Handgewutzelte Mohnnudeln - Schupfnudeln mit Mohn / Foto: Pichler Verlag, Peter Barci
Handgewutzelte Mohnnudeln - Schupfnudeln mit Mohn / Foto: Pichler Verlag, Peter Barci



Zutaten für ca. 6 Portionen

Für den Erdäpfelteig

  • 700 g gekochte und geschälte Erdäpfel (ca. 1 kg mit Schale)
  • 1 Ei
  • 2 gehäufte EL Grieß
  • 3 EL Butter
  • 1 Pkg. Vanillezucker
  • 300 g Mehl
  • Prise Maisstärke nach Belieben
  • Prise Salz


Zum Wälzen

  • 100 g gemahlener Mohn
  • 70–100 g Butter
  • Staubzucker



Zubereitung

Die kalten Erdäpfel durch eine Erdäpfelpresse drücken und eine kleine Mulde eindrücken. Butter schmelzen und in die Mulde gießen. Das Ei einschlagen und mit Grieß, Mehl, Vanillezucker, einer kleinen Prise Salz und etwas Maisstärke zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. Zu einer Kugel formen und 10 Minuten rasten lassen.

In einem großen, breiten Topf leicht gesalzenes Wasser aufstellen.

Teig in 2 oder 3 Teile teilen, jeweils zu einer etwa zwei Daumen breiten Rolle formen und mit dem Messer kleine Stückchen davon abtrennen. Zwischen den leicht befeuchteten Handflächen zu kleinen, fingerlangen Nudeln »wutzeln« und (am besten in mehreren Tranchen) im leicht wallenden Wasser ziehen lassen, bis die Nudeln an die Oberfläche aufsteigen.

Inzwischen in einer großen Pfanne die Butter zum Wälzen schmelzen lassen. Mohn einrühren und nach Geschmack süßen.

Schupfnudeln behutsam herausheben, in die Pfanne geben und im süßen Mohn wälzen. Anrichten und vor dem Servieren mit Staubzucker bestreuen.


Garzeit: ca. 3 Minuten
Verwendung: Ohne Zugabe von Vanillezucker in den Teig und nur in flüssiger Butter geschwenkt, werden Schupfnudeln auch gerne als Beilage in der pikanten Küche verwendet, etwa zu Fleischgerichten mit Sauce, Ragouts etc.



Typisch Wien
G’schupft und g’wutzelt müssen sie sein, die köstlichen Erdäpfelnudeln. In ihrer Herkunft eng mit den böhmischen Skubanki verwandt, wird die Wiener Variante nicht in Fett herausgebacken, sondern schonend in Wasser gekocht, um danach ordentlich ins Butterbad getaucht zu werden. Selbiges wird in der süßen Küche meist durch gezuckerten Mohn oder geriebene Nüsse verfeinert, kann aber für Schupfnudeln, die als Begleitung für saucenreiche Fleischgerichte auftreten sollen, ganz neutral ausfallen. Was die Begriffe »g’schupft« und »g’wutzelt« betrifft, so offenbart sich hier die Wiener Sprache in ihrer ganzen Vielfalt. Während vor allem die Jugend beim Begriff »Wutzeln« reflexartig ans Match beim kleinen Tischfussballspiel denkt, träumen Genießer von flaumigen, mit der Hand »hin- und hergerollten« (so die Übersetzung von Wutzeln) Erdäpfelnudeln. Ähnliches trifft auf das Wörtchen »g’schupft« zu. Hin- und Herwerfen oder -rollen, wie es dem Teig beim Formen zu den kleinen Nudeln widerfährt, wird in der österreichischen Sprache auch als »Schupfen« bezeichnet. So weit, so gut. Ob die weitere Interpretation der Etymologen des Wortes »g’schupt« im Sinne von »übertrieben eitel jeder Mode folgend« auch auf die feine Mehlspeise anzuwenden wäre, ist eher zu bezweifeln. Auf eines der berühmtesten Wienerlieder von Gerhard Bronner trifft sie auf jeden Fall zu. Da rüstet sich »der g’schupfte Ferdl« aus einfachsten Verhältnissen nämlich im besten Sonntagsgewand zum Tanz in der Vorstadt – und kehrt windelweich verprügelt und mit blauem Auge wieder nach Hause.


Aus: Renate Wagner-Wittula, »Wiener Küche«, Pichler Verlag, 128 Seiten, € 14,99