Imker bezahlt Bauern für giftfreie Felder

Ohne Pestizide kehrt die Artenvielfalt zurück.

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Ohne Pestizide kehrt die Artenvielfalt zurück.

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Es gibt kaum noch landwirtschaftlich genutzte Flächen, die ohne Pestizide bewirtschaftet werden. So war das auch in Krumau am Kamp im Waldviertel. Bis Dr. Ernst Brandl vor zehn Jahren mit einer unkonventionellen Idee in die 750 Einwohner Gemeinde kam.

Brandl bezahlt die Bauern dafür, dass sie in der unmittelbaren Umgebung seines Bienenhauses keine Pflanzenschutzmittel verwenden, sondern Pflanzen verwenden, die ohne Pestizide gedeihen, zum Beispiel Futtermittel. Die schmecken nicht nur den Bienen. Auch der Geschmack des »Mielo« Honigs ist so vielfältig wie die Felder es jetzt wieder sind.

Die Skepsis der Bauern war groß.

»Der hat ja einen Vogel«, war die erste Reaktion im Ort. Der Erfolg gibt dem Imker aber Recht. 100 Hektar landwirtschaftliche Fläche sind heute in Krumau am Kamp sowie am Schweizerhof in Traismauer pestizidfrei. Das entspricht einer Fläche von 140 Fußballfeldern. Auf diesen produzieren 90 Völker bis zu 5 Tonnen Honig im Jahr. Diesen vertreibt der naturbewusste Imker über seine Homepage und vor allem an größere Unternehmen, die das Projekt unterstützen. Denn im Supermarkt hätte sein Honig wenig Chancen, er ist gut viermal so teuer wie herkömmlicher. Wer ihn kauft, trägt aber ein Stück weit zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. »Aber keine Sorge: ich mache keinen nennenswerten Gewinn mit dem Projekt; alles wird wieder reinvestiert«, sagt Brandl.

Als die Tiere das Waldviertel verließen

Selten gewordene Insekten und Tiere, die sich von Insekten ernähren, werden in Krumau nach jahrzehntelangem Exil wieder gesichtet. Auch in Traismauer im Tullnerfeld, wo Brandl seit zwei Jahren ebenfalls um den Erhalt der Arten kämpft. Fasane, Rebhühner und Igel finden so wieder in ihre neue, alte Heimat zurück.

Bienen lieben Natur-Oasen

Bienen haben einen Flugradius von zwei Kilometern. Allerdings fliegen sie nicht weiter, als sie unbedingt müssen. Finden sie genügend Blüten in der unmittelbaren Umgebung, kehren sie zum Stock zurück. Brandl achtet daher darauf, dass die verschiedenen Wiesen und Felder zu unterschiedlichen Zeiten blühen und so den Bienen ständig Nahrung auf unbelasteten Feldern angeboten werden kann.

Geschleudert wird dann zum ersten Mal nach der Obstblüte Ende Mai bzw Anfang Juni, das zweite Mal Ende Juli bzw Anfang August. Jeder Honig von »Mielo« schmeckt daher anders, weil die Bienen je nach Jahreszeit und Umgebung andere Pflanzen anfliegen. Die Abfüllung beginnt im Herbst.

Die Energie für den gesamten Hof und die Honig-Produktion gewinnt Mielo-Imker Ernst Brandl mithilfe der hauseigenen Solaranlage, den überschüssigen Strom speist er ins öffentliche Netz.

Für den Rest seines Lebens will Dr. Brandl Imker bleiben: »Ich habe 30 Jahre lang gestritten, jetzt will ich Bewusstsein schaffen. Ich habe keinen missionarischen Eifer. Aber wenn jemand meinem Beispiel folgt, dann bitte gerne.«

mielo.eu

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