die Wurzeln der eingesäten Pflanzen nur knappe 20 cm tief reichen, dann stoßen sie auf leblosen und verdichteten Boden. Um diesen aufzubrechen setzt er einen ausgeklügelten Mix aus Gräsern, Blumen und Kräutern ein, die kräftig und tief wurzeln sollen. Durch die Einsaat wird auch die Vielfalt an Nützlingen erhöht, die wiederum den Einsatz von Fungiziden entbehrlich werden lässt.

Back to the roots
Winzer- und Forschungskollege Josef Nolz berichtet von Rebstöcken, die viel zu stark gedüngt wurden und deren Wurzeln nicht einmal einen halben Meter tief reichten. Künstliche Nährstoffe wären genug vorhanden gewesen, aber sobald es trocken wurde zeigten die »Flachwurzler« sofort Stresserscheinungen, mangelhaften Ertrag und waren krankheitsanfälliger. Ziel ist es nun, dass die Reben tief wurzeln müssen und dadurch Trockenperioden unbeschadet überstehen und zudem g'schmackige Mineralität aus dem Boden ziehen. Die Winzer haben gelernt, dass mechanische Bodenbearbeitung nicht nur dem Nützlingsbestand massiv geschadet hat, sondern dass auch die CO2-Emission stark angestiegen ist. Gemeinsam haben sie nun neue Saattechniken entwickelt, die eine Direktsaat ohne tiefe Bodenbearbeitung möglich machen. Sämtliche anfallende betriebliche Biomasse wird einzeln oder gemeinschaftlich aufbereitet und fließt zur Gänze wieder in den betrieblichen Kohlenstoffkreislauf ein. Experten empfehlen eine »Pyrolysierung« des Rebholzes: Mittels Drehrohröfen wird fast ohne Sauerstoff verbrannt, das Material glost nur und der Rückstand kann wieder in die Weingärten eingebracht werden. Durch diese Kohlenstoffanreicherung im Boden (»Terra Preta«) erzielt man positive Effekte auf Bodenstruktur, Bodenleben, Wasserhaltekraft und Humusfixierung. Beim Projekt »BIO-Char Fuchsenrand« wird auf 16 verschiedenen Testflächen mit unterschiedlich viel Kohle und variabel eingesetztem Dünger experimentiert, um eine ideale Dosierung herauszufinden.

Rudi Hofmann mit dem Terra Preta-Projekt © Falstaff/Degen
Rudi Hofmann mit dem Terra Preta-Projekt © Falstaff/Degen


Rudi Hofmann zeigt die Kohle, die in die Erde eingebracht wurde

Ziel aller Bemühungen ist eine klimaneutrale CO2-Bilanz für die einzelnen Weingüter und das Aufbauen von gesunden und widerstandskräftigen Weingärten. Anfangs skeptische Winzer wurden durch erste Erfolge ihrer Kollegen zumindest neugierig und interessieren sich mittlerweile auch für die nachhaltigen Maßnahmen. Ob der Wein dann auch besser schmeckt ist selbst unter SWT-Mitgliedern umstritten, aber allesamt haben mehr Freude am Arbeiten in den gesunden Weingärten. Und warum sollte man das eigentlich nicht schmecken?

www.traisentalerwein.at

(von Bernhard Degen)

Mehr zum Thema

News

Weinguide 2018/2019: Top 100 Weine Österreichs

Im neuen Weinguide werden herausragende Weißweine 2017 und tolle rote Reserven 2015 präsentiert. PLUS: Top 10 Riesling, Grüner Veltliner,...

News

Penfolds steigt im Napa Valley ein

Penfolds wird ab der Ernte 2018 Trauben im Napa Valley verarbeiten, um kalifornische Weine unter diesem Markennamen zu produzieren.

News

Gewinnspiel: Champagner & Kaviar zur Festspielzeit

Perfect Match: Perrier-Jouët Champagner trifft Kaviar in der Salzburger Herbert’s Bar – wir verlosen ein Package für Zwei!

Advertorial
News

Falstaff on Tour: der neue Ford Ranger im Weinberg-Test

Über (Wein)Stock und Stein: Falstaff hat den neuen Ford Ranger gemeinsam mit Matthias Pitra und Steve Breitzke vom »MAST Weinbistro« getestet. Die...

Advertorial
News

»Civediamo«: Neue Aperitivo-Bar in Wien

Unternehmerin Stella Biehal eröffnete in der Wiener Innenstadt die italienische Schaumweinhandlung und Aperitivo-Bar »Civediamo«.

News

Die besten Sommerweine 2018

Laue Nächte, blaue Stunden. Sommerliche Temperaturen verlangen nach erfrischenden Weinen für Poolside und Terrasse. Falstaff hat die besten für Sie...

News

Winzer des Jahres 2018: Philipp Grassl im Portrait

Philipp Grassl aus Carnuntum erzeugt stoffige, langlebige Rotweine und finessenreiche Weiße aus besten Lagen, beispielsweise Bärnreiser und...

News

See-Lage: Weine aus europäischen Seen-Regionen

An den europäischen Seen lässt es sich nicht nur entspannt Urlaub machen. Sie bringen auch zauberhafte Weine hervor. Wir stellen einige dieser...

News

Bordeaux Subskription 2017 auf finewineshop.com

Ein Jahrgang der den Winzern viel abverlangt hat und vor allem für seine teilweise verheerenden Frühjahrsfröste bekannt ist.

Advertorial
News

20 Jahre Domaine de Baronarques

Philippe Sereys de Rothschild freut sich, mit dem Jubiläum seines Weingutes die neue Fasshalle einweihen zu können.

News

Falstaff Selektion: Exklusive Weinpakete bestellen!

Proseccogenuss auf höchstem Niveau: Mit der Falstaff-Selektion erhalten Sie die besten Weine ­bequem nach Hause geliefert. Mit Preisvorteil für...

News

Falstaff Weinguide 2018/2019: Die besten Weingüter

Im Standardwerk für Wein finden Sie über 3600 Weine aus Österreich mit Beschreibungen und Bewertungen. Mit dem Weingut Anita und Hans Nittnaus gibt es...

News

Kampaniens Geschichten: Campania Stories 2018

Unter dem Motto »Campania Stories« gab es vor kurzem in Kampanien viele Geschichten und viele autochthone Rebsorten zu hören und zu verkosten.

News

Drei neue DAC-Gebiete in der Steiermark

Mit dem neuen Herkunftssystem werden Südsteiermark DAC, Vulkanland Steiermark DAC und Weststeiermark DAC etabliert.

News

Vino Gross: Grenzgänger mit Tiefgang

Die Winzerfamilie Gross vinifiziert sowohl in der Südsteiermark als auch in Slowenien Spitzen-Weine mit besonderem Charakter.

Advertorial
News

100 Falstaff-Punkte für Batonnage

Als das Falstaff-Magazin erstmals für einen österreichischen Rotwein die 100 Punkten vergab, war dieses Faktum sogar den nationalen Großmedien von ORF...

News

Riviera-Weine: Ein wohlgehütetes Geheimnis

Wer an die Côte d’Azur denkt, denkt an Pastis und Rosé aus der Provence. Doch unweit der Riviera wachsen auch ausgezeichnete Weißweine.

News

Hermann Hammer 1952 – 2018

Der bekannte Ruster Winzer Hermann Hammer ist im 66. Lebensjahr überraschend verstorben.

News

Der Collio ist tot, es lebe der Collio

In Görz stellten sich Ende Mai jene großen Weißweine dem Publikum vor, die in den 1990er Jahren das Friaul in der Welt bekannt gemacht haben. Wie...

News

Weingut Christ räumt beim Wiener Weinpreis ab

Mit gleich fünf Landessiegern sorgte der Jedlersdorfer Spitzenwinzer Rainer Christ für eine kleine Sensation. Alle Kategoriesieger der...