Holy Holz: Der Baustoff im PROFI-Check

Das Baukasten-Konzept »Pixel« des Herstellers »Bene«.

© Bene GmbH

Das Baukasten-Konzept »Pixel« des Herstellers »Bene«.

Das Baukasten-Konzept »Pixel« des Herstellers »Bene«.

© Bene GmbH

Das 19. Jahrhundert war das des Stahls, das 20. gehörte dem Beton und das 21. Jahrhundert ist die Zeit des Baustoffes Holz. So sagt man. In Wien wird gerade das laut Projektentwickler höchste Hochhaus der Welt fertig gestellt, andere Metropolen wollen nachziehen – beziehungsweise überbieten. Hotels sind in diesen Türmen gern gesehene Mieter. Aber auch außerhalb der großen Städte mehren sich die Hospitality-Projekte, bei denen auf Holz gesetzt wird.

Keine bahnbrechenden Neuigkeiten? Doch. Denn die Art und Weise, wie Holz eingesetzt wird, verändert sich. Lange Zeit vermittelte der Bau- und Werkstoff ein Gefühl von Schwere, ein bisschen altbacken wirkten die Bauten – insbesondere im alpinen Raum. Die aktuellen Projekte sind aber allesamt Klischee-Killer. Die Fassade betreffend sehen wir immer häufiger schwarz – oder zumindest dunkel.

Diese Beobachtung teilt etwa auch Ulrich Stefan Knoll, Autor und PR-Experte der Agentur »Urlaubsarchitektur« (ein »Webportal für architektonisch beispielgebende Ferienhäuser«). »Schwarze Holzfassaden, gestrichen, imprägniert oder carbonisiert, setzen oft nicht nur spektakuläre Akzente, sondern lassen die Gebäude von Ferne gesehen nahezu unsichtbar werden.« Mitten in der Natur ist Unsichtbarkeit durchaus gerne gesehen. Zumindest von Einheimischen und Architekturkennern.

Erich Gaffal, Leiter des Möbel- und Holzbau-Clusters und Initiator des Austrian Design Awards bringt ein: »Holz wirkt leicht und modern, wenn Dimensionen im Auge behalten werden. Dem voraus geht eine intensive Auseinandersetzung mit Details, statischen Erfordernissen und Materialität. Leider entspricht das nicht immer der Erwartungshaltung der Gäste im alpinen Raum.« Soll heißen: Nicht jeder will mit der Zeit gehen. Oder muss. Es gibt für alles eine Zielgruppe.

Flexibler mit hellem Holz

»Welches Holz wofür?« ist eine der Fragen, die – wen wundert‘s? – nicht so leicht beantwortet werden können: »Das hängt vor allem davon ab, welche Stimmung erzeugt werden soll. Wenn Holz das raumbestimmende Material ist, sollen nicht zu dunkle Holzarten gewählt werden. Dann ist es leichter, verschiedene Stimmungsvarianten zu erzeugen«, so Gaffal. Ebenfalls um den Innenausbau geht es, wenn Knoll Eiche, Weißtanne, Lärche und Fichte ins Rennen schickt. Spannende Kombinationen: Weißtanne und Lärche, Lärche und Fichte oder Weißtanne und Eiche – um ein paar Beispiele zu nennen.

Und im Außenbereich? Knoll: »Hier ist aus unserer Sicht weniger die Materialwahl vorrangig, sondern die Art der Verwendung.« Neben den bereits erwähnten dunklen Fassaden überrascht Knoll auch mit einem klassischen Holzelement: die Schindel. »Nicht die Schindel ist altbacken, sondern unser traditionelles Bild von ihr«, meint Knoll und verweist auf das dänische Partnerhaus »Recharge House«. Generell sind die »Urlaubsarchitektur«-Mitglieder beispielhaft für den Status Quo – ohne dabei trendig zu wirken. Das »Schgaguler Hotel« in Südtirol (immer ein guter Boden, wenn es um zeitgemäße Architektur geht) ist ein weiteres solches Beispiel.

»Im ›Schgaguler Hotel‹ sieht man Innenausbauten aus Kastanie. Selten verwendet, sehr schön«, attestiert Knoll. Architekt Peter Pichl verweist auf die Regionalität des Materials: »Kastanie ist in dieser Gegend typisch. Es wurde nur gebürstet, sonst nichts – dadurch wurde eine sehr natürliche und authentische Optik erzielt.« Das Design – innen wie außen – ist der Schlichtheit verpflichtet und nimmt das kalkige Element der umgebenden Dolomiten auf. Pichler über die Design Mission: »Die Anmutung der Berge sollte sich im Hotel widerspiegeln.«

Baustoff Holz – die Natur gibt vor.

Baustoff Holz – die Natur gibt vor.

Foto beigestellt

Flexible Lösungen im kommen

Synchron mit der Beliebtheit des Materials Holz steigen auch die Meldungen zum »Waldsterben«, gerade in Deutschland aktueller denn je. Nicht zu vergessen: die dramatischen Waldbrände diesen Sommer in Brasilien. Noch vor dieser Katastrophe ließ eine Studie der ETH Zürich aufhorchen. 900 Millionen Hektar stünden demnach auf dem gesamten Globus für Aufforstungsprojekte zur Verfügung. Das entspräche der 25-fachen Größe Deutschlands. Das größte Potenzial sehen Forscher in Russland.

Ein Hospitality-Projekt der Gegenwart muss vor allem eines können: maßvoll sein. »Ein typischer Denkfehler«, so weiß auch Designpreis-Initiator Gaffal, »ist die Annahme, dass mehr vom Guten alles noch besser macht. Einrichtungen wirken dann oft massiv überladen, sind zwar modisch, müssen aber alle vier bis fünf Jahre einem Facelift unterzogen werden.«

»Ein typischer Denkfehler: dass mehr vom Guten alles noch besser macht. Einrichtungen wirken dann oft massiv überladen.«
Erich Gaffal, Designpreis-Initiator

Altholz kann ein Thema sein. Oder natürlich flexible, sprich modulare Systeme. Kommt zwar eher aus dem Privatbereich, aber manche Lösungen sind durchaus auch für gewerbliche Kunden nicht uninteressant. Beispiel »Pixel« von »Bene«. »Pixel ähnelt einem bekannten Baukastensystem aus Kindertagen«, erklärt Michael Fried, Geschäftsführer Sales, Marketing & Innovation. Die einzelnen Module wiegen knapp fünf Kilogramm und sind aus Kiefernsperrholz gefertigt. »Das Material einer ›Do it yourself‹-Generation«, so Fried. Funktioniert als Tresen, DJ-Pult, Infostand – um ein paar Beispiele zu nennen. Viel unprätentiöser kann Holz heutzutage nicht genutzt werden.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 4/2019
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