Im Takt des Meeres

Von katalanischen Klassikern bis zu modernen Neuinterpretationen, von Cava bis Wermut – an Barcelona führt für Genussmenschen kein Weg vorbei.

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Von katalanischen Klassikern bis zu modernen Neuinterpretationen, von Cava bis Wermut – an Barcelona führt für Genussmenschen kein Weg vorbei.

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http://www.falstaff.at/nd/im-takt-des-meeres/ Im Takt des Meeres Beim Essen und Trinken folgt Barcelona einem deutlichen Rhythmus, und wer wie die Locals mitnaschen will, muss Taktgefühl beweisen. Vom Kaffee am Morgen über die Häppchen-Schnitzeljagd am Vorabend bis hin zum letzten Glas Cava: Alles hat seine Zeit. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/0/6/csm_shutterstock_1293436015_c_VTT-Studio_Shutterstock_ee69cb406a.jpg

Spaniens »Second City« erfreut sich einer unablässigen Beliebtheit: Auf jeden der rund 1,6 Millionen Einwohner kommen pro Jahr etwa 20 Touristen. Neben der zugänglichen Kultur, der Lage am Meer und dem warmen Klima macht auch die vielseitige Küche den Reiz von ­Barcelona aus. Wer sich die Mühe macht, authentische Lokale abseits der Besucherströme aufzustöbern, wird mit Klassikern und modernen Interpretationen der ­katalanischen ­Küche belohnt. Unter dem Schlagwort »mar i ­muntanya« kombiniert diese Fisch und Schalentiere aus dem Meer mit Fleisch aus dem bergigen Hinterland. So können beispielsweise Muscheln, Krebse, Hühner­schenkel und Schweinerippchen zusammen im gleichen Topf landen und zu einer aromatischen Paella werden. Dieses beliebte Reisgericht kocht beispielsweise Joan Escribà im Strandrestaurant »Xiringuito Escribà« – eine herrliche Option zu Mittag.

Sonne, Strand und Siesta: Barcelona verspricht mediterranes Urlaubsfeeling in urbaner Umgebung. Die Platja de la Barceloneta ist einer der beliebtesten Strände der Stadt.

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Das (leichte) Abendessen beginnt für die Spanier bekanntlich erst gegen 21 Uhr. Die Zeit zwischen Mittagessen und ­Dinner wird mit Tapas überbrückt. Sich in einer Tapasbar satt zu essen, widerspricht jedoch dem Brauch vieler Einheimischer: Vielmehr sollte man am frühen Abend eine spanische Version des »Pub-Crawls« machen, also von Bar zu Bar ziehen und sich jeweils nur ein, zwei Häppchen aussuchen. Deswegen sind auch jene Tapaslokale die authentischsten, die nur eine ­Handvoll Gerichte auf der Tageskarte haben. Ein Paradebeispiel dafür ist »La Plata«, eine kleine Eck­kneipe in der Altstadt, die seit fast 80 Jahren im Besitz der gleichen Gastgeberfamilie ist. Natürlich spricht nichts gegen die Vertreter der Gegenbewegung, die Buffets, die Dutzende Sorten auftischen. Beispiels­weise schätzen so viele Genießer die große Auswahl in der »Bar del Pla«, dass man dort reservieren sollte. Doch durch mäßigen Genuss und die ständige Bewegung durch Barcelonas Gassen ist nach der ­Tapasrunde noch – oder ­wieder – Appetit für das ­Abendessen.

Der nächste Tag kann auf zwei ­Arten begonnen werden. Entweder greift man zu einem Milchkaffee und isst dazu ein süßes Gebäck, oder man isst sich an einem herzhaften warmen »Gabel­frühstück« (esmorzar de forquilla) satt. Traditionell stärken sich Verkäufer an Marktständen und andere Arbeiter mit gehaltvollen Gerichten wie Bohneneintopf, Schweineohren und Spiegeleiern für ihre körperlich anstrengenden Tätigkeiten.

Und wer die Highlights von Barcelona sehen möchte, hat ja auch einen anstrengenden Tag vor sich: Allein vom charmanten gotischen Viertel über die Markthalle »Boqueria« und die berühmte Casa Batlló nach einem Entwurf von Antoni Gaudí bis zur legendären Sagrada Família sind es vier Kilometer Fußweg. Unterwegs liefern süße Spezialitäten Energie, etwa Churros oder eine herrlich erfrischende Mandelmilch (horchata de chufa). Der Nachmittagssnack hat natürlich auch einen Namen: merienda. Immer wieder Pause machen, immer wieder kosten und dabei schon die nächste Mahlzeit planen: So bleibt man in Barcelona im ­kulinarischen Rhythmus.

Angesagt: die auf Low-Intervention-Weine spezialisierte »Bar Brutal«.

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Wein-Welten

Barcelona ist eine durchweg kosmopolitische Weinstadt. Müde wird man hier niemals, denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Die Bandbreite reicht von Lokalen und Läden mit ausgefallenen Weinsortimenten bis hin zu überaus traditionellen. Barcelona ist aber auch ein bedeutender Weinmarkt, weshalb man hier eine große Vielfalt an spanischen Spitzenweinen findet – dies zu durchaus fairen und moderaten Preisen. Weinliebhaber sollten auf jeden Fall dem »Món vínic« einen Besuch abstatten. Eine legendäre Weinbar, die -gleichzeitig Weinhandlung, Tapasbar und Käse-laden ist. Auf der Karte finden sich rund 2600 -Spitzenweine aus der ganzen Welt.

Das Essen ist herausragend, -genauso wie die Auswahl an handwerklich produzierten lokalen und internationalen ­Käsen. Auch im »Quimet & Quimet«, einer 1914 gegründeten, familiengeführten Bar, kann sich die Weinauswahl sehen ­lassen. Die mehr als 500 Positionen, die hier angeboten werden, sind unter anderem an den Wänden der Bar zu bestaunen. Zudem gibt es eine große Auswahl an Konserven, die kaum Wünsche offen lässt. Erst im Jahr 2015 wurde die »­Matos Bar de Vins & Enoteca« im Stadtteil Sant ­Gervasi eröffnet. Die Weine werden hier zum Ladenpreis plus einem geringen Korkgeld angeboten. Ein Konzept, das legendäre Weine wie Château d’Yquem oder Clos Mogador in gereifter Form überaus erschwinglich macht.

Barcelona verfügt zudem über eine große Anzahl an Lokalen, die natürlich produzierte Weine in den Fokus stellen. Pionier in diesem Bereich ist zweifelsohne die »Bar Brutal«, die im Jahr 2013 von den italienischstämmigen Brüdern Max und Stefano Colombo ins Leben gerufen wurde. Die Auswahl an hochwertigen Weinen hier ist riesig, das produktbasierte Essen fein und die Stimmung angenehm international und entspannt. Barcelona ist gleichzeitig die Hauptstadt des Cava. Der prickelnde Schaumwein ist hier allgegenwärtig. Verwunderlich ist das nicht, denn die Weinregion Penedès, aus der rund 90 Prozent der Cava-Produktion stammen, liegt in unmittelbarer Nähe der Stadt. Hier finden sich diverse spannende Cava-Produzenten, von bekannten Gassenhauern bis hin zu kleineren Produzenten. Nur eine Stunde mit dem Auto von der Stadt entfernt liegt etwa das Cava-Haus Raventós í Blanc, das seit vielen Jahren biodynamisch arbeitet und eine lange Tradition besitzt.


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 07/2022
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