Heimischer Wasabi & Co: Die Gewinner des Klimawandels

In Gerasdorf bei Wien macht Gregor Neumeyer seit bereits sechs Jahren »ÖsterReis« salonfähig.

© ÖsterReis

Heimischer Wasabi & Co: Die Gewinner des Klimawandels

In Gerasdorf bei Wien macht Gregor Neumeyer seit bereits sechs Jahren »ÖsterReis« salonfähig.

© ÖsterReis

»The rebellion starts here« steht auf einem Schild am Rande des Hains. Wenige Meter weiter setzen Daniel Rössler, Markus Fink und Lukas Hecke ihre Schaufeln an. Nahe der Ferienranch Wernhof, betrieben von den Kärntnern Silvester und Heidi Kanatschnig, entsteht mithilfe der drei Herren des Start-ups »Agro Rebels« ein Test-Olivenhain. Agro wer? »Es ist offensichtlich: Wir haben ein Problem, den Klimawandel. Zum Glück haben wir aber auch eine Lösung«, setzt Daniel Rössler an. »Wir erforschen und entwickeln exotische Obstsorten. Mit Bauern und für Konsumenten«, lautet die Direktive des Kollektivs, bestehend aus Sozialökonom Lukas Hecke, Wissenschaftler Markus Fink und landwirtschaftlichem Entwicklungshelfer Daniel Rössler.

Gemeinsam mit Landwirten und in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien, kurz BOKU, hat es sich das Trio seit 2019 zur Aufgabe gemacht, das Narrativ umzudrehen. »Unser Appell: Raus aus der Opferrolle! Wir wollen zeigen, wie man den Klimawandel nachhaltig nützen kann«, konstatiert Rössler, der selbst am Bauernhof aufgewachsen ist. Die Olive dient ein essenzieller Hebel. »Landwirtschaftlich gesehen ist die Olive in Österreich die neue Schwester vom großen Bruder Wein. Kulinarisch, touristisch, wirtschaftlich und sogar marketingtechnisch passen die beiden hervorragend zusammen«, sind sich die »Agro Rebels« einig. 400 Olivenbäume in vier Bundesländern haben die »Agro Rebels« bisher eingepflanzt. Die Nachfrage nach Olivenbäumen seitens der Landwirte sei groß, es bestehen bereits landesweit Partnerschaften. 2022 soll das Projekt mit sozialer Mission erstmals Essoliven abwerfen, 2024 bestenfalls das erste Olivenöl. Weitere neue Absatzmöglichkeiten für heimische Bauern wie Granatäpfel, Goji- und Maulbeeren sind in Planung.

Agro Rebels

Das Start-up »Agro Rebels« will sich den Klimawandel zunutze machen und setzt auf exotische Gewächse wie Safran und Oliven.

© Agro Rebels

Zukunftsträchtiger Backhendl-Gefährte

Ortswechsel. Umgeben von den Klöcher und Tieschener Weinbergen geht ein anderer Landwirt seiner Bestimmung nach. Der Bauer trägt den frohen Mut in Gesicht und Geburtsurkunde. Wenn es um steirischen Reis geht, ist Ewald Fröhlich wahrhaftig kein Kind von Traurigkeit. Von der Landwirtschaftskammer als »Bauer des Jahres 2019« ausgezeichnet, baut der Südoststeirer seit fünf Jahren auf 20 Hektar Reis an. Vom ökologisch durchdachten Anbau bis zur hundertprozentig biologisch abbaubaren Cellulose-Verpackung denkt und arbeitet Fröhlich ganzheitlich. Seine Felder müssen nicht geflutet werden. Niederschlag, Klima und Boden der Südoststeiermark spielen dem Landwirt in die Hände und begünstigen auf diese Weise den regionalen Trockenreisanbau. Das Saatgut hat Pionier Fröhlich anfangs aus Italien nach Österreich gekarrt. »Damals dachte ich noch nicht an große Erntemengen, heute habe ich 30 Tonnen Reinertrag pro Jahr

Indoor Farming

Vertikale Farmen helfen beim Anbau exotischer Gewächse.

© Getty Images/Martin Harvey

Auch Gregor Neumeyer in Gerasdorf bei Wien macht seit bereits sechs Jahren »ÖsterReis« salonfähig. Beim Thema Reis ist der Gedanke an Sushi nicht weit und führt fast automatisch zu anderen kulinarischen Exoten, die in den letzten Jahren hierzulande heimisch geworden sind. Im Folientunnel von Philipp und Oliver Michlits im burgenländischen Seewinkel duftet es wie in einem thailändischen Spa. Heiß ist es, aber genau das liebt der Ingwer. Unter 18 Grad Celcius stellt er sein Wachstum ohnedies ein. Im Jahr 2019 gab es die erste kleine Ernte, heuer geht es mit dem Partnerlabel »Ja!natürlich« so richtig los. Auch Ortsgeselle Michael Pilsel, der eng mit dem Biohof Achleitner zusammenarbeitet, setzt auf die scharfe Knolle, die geschmacklich wenig mit der oft fasrigen Import-Ware gemein hat.

Noch mehr Asia-Taste kommt von Martin Parapatits, Gründer von »Phytoniq«. Das Unternehmen kultiviert mittels Luftwurzel-Anbau Wasabi in Oberwart. »Im Vergleich zu herkömmlichen Anbaumethoden spart man mit dieser Anbaumethode satte 95 Prozent Wasser und 85 Prozent Düngemittel«, so Parapatits. Pestizide werden sowieso nicht eingesetzt, schlicht, weil es keine Schädlinge gibt. Zudem spart man dank der »Hängeacker« Platz. Verwertet wird alles – Blüten, Blätter, Stengel und Rhizome. Zero Waste und für 300 Euro pro Kilo auch lukrativ.

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