Die Geschichte der Wiener Märkte geht bis ins Mittelalter zurück. Damals erließ Herzog Leopold VI. das Stapelrecht. Dieses schrieb den durchreisenden HändlerInnen vor, ihre Waren »zum Zweck des Handelns niederzulegen«. Dieses Dekret war der Grundstein für die heutigen Märkte. Zunächst bildeten sich Märkte in der heutigen Innenstadt, wie zum Beispiel am Hohen Markt oder am Kohlmarkt. Die Namen der Plätze erinnern bis heute an diese Wurzeln. Das gesamte Marktgeschehen wurde früher akribisch in handgeschriebenen Tabellen festgehalten. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen im Jahr 1938 wurde das österreichische Marktgesetz durch das deutsche ersetzt. Das Marktamt wurde komplett umorganisiert und jüdischen Marktstandle­­r­Innen die Bewilligung des Geschäfts­­betriebs entzogen.

Gefälschte Milch
Nach dem Krieg blühte der Schwarzhandel auf. Das Marktamt beschlagnahmte bis zum Jahr 1948 rund 2000 Waggonladungen an Lebensmitteln. Viele Betrügereien konnten durch die bereits damals strengen Kontrollen aufgedeckt werden. So wurde zum Beispiel immer wieder gefälschte Milch gefunden, in der Seife, Kalk oder Soda verarbeitet waren. Auch künstlich eingefärbte Wurst, mit Tannin eingefärbter Rum, manipulierte Gewichte und mit Kokosfett vermengtes Butterschmalz wurden gefunden und aus dem Verkehr gezogen. »So konnte sich das Marktamt als Kontrollinstanz positionieren«, sagt Sprecher Alexander Hengl. »Die Kundinnen und Kunden konnten von da an darauf vertrauen, dass die Kontrollen nach wie vor nach strengsten Kriterien erfolgen und die angebotenen Waren auch tatsächlich das halten, was sie versprechen.« Die Aufgaben des Marktamts sind darüber hinaus mit der Zeit ständig erweitert worden. So fällt nun zum Beispiel auch die Vergabe der Marktstände und -plätze in seinen Zuständigkeitsbereich. Darüber hinaus werden auch externe Lebensmittelproben durch das Marktamt untersucht.

Zeitreise im Museum
Im Marktamtsmuseum haben Interessierte die Möglichkeit, in die Vergangenheit der Märkte einzutauchen. Unterteilt nach Epochen werden seit September in vier Räumen rund 350 Exponate ausgestellt. Sie reichen von Fotos und Werkzeugen bis hin zu »gefährlichen« Gebrauchsgegenständen, die nach dem Lebensmittelrecht zu beanstanden waren. Weiters gibt es Ausstellungsstücke wie »alte Maße« aus dem 18. Jahrhundert, Waagen aus dem 19. Jahrhundert und ein Preisberichtebuch von 1848. Für Gruppen gibt es Führungen, Kinder können bei der Rätsel­rallye durch das Museum mitmachen.

Öffnungszeiten ausschließlich nach telefonischer Vereinbarung, weitere Informationen unter: +43/(0)1/40 00-59255