Zugegeben: Die Bedingungen waren für den Jahrgang 2014 alles andere als ideal. Man erinnert sich ungern an die feuchte zweite Sommerhälfte. Speziell bei den frühreifen und engbeerigen Sorten wie Blauer Zweigelt und St. Laurent war die Situation beängstigend, denn die Botrytis wurde ebenso zum Problem wie die niedrigen Zuckerwerte. Der »Zweigelt Grand Prix« vermittelt dennoch einen positiven ersten Eindruck von den zu erwartenden Qualitäten des Jahrgangs.
Und das ist nicht selbstverständlich. Der August, wenn die Weichen für den Erfolg eines Weinjahres gestellt werden, fiel überdurchschnittlich feucht und kühl aus. Und das war erst der Auftakt, denn im September folgten rekordverdächtige Niederschläge, die viele Weingärten in Sumpflandschaften verwandelten. Der Fäulnisdruck und die mangelhafte Reife ließen manchen Winzer verzweifeln, mit aller Kraft und enormem – auch finanziellem – Aufwand musste in den Weingärten gearbeitet werden, um doch noch zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.

Strenge Selektion war notwendig. Damit war schnell klar, dass die Erntemengen drastisch kleiner ausfallen müssen. Im Vergleich zu 2013 wurden es am Ende des Tages gar 29 Prozent weniger Rotwein, besonders betroffen waren das Burgenland und in Niederösterreich das Weinviertel und Car­nuntum – also die klassischen und besten An­baugebiete des Blauen Zweigelts. Offizielle ­Stellen verlauteten bald, die Konsumenten mögen sich bei 2014 auf »prinzipiell schlanke, jedoch zugängliche und einladende, rotbeerige Rotweine« einstellen.

Fluch oder Segen
Betrachtet man die Situation des österreichischen Rotweins aus marktpolitischer Sicht, muss man sich über den Jahrgang 2014 eigentlich sogar freuen. Zuletzt hat sich ein Überschuss beim Rotwein gebildet, weil die Produktion in den letzten Jahrzehnten Schritt für Schritt wuchs und den Verantwortlichen einiges an Kopfzerbrechen bereitete. 2013 wurden etwa 85 Millionen Liter Rotwein erzeugt; verkauft werden durchschnittlich 65 Millionen pro Jahr. So hatte sich innerhalb der letzten Jahre ein beträchtlicher Rückstau entwickelt.

Besonders die schwereren Rotweine ­finden weniger Absatz. Seit einigen Jahren versuchen Weinbaupolitik und Österreich Weinmarketing, den Fokus der Erzeuger auf leichtere und fruchtbetonte Rotweine zu richten. Seit 2010 gibt es im »Salon Österreichischer Wein« die neue Kategorie »Fruchtige Rotweine mit moderatem Alkohol«. 2014 hat Mutter Natur die Weichen in diese Richtung gestellt und die Situation am Rotweinmarkt dadurch vorübergehend etwas entspannt. Für die Zukunft heißt es aber, konkrete Konzepte bereitzuhalten. Hier könnte der Rosé-Weintrend einer von verschiedenen möglichen Lösungsansätzen sein.

Der diesjährige »Zweigelt Grand Prix« wurde wieder im Vorfeld der großen Fal­staff-Rotweinprämierung durchgeführt, bei der heuer der Jahrgang 2013 und die Reserve-Weine im Mittelpunkt stehen. Er gibt aber auch schon einen Eindruck vom Jahrgang 2014.

Die Jahrgangssieger
Zwar war das Starterfeld etwas kleiner als in den letzten Jahren, aber die präsentierten Qualitäten waren erstaunlich: Die Weine weisen einen Alkoholgehalt rund um 13 Volumsprozent auf, sind harmonisch und mit feiner Kirschfrucht. Ihre lebendige, frische Art bietet eine erfreuliche Trink­animation. Die klassischen Zweigelt-Weine wirken heuer also leichtfüßig und sind mit guter Frucht ausgestattet, für eine vieljährige Lagerung ist das Gros dieser Weine ohnehin auch in tollen Jahren nicht angelegt. Die Preise liegen meist unter einem Endverbraucherpreis von zehn Euro, und das trägt sicher auch zum Erfolg dieser Rotweinkategorie bei. Das Ergebnis legt nahe, dass sich an der Spitze auch dann nicht viel ändert, wenn das Wetter nicht so mitspielt. Es gibt eben eine Handvoll Winzer, die der Sorte auch unter widrigen Bedingungen ihre besten Seiten abgewinnt. Drei der vier Ausgezeichneten standen auch im Vorjahr am Siegertreppchen. Den »Zweigelt Grand Prix 2015« holte sich Hannes Reeh aus Andau mit seinem hochattraktiven Zweigelt Unplugged 2014. Auf Platz zwei liegt mit Werner Achs aus Gols der Vorjahresgesamtsieger der Fal­staff-Rotweinprämierung. Den dritten Rang teilen sich René Pöckl aus Mönchhof mit dem Zweigelt Classique und das Weingut Artner aus Höflein mit dem Rubin Carnuntum 2014. Dahinter platziert sich ein breites Angebot von empfehlenswerten Weinen zu einem sehr kundenfreundlichen Preis. Nun heißt es schnell zugreifen, denn jahrgangsbedingt sind die Mengen überall kleiner als üblich.

Text von Peter Moser  
Fotos von Rudi Froese
Location: Herzlichen Dank an wittmann/wittmann.at

Aus Falstaff Nr. 08/2015 – erscheint am 27.11.2015

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