Hoyos-Dynastie: Liaison der Epochen

Statisten de luxe: Petra und Markus Hoyos beim LIVING-Shooting auf Schloss Horn. 

© Ian Ehm

Statisten de luxe: Petra und Markus Hoyos beim LIVING-Shooting auf Schloss Horn. 

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Wie im Vorbeigehen lässt Markus Hoyos eine Frage fallen, die lange nachwirkt: »Fällt Ihnen auf, dass man sich im Salon nie alleine fühlt?« Der Boden knarrt, das Feuer knistert und knallt, es ist seelenruhig. Man lehnt sich im Fauteuil zurück, sieht sich um und merkt: Der Hausherr hat recht. Man könnte den Master-Room von Schloss Horn als heimelig bezeichnen, als romantisch vielleicht, als zeitlos – aber es würde dem Ambiente nicht gerecht werden. Ein Salon kann nicht im eigentlichen Sinne leben, aber er gibt dem Gast das Gefühl, Teil einer Familiensaga zu sein. Die bis zur Decke reichenden Gemälde, die die Schlösser der Dynastie zeigen, die Porträts der Ahnen, die Fotos der vier Kinder – all das erzeugt einen Sog der Geschichte, dem man sich nur schwer entziehen kann. Und man will es auch nicht. »Die Fotos sind wichtig, sie ­zeigen, ­dass hier gelebt wird«, meint der ­Schlossbesitzer mit Blick auf eine Anrichte voller gerahmter Momentaufnahmen.

Die Gemälde und Porträts der Ahnen erzeugen einen Sog der Geschichte. 

© Ian Ehm

Die Familie – im 16. Jahrhundert kamen zwei Brüder des spanischen Adelsgeschlechts Hoyos nach Niederösterreich – bewohnt das Schloss seit dem Jahr 1681. Hier und heute haben die Epochen ein never-ending Rendezvous, ein charmantes Stelldichein. Erbaut im 12. Jahrhundert, stets erweitert – die Fassade etwa stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Kamin im Salon datiert auf den Anfang des 20. Jahrhunderts: »Den haben meine Großeltern errichtet«, so Hoyos. Die Möbel – es dominieren Holz und sanfte, geschwungene Formen – dürften großteils aus einer ähnlichen Ära stammen. Allzu genau kann der vierfache Vater, der hier selbst schon als Kind verstecken gespielt hat, die Details nicht benennen. Das Interieur wurde weitgehend belassen, restauriert statt ersetzt. Neu bezogen und anders »zusammengewürfelt«, wie seine Frau Petra erklärt. Marken, Modellnamen oder Designer – sie haben hier keinen Platz. Weder im 120 Quadratmeter großen Salon, den Markus Hoyos schnellen Schrittes durchschreitet, um die Größe kalkulieren zu können, noch im Schloss an sich, bei dessen Fläche er auf Nachfrage lachend abwinkt. Diese klassischen Hard Facts, die vermeintlich Status implizieren, tun hier nichts zur Sache, sie zählen nicht. Was zählt, ist das Gefühl.

Sowohl Markus als auch Petra Hoyos betonen unabhängig voneinander, dass ein Schloss wie dieses »leben« müsse. »Ein solches Haus verträgt viele Menschen«, sagt er. »Ich liebe die Menschen und ich freue mich immer, wenn sich wichtige Personen hier bei uns wohlfühlen. Unsere Türen stehen jederzeit offen. Es gibt nicht nur Einladungen unsererseits, sondern Freunde wissen, dass sie bei uns jederzeit willkommen sind«, sagt sie. Jeder, der die großzügige Gastfreundschaft bereits kennenlernen durfte, weiß, mit wie viel Liebe zum Detail die charmante Schlossherrin ihre Einladungen zelebriert und neue Freunde willkommen heißt. 

Restaurierung: Das Interieur wurde weitgehend belassen, restauriert statt ersetzt. Neu bezogen und anders »zusammengewürfelt«, wie Petra erklärt.

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Petra und Markus Hoyos leben ihr Gastgebertum mit herzlicher Selbstverständlichkeit, Hektik und Stress haben hier keinen Platz. Selbst dann nicht, wenn große Jagdgesellschaften über mehrere Tage verköstigt oder ab und zu auch Zimmer und Suiten im Schloss fremdvermietet werden – etwa an Filmcrews. Amber Heard nächtigte hier bereits, Jessica Chastain kam zum Dinner, Regisseur Michael Haneke ist ein guter Freund der Familie, und Claudia Schiffer wurde unter anderem im »Rauch­salon« von Erwin Wurm für die »Vogue« geshootet. Die Innenräume renovierte das Ehepaar Hoyos Stück für Stück: »Jetzt sind wir mehr oder weniger durch«, hofft Markus Hoyos. 

Seine Frau, die das Zusammenspiel der Epochen orchestriert hat, erklärt: »Für uns war es wichtig, die Atmosphäre so zu belassen, wie sie die letzten Jahrhunderte war, jedoch alles auf den letzten technischen Stand zu bringen.« So wurden die alten Bleirohre entfernt, Zentralheizung und eine eigene Fernwärme-Versorgung installiert. »Wir haben eines der wenigen Schlösser in Österreich, in denen es immer warm ist«, lacht Markus Hoyos, seines Zeichens auch Wirtschaftsführer der Land- und Forstwirtschaft. »Ohne Grund und Boden wäre es undenkbar, so ein Objekt zu erhalten. In Sachen Renovierung wird es für die nächste Generation sicher einfacher«, so der Großgrundbesitzer, der den Genius loci seines Familienerbes nicht nur verstanden, sondern verinnerlicht hat. Adel verpflichtet eben.

Aus dem Living Magazin 04/2016 

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