Im Rhythmus der Zeit

Uhrenexperte Alexander Linz stellt die neuestem Trends aus der Uhrenbranche vor. 

© Falstaff

Uhrenexperte Alexander Linz stellt die neuestem Trends aus der Uhrenbranche vor. 

© Falstaff

Die Zeiten ostentativen Luxus sind vorbei. Zumindest in Sachen Uhren tickt die Branche wieder anders. Mehr denn je zählen innere Werte, die Geschichte des Unternehmens und Emotionen. Luxus will aktiv erlebt und genossen werden, man will ein Teil des Ganzen sein. Wenn man schon Geld für etwas ausgibt, das man eigentlich nicht benötigt, dann soll es viel Freude bereiten. Mit der richtigen Uhr am Handgelenk transportiert man ja auch eine Botschaft. Der Blick aufs Handgelenk verrät nämlich mehr als man glaubt. In den letzten Jahren haben insbesondere jene Hersteller zugelegt, die glaubwürdige Arbeit gemacht und entsprechende Produkte präsentiert haben. Das wiederum subsumiert, dass es einigen in der Branche gar nicht gut geht. So überheblich das nun auch klingen mag: selber schuld! Wer nach so vielen eindeutigen Hinweisen die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, nicht schon längst im Rhythmus der Zeit tickt, dem kann nicht mehr geholfen werden. Die letzten Möglichkeiten, viel Lärm um nichts zu verkaufen, sind längst vorbei.

Wurzelforschung

Der Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) im Jänner hat einmal öfter gezeigt, wohin die Reise geht. So wie es die Kundschaft verlangt, liefern die Hersteller emotional aufgeladene Zeitmesser, gefertigt in einer tadellosen Qualität zu einem vernünftigen Preis. Letzterer muss nicht zwangsweise günstig sein, soll aber dem Produkt entsprechen. In Sachen Design zeigt sich verstärkt, dass man sich gerne auf Bewährtes konzentriert. So punkten zunehmend Zeitmesser, die so aussehen wie jene von früher, dabei aber dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. In der neuen Zeitrechnung der Branche nach der Quarzkrise – dem Beinahe-Aus der Schweizer Uhrenindustrie – der 1970er- und frühen 1980er-Jahre haben sich nur ganz wenige neue Designs als gut und haltbar herauskristallisiert. Die heute mehrheitlich erfolgreichen Uhren haben ihre Wurzeln vor oder in der gerade angesprochenen Zeit. Das Design war und ist gut, und die Geschichten zu den einzelnen Modellen lassen sich immer und immer wieder erzählen. 

Ja, es war damals einfach eine aufregende Epoche, eine Zeit des Aufbruchs und Tatendrangs! Neue Namen in der Branche, von einigen wenigen einmal abgesehen, tun sich bis heute schwer, sich gegen die Arrivierten durchzusetzen, denn selbst Millennials zieht es zu den tickenden Helden von anno dazumal. Zu Beginn ist es meist der gute Name oder der Einfluss des Elternhauses, aber schon bald, wenn die Lust auf mehr Individualität am Handgelenk wächst, punkten stets die üblichen Verdächtigen.

Neu Auf dem Markt

Die auf diesen Seiten vorgestellten Uhren wurden am SIHH in Genf im Jänner präsentiert und kommen in den nächsten Wochen in den Fachhandel. A. Lange & Söhne bildet heute mit Patek Philippe die Speerspitze der Branche. 

Die 1845 gegründete deutsche Uhrenmanufaktur baut weit weniger Uhren (ca. 6000 im Jahr) als ihr Schweizer Pendant (ca. 56.000), deshalb interessieren sich immer mehr hochkarätige Sammler für die in Glashütte in Sachsen gefertigten Edelzeitmesser. Der »Triple Split« war definitiv einer der Stars in Genf. Ist diese Stoppuhr einmal gestartet, kann man mittels dreier unterschiedlicher Anzeigen am Zifferblatt in einem Zeitraum von zwölf Stunden beliebig oft Zwischenzeiten für ein Ereignis ablesen und notieren. Drei unabhängig anhaltbare, zweite Chronografenzeiger (blau ausgeführt) machen dies möglich, während der eigentliche Messvorgang dadurch weder beeinflusst noch unterbrochen wird. Ein einfacher Schleppzeiger-Chronograf ermöglicht das Ablesen von Zwischenzeiten jeweils nur innerhalb von einer Minute. Der »Triple Split« in seinem 43,2 mm großen Weißgoldgehäuse ist auf 100 Stück limitiert. Das sind ob der großen Nachfrage leider viel zu wenige Uhren.
Die 1791 gegründete Uhrenmarke Girard-Perregaux erweitert ihre Kollektion »Laureato« um einen Chronografen, ausgestattet mit hauseigenem Uhrwerk. Die sportlich-elegante Kollektion fristete zuletzt eher ein Nischendasein. Neo-CEO Antonio Calce korrigierte dies im Jahre 2016 zum 225-jährigen Jubiläum aus gutem Grund und stellt die ursprünglich 1975 erstmals eingeführte Stahl-Sportuhr wieder ins Rampenlicht.

Freudiges Wiedersehen

Zum 25. Geburtstag der ­»Royal Oak Offshore« von Audemars Piguet kommt eine Replik des allerersten Modells von 1993 (der Referenz »25721ST«) wieder auf den Markt. Alles so wie damals, nur technisch besser – so lautet das Motto. Die »Royal Oak Offshore« hat übrigens nicht Gérald Genta entworfen und gezeichnet, sondern ein damals 22 Jahre junger Designer namens Emmanuel Gueit. Dieser 42 mm große und 15 mm hohe, mit Testosteron vollgepumpte Stahlchronograf, bei dem auch sichtbar »billiger« Gummi zum Einsatz kam und kommt, war damals eine unglaubliche Provokation. »Ein Anschlag auf den guten Geschmack«, wie manche monierten. Heute ist das längst eine Kult-Uhr, deren Berechtigung niemand mehr zu hinterfragen wagt. Cartier präsentiert seine neue »Santos de Cartier«. Und die ist wirklich gelungen – Chapeau! Zwölf verschiedene Modelle in zwei Größen in Stahl/Stahl-Gold/Gold und insgesamt 24 Aus­führungen stehen zur Wahl.
Möglich macht diese Vielfalt das smarte
Bandwechselsystem »QuickSwitch«. Ohne Zu­hilfe­nahme von jeglichem Werkzeug kann man zwischen zahlreichen Uhrbändern in farbenfroher
Auswahl wechseln.

Jubiläumsuhr

Zum 150. Firmenjubiläum packt IWC einen alten Mechanismus wieder aus. Bereits im Jahre 1884 entwarfen die Schaffhausener für eine Taschenuhr einen Mechanismus, der die Zeit digital anzeigte. Als Tribut an diesen Meilenstein des Unternehmens findet sich diese Technik, natürlich auf den neuesten Stand gebracht, in der strikt limitierten »Tribute to Pallweber Edition 150 Years« wieder, die in Stahl-, Rotgold- und Platinausführungen angeboten wird. Und: Wer hätte das je gedacht? Panerai buhlt um den begehrten Platz am Handgelenk der Damen. Die Oversized-Macho-Marke meint es mit der »Luminor Due 3 Days Automatic Oro Rosso – 38 mm« ernst. Die ebenso in weiteren schmucken Ausführungen erhältliche 38-mm-Uhr ist nach wie vor zu 100 Prozent eine Panerai, nur eben jetzt passend für das zarte Damenhandgelenk.

Alexander Linz

Der renommierte Uhrenfachjournalist und Autor schreibt in LIVING über aktuelle Zeitgeistströmungen auf dem Uhrensektor.
Der renommierte Uhrenfachjournalist und Autor schreibt in LIVING über aktuelle Zeitgeistströmungen auf dem Uhrensektor.

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