Setzen wir das nötige »Spielgeld« einmal nonchalant voraus. Man darf so richtig aus dem Vollen schöpfen. Auch das passende Ziel dafür wäre schnell gefunden: Ein Wein solle entstehen, der im Konzert der großen Weine dieser Welt eine kräftige Stimme haben würde.

Auch Träume benötigen Planung
Doch selbst ein Traum muss geplant werden: Um das ideale Weingut zu finden, würde ich die wichtigsten Regionen des Weinbaus besuchen, die innovativsten und besten Betriebe besichtigen, mit jenen das Gespräch suchen, die bereits zu den Erfolgreichen zählen. Dann müsste ich überlegen, welchen Stil mein zukünftiger Spitzenwein haben sollte. Das hat natürlich mit meinen persönlichen Präferenzen zu tun. Da wäre Bordeaux der Herzensfavorit. Dort aber einen völlig neuen Betrieb zu gründen wäre ein Gewaltakt. Man könnte etwas Bestehendes kaufen, die guten Terroirs sind dort aber kaum zu kriegen, immens teuer und einem bestehenden Klassement unterworfen. Sicher, so mancher »Garagist« aus Saint-Émilion hat es trotz Hürden geschafft und sich einen Namen gemacht.

Toskana als Traumziel
Ich verwerfe Bordeaux daher mit all seiner Hierarchie als möglichen Standort, aber an den typischen Rotweinsorten der Region, dem Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot, führt für mich kein Weg vorbei. Und weil mir Übersee zu weit von den heimatlichen Gefilden entfernt ist, werde ich mich weiter in der Alten Welt umschauen. Diese Überlegung führt mich schließlich in die Toskana, genauer gesagt an die Küste. Dort wachsen überragende Weine wie Sassicaia und Ornellaia, erstklassige Rote mit Reputation und Lagerfähigkeit.

Bei näherer Betrachtung wird auch hier bald klar: Die besten Rebberge in Bolgheri sind so lückenlos belegt wie der Sandstrand von Rimini im August. Und doch bin ich gefesselt: das Licht, der Blick auf das silbrig glänzende Tyrrhenische Meer, der würzige Duft der Macchia, die Lebensfreude der Menschen. Von dort aus würde ich weiter in den Süden der Toskana reisen, in die Maremma, wo beispielsweise Fabio Chiarelotto in Suvereto mit seinem Weingut Montepeloso die Weinfachwelt in Erstaunen versetzt. Sein Gabbro besteht zu 100 Prozent aus Cabernet Sauvignon und wird mit höchsten Punktewertungen ­bedacht. Ich würde Herrn Chiarelotto von meinem Herzenswunsch erzählen, und dieser würde mir wohl den Rat geben, noch weiter in den Süden der Toskana, fast bis zur Grenze nach Latium, zu gehen, in die Region von Capalbio. Dort, so weiß der Erfolgswinzer, gäbe es noch ein Fleckchen Erde, das für ein neues Projekt, wie ich es mir vorgenommen habe, ideal geeignet scheint.

Die Geschichte von Monteverro
Ein junger Mann namens Georg Weber, Spross einer deutschen Unternehmerfamilie (sein Großvater gründete die Gartencenterkette Dehner), entdeckte bereits mit 19 Jahren seine Liebe zu den großen Weinen der Welt. Während seines Studiums in Lausanne vertiefte sich diese ­Passion immer mehr, und er beschloss, unterstützt von seinen weinaffinen Eltern, selbst
ein Weingut zu gründen. Was ich Ihnen als Fantasie eines Weinkritikers, den Weg zum »perfekten Weingut« zu finden, ­vorgezeichnet habe, hat Georg Weber, selbst geboren im mittelmäßigen Jahrgang 1978, ­bereits in die Tat umgesetzt. Im Jahr 2003, nach Abschluss gründlicher Bodenanalysen, erwarb er unweit des mittelalterlich befestigten Capalbio ein etwa 50 Hektar großes Gelände, dessen sanft zum Meer hin nach Süden und Südwesten abfallende Hänge für den Weinbau ideal geeignet sind. Rund 21 Hektar des Anwesens wurden im Laufe der letzten Jahre für den Weinbau adap­tiert, dazu gibt es auch einige Olivenhaine, den Rest überwuchert die Macchia mit üppiger Natur. Einer Population von Wildschweinen, die dort lebt, verdankt das Projekt auch seinen Namen »Ebersberg«, auf Italienisch »Monteverro«.

Etwa vier Kilometer vom Mittelmeer entfernt erstrecken sich die Weingärten parallel zur Küstenlinie. Von dort bietet sich dem Besucher ein toller Ausblick bis hinauf zur Halbinsel von Monte Argentario im Norden, wo die Lagune von Orbetello sowie Porto Ercole, ­Porto Santo Stefano und zahllose weitere Badeorte wohlhabende Römer in Scharen anlocken, sobald es warm wird. Monteverro hingegen ist ein Ort der leisen Töne und der Ruhe. Eine geschlossene Weinbergfläche zieht sich drei Hügelflanken entlang, auffällig ist der rote, tonige Boden, durchsetzt mit teilweise großem Kieselgestein. Die Weingärten verfügen über ein Mikroklima, das die aromatische Ausbildung der Trauben bestens unterstützt. Die Nähe zum Meer sorgt für eine gute Durchlüftung, die Hügel und Wälder für kühle Nächte. Nichts wurde hier dem Zufall über­lassen, mit enormer Passion und der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit ging man daran, die Reben zu pflanzen.

Gründliche Analyse und feinste Auswahl
Zunächst analysierte Claude Bourguignon, ein weltweit gefragter Spezialist aus dem Burgund, die vorhandenen Böden. Man entschied sich dann, Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und etwas Petit Verdot zu pflanzen. Als Hommage an die mediterrane Lage und als Verbeugung vor der persönlichen Vorliebe von Georgs Mutter Christine für Rhône-Weine ­wurden auch etwas Syrah und Grenache sowie schließlich in den kühlsten Lagen etwas Chardonnay ausgepflanzt. Um die Anlage und den Schnitt der Reben von Anfang an auf bestmögliche Qualität zu trimmen, wurde mit Michel Duclos ein beratender Spezialist aus der Region Libourne im Bordeaux engagiert, der seine große Erfahrung bezüglich der optimalen Reberziehung einbrachte. Mit rund 7500 Reben pro Hektar hat man sich für eine sehr hohe Pflanzdichte entschieden, die Laubwände werden bis auf eine Höhe von 1,70 hochgezogen.

Den vollständigen Text sowie alles über die vier Weine, die dort produziert werden, lesen Sie in der aktuellen Falstaff Ausgabe Nr. 5/2011.

> Zu den Tastingnotizen.

Text Peter Moser
aus F
alstaff Nr. 5/2011

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