Hygge war gestern

Reduzierte Cosyness auf hohem Niveau beweist Monica Förster mit der Couch »Savanah«, die sie für das Label -Erik Jørgensen kreiert hat. Holz trifft Sattelleder. Die hohe Rückenlehne garantiert Komfort. 

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Reduzierte Cosyness auf hohem Niveau beweist Monica Förster mit der Couch »Savanah«, die sie für das Label -Erik Jørgensen kreiert hat. Holz trifft Sattelleder. Die hohe Rückenlehne garantiert Komfort. 

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Früher hieß es Bullerbü. Dabei gab es den idyllischen Ort nicht wirklich. Er existierte nur in den Geschichten von Astrid Lindgren: nicht enden wollende Sommertage, in denen das Haar vom Wind zerzaust wurde. Und wenn es dann nach drinnen ging, in die am Wasser gelegenen roten Holzhäuser, war alles so wunderbar entspannt. So hell. Und so behaglich.

Der Lagom-Stil ist geprägt von hellen, neutralen Tönen. Man setzt aber im Minimalismus auch immer wieder Akzente oder zeigt Naturverbundenheit. Etwa wenn dekorative Vögel ins Zimmer geholt werden. 

© Jeltje Janmaat/House of pictures

Aus Bullerbü ist jetzt Lagom geworden – auch eine Kunstwortschöpfung, die einen nordischen Glückszustand beschreibt. Im Sinne von: das Leben in die richtige Balance bringen. Von einem beruhigenden Interior umgeben sein, sich gesund ernähren und nachhaltig haushalten – all das empfinden die Schweden als lagom (lautmalerisch: »lar-gohm«). Und das schon seit Wikingertagen vor mehr als 1000 Jahren. 
Damals kehrten die Krieger mit ihrem erbeuteten Fleisch zurück, um es schließlich im Kreis der Sippe weiterzureichen und dabei darauf zu achten, dass jeder satt wurde. -Dieses Prinzip solidarischer Ausgewogenheit wurde als »laget om« bezeichnet. Und es ist das sprachliche Embryo des heutigen Lifestyle-Trends Lagom, der nun dem populären dänischen Hygge mächtig Konkurrenz macht. Hygge und Lagom sind eng verwandt. Etwas als »hyggelig« zu bezeichnen, ist dank der Dänen zum Synonym für Wohlfühlen geworden: Man kuschelt sich bei Kerzenschein in eine selbst gehäkelte Decke oder verbringt einen Abend mit Freunden vorm lodernden Kamin (im Sommer unter dem Obstbaum). »Hygge beschreibt den schönen, intimen Moment, den wir gerne mit Menschen, die wir lieben, teilen«, sagt die Köchin und Autorin Bronte Aurell.

Wie geht Lagom?

Die Dänin betreibt – zusammen mit ihrem schwedischen Mann – den Food Store »Scandinavian Kitchen« im Londoner Stadtteil Westminster. Dort boomt nun auch Lagom: Die britischen Style Guides und Coffeetable Books in diesem Herbst sind voll vom Schweden-Hype. Bronte Aurell: »Während Hygge ein Gefühl ist, ist Lagom eine umfassende Lebenseinstellung.« Den Moment genießen, im Einklang mit einem Qualitäts- und Umweltbewusstsein sowie ausgeprägter sozialer Verantwortung.

Wie wohne ich lagom?

Die Natur intensiv studiert: Designerin Monica Förster wuchs in Lappland auf und betreibt heute ihr Studio in Stockholm. Die Art-Direktorin von Swedese arbeitet zudem für internationale Marken wie Zanat und Alessi.

© Camilla Lindqvist

»Ich habe keine Definition für typisches schwedisches Design. Ich lasse mich überall inspirieren«, sagt ­Monica Förster, die bekannteste Interior-Designerin des Landes. Obwohl sie international arbeitet, spiegeln vor allem ihre Kollektionen für die Marken Erik Jørgensen (Dänemark) und Swedese (Schweden) ihre gestalterische Philosophie wider: Es sind funktional klare Möbel, viel Naturholz, beständig und mit schönen, prägnanten Details versehen. Förster: »Bei Swedese fühlt es sich zum Beispiel ganz selbstverständlich an, sich von der Natur leiten zu lassen.«
Schweden sind bodenständig und zurückhaltend. Auch den meisten Desi­gnern ist das ausschweifend Exaltierte, etwa der Kollegen in Mailand oder Paris, fremd. 

Das Lagom-Interior ist geprägt von viel Weiß und gedeckten warmen Farbtönen. Das öffnet optisch die Fläche. Die wenigen Möbel sollen praktisch wie einladend sein. Aufbewahrsysteme fügen sich selbstverständlich ins Wohnambiente. Pointiert gesetzte Akzente geben dem Raum dann Spannung, hinterlassen die Handschrift des Bewohners: Das kann ein Schalenset aus Holz sein, ein umgestalteter Hocker vom Flohmarkt, eine einzige farbig gestrichene Wand. Das sind Essentials nordischen Stils, aber die Schweden sind in ihrem Pragmatismus schon immer sehr konsequent gewesen, wenn man an IKEA mit seinem smarten Baukastensystem denkt: aufs Wesentliche konzentriert, schlicht gemütlich und individuell kombinierbar.

»Ich wohne privat sehr clean, also typisch skandinavisch. Dazu kommen wenige Vin­tage-Stücke. Denn ich möchte nicht zu nostalgisch werden, sondern im Jetzt leben und in die Zukunft schauen«

Marketing läuft

Der Weltriese des luftig-entspannten Wohnens benutzt das Wort »Lagom« nun verstärkt auch für sein Marketing. Umgekehrt ist festzustellen, dass es zwischen der Design-Avantgarde Schwedens und der alters- und klassenübergreifenden Ästhetik des IKEA-Designs eine große Schnittmenge gibt. »Für uns ist die Ergonomie der Möbel sehr wichtig. Wir orientieren uns an den Menschen«, sagt Björn Dahlström, 60, renommierter Möbel- und Objektdesigner, der für seine funktionalen wie sanft fließenden ­Formen bekannt ist. Skandinavisches Design genießt Weltruf. Dabei standen die Schweden lange im Schatten berühmter Dänen wie Arne Jacobsen oder Hans J. Wegner. Ewa Krumlin, Chefin von Svensk Form, der Dachorgani­sa­tion schwedischer Designer, hat dafür eine Erklärung: »Das Nichthierarchische, das Simple und Leistbare waren immer in der DNA unseres Designs verankert, und wir haben mehr auf Teamarbeit als auf Designstars gesetzt. Zur neuen Designer-Generation zählt beispielsweise das weibliche Design-Duo Front, gebildet von Sofia Lagerkvist und Anna Lindgren. Letztere ist nicht verwandt mit der berühmten Schriftstellerin. Aber was sie mit ihren Tischen oder Lampen schafft, st so etwas wie Bullerbü auf modern.

LAGOM – Glücklich leben in Balance

Die Schwedin Linnea Dunne beschreibt, wie das Lagom-Prinzip den schwedischen Alltag prägt und man seine Wohnung im Schweden-Stil gestaltet, »lagom« haushaltet und kocht.

Umfang: 160 Seiten
Verlag: Callwey
ISBN: 9783766723116

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 04/2017
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