Das Tiroler Städtchen mit der Gams im Wappen, das Promis ohne Zahl anzieht und an den Wochenenden halb Wien und München beherbergt, ist eine Winterdestination ersten Ranges und vor allem für das Hahnenkamm-Rennen weltbekannt. Die Weltcup-Rennwoche, die 2016 am 19. Jänner beginnt und deren Höhepunkte am Samstag, dem 23. Jänner, der Abfahrtslauf über die gefürchtete »Streif« sowie am Sonntag der stets spannende Slalom am Ganslernhang sind, ist eine echte Attraktion für die Massen. Doch abseits des Trubels und der zahllosen feinen und angesagten Locations kommen in Kitzbühel auch sportliche Naturen voll auf ihre Kosten. Wir haben für Sie die besten Routen unter die Lupe genommen.

Kaum ein anderer kennt die Pisten und Routen in Kitzbühel so gut wie unser ehemaliger Abfahrtsweltcupsieger und -weltmeister Harti Weirather. Der geschäftstüchtige Tiroler, der auf der Streif 1982 selbst triumphierte, gründete 1987 die Sportmarketing-Agentur WWP und vermarktet neben vielen anderen Events nun genau das, was von jeher sein Leben bestimmte: die internationalen Weltcup-Rennen in Kitz, die auf der Streif stets für große Emotionen und Aufregung sorgen. Exklusiv für MAN’S WORLD verrät Weirather persönliche Tipps für abwechslungsreiche Ski­tage in der prominenten Gams-Metropole.

 

TOUR 1

© Artur Bodenstein
© Artur Bodenstein



Weirathers Lieblingsstrecke ist die Hahnenkamm-Abfahrt, die er »immer wieder gerne« fährt. »Normalerweise nehme ich in der Früh die Gondel nach oben und höre später, wenn der Andrang zu groß wird, wieder auf«. Klar, ein Profi, der die Streif in 1:57,20 Minuten bewältigt hat, geht auch jetzt noch mit ordentlichem Tempo zur Sache. Für den geübten Skifahrer ist die Streif ein Muss, deren sportliche Herausforderungen im Film »Hell of a Ride« mit Marcel Hirscher und Werner Franz als Protagonisten gebührend gefeiert wurden. Es sind weniger die rund 3,3 km Länge der berüchtigten Ab­­­fahrt, die schon viele Könner abgeworfen hat, sondern die zahlreichen Schlüsselstellen, die sie so besonders machen. Wer am steilen Startschuss steht, kann erahnen, was auf die Läufer während des Rennens zukommt. Es geht über die Mausefalle, mit einem Gefälle von 85 Prozent kurz nach dem Start – hinunter muss man sich aber erst einmal trauen –, sofern sie nicht wegen Vereisung gesperrt ist. Die Profis springen da gute 60 Meter ins Nichts. Dazu kommen weitere Gelände­kanten, Steilhänge, Gleit- und Schussfahrten sowie die atemberaubende Schrägfahrt nach dem Sprung über die Hausbergkante und der anschließende spektakuläre, bis zu 70 Meter weite Zielsprung. Mitunter bei Geschwindigkeiten von über 140 Stundenkilometern.

Meist zieht es Weirather auch in Richtung Steinbergkogel, wo es einen »lässigen Steilhang« gibt – auch »Powder-Heaven« genannt. Wenn er dann seine Strecken- und Höhenmeter gemacht hat, kehrt er am Fuße des Hahnenkamms im Rasmushof ein, wo er früher auch einmal über längere Zeit gewohnt hat. Von dort aus hat man übrigens auch die beste Sicht auf den nicht minder legendären Ganslernhang. Hüttenklassiker rund um die Streif sind natürlich die »Sonnbühelhütte« und die von den TV-Übertragungen bekannte »Seidlalm«. Auf dieser ist übrigens der Ex-Slalom-Weltklasseläufer Hansi Hinterseer aufgewachsen.

 

TOUR 2

© Artur Bodenstein
© Artur Bodenstein


© Artur Bodenstein

Aber keine Angst: Wer kein absoluter Könner ist, nimmt einfach die Variante »Familienstreif« und umfährt die schwierigsten Stellen. So wird die Streif, die ihren Namen von der »Streifalm« im oberen Streckenabschnitt hat, für jedermann zum bewältigbaren Erlebnis. Doch auch neben der Streif hat Kitzbühel noch zahlreiche weitere Highlights zu bieten. Das 780 bis 2004 Meter hohe Skigebiet wartet mit einer Gesamtfläche von 463 Hektar und mit in Summe 173 Pisten­kilometern auf. Davon 91 Kilometer mit leichtem und 57 Kilometer mit mittlerem Schwierigkeitsgrad; 25 Kilometer sind schwere, »schwarze« Abfahrten. Mit einer Stundenkapazität von 90.000 Personen bringen 54 Lifte die Skifahrer und Snowboarder ohne nennenswerte Wartezeiten von einem Gipfel zum anderen. Eine Route für unge­übte beginnt beim Einstieg über Kirchberg. Über die Fleckalmbahn geht’s hoch auf die Ehrenbachhöhe. Die sogenannte Fleck-Abfahrt führt wieder zurück ins Tal und ist eine angenehme, leichte Strecke, die auch für weniger geübte Skiläufer und Boarder sehr gut geeignet ist. Bei der parallel verlaufen­­­den Kaser­abfahrt bieten sich etliche Hütten, darunter die »Maierl-Alm«, für einen Zwischenstopp an. Alternativ geht es über die Maierlbahn und den Ochsalmlift wieder nach oben zur Ehrenbachhöhe, von dort weiter zum Steinbergkogel und dann über die Silberstube-Piste Richtung Penglstein. Eine Route, die Weirather immer wieder nimmt: die von der Hochsaukaser-Bahn abgehende schwarze Piste, denn dort gibt es keinen Kunstschnee. »Und Naturschnee ist schon ein ganz spezielles Vergnügen«, so der Abfahrtsweltmeister.

 

TOUR 3

© Artur Bodenstein
© Artur Bodenstein

 

Einen weiteren Tipp für Skifahrer mit Ausdauer und Abenteuergeist hat Weirather für MAN’S WORLD parat: »Nehmen Sie die 3S-Bahn hinüber nach Jochberg und genießen Sie das Gebiet dort – das ist auch wunderschön«. Die 3S ist eine spektakuläre Dreiseil-Umlaufbahn, die seit 2004 das eigentliche Kitzbüheler Gebiet mit Jochberg und von dort mit Pass Thurn und Mittersill verbindet. Eine technische Meisterleistung, die eine entscheidende Verbesserung der Infrastruktur brachte. Die Bahn hat einen Bodenabstand von bis zu 400 Metern und überwindet die 3,7 Kilometer lange Verbindung mit nur einer Stütze. Und im Gebiet Jochberg – mit Wurzhöhe, Bärenbadkogel, Zweitausender und Resterhöhe – gibt es, so Weirather, »auch zwei, drei gute Hütten«. Etwa die auch vom Ski Guide Austria empfohlene »Bärenbadalm«. In diesem Gebiet kann man sich skifahrerisch richtig austoben; die Kondition muss dafür halt passen. Wer es sportlich mag, ist zum Beispiel mit dem Steilhang von der Zehntausender-Gipfelstation gut bedient, weniger herausfordernd, und insgesamt eine der sympathischsten Abfahrten, ist die Wagstätt von der Wurzhöhe nach Jochberg. Für Snowboarder gibt’s zwei Funparks (Kitzbüheler Horn und Hanglalm). Fazit: In Kitzbühel kommen wirklich alle auf ihre Kosten – egal ob mondän, urig oder zünftig. Und beim Après-Ski in Kitz selbst kann man es auch spätabends ordentlich krachen lassen. Wir wünschen ein zünftiges Ski Heil!

BILDERSTRECKE: Impressionen aus Kitzbühel und Umgebung

Text von Günter Fritz 
Aus Falstaff Man's World 2016


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