Häupl & Ruck: »Die Wiener Festwochen sind kulinarisch!«

© Christian Jobst / PID

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Trotz manchmal gegensätzlicher politischer Auffassungen sind sich die beiden »Chefs«, Dr. Michael Häupl, Bürgermeister der Stadt Wien, und DI Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, in einem Punkt völlig einig: Die WIENER FESTWOCHEN sind eine großartige Kultur-Initiative, und sie sind vor allem eines: kulinarisch! FALSTAFF führte mit den beiden Spitzen-Politikern ein amikales Gespräch über die schönsten Dinge der Stadt.

FALSTAFF Herr Bürgermeister, Herr Präsident: Wieso bekommen die WIENER FESTWOCHEN heuer so einen kulinarischen Schwerpunkt?

Michael Häupl Naja, den hatten sie eigentlich immer schon, denn Kultur und Kulinarik, Feste feiern und ausgehen gehören zusammen wie der Gemischte Satz und Wien. Eine Stadt, die sich die lebenswerteste der Welt nennen darf, muss sich sehr glücklich schätzen, neben dem ungeheuer großen kulturellen Angebot auch so viele großartige kulinarische Erlebnisse bieten zu können.

Walter Ruck Die Wiener Wirtschaft ist sehr glücklich über die WIENER FESTWOCHEN, denn Kunst und Kultur machen Lust auf Ausgehen, Lust auf Konsumation und damit Lust auf die Wiener Gastronomie. Und diese ist in unserer Stadt einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Die WIENER FESTWOCHEN sind somit ein wertvoller Impulsgeber, Initiator und Vermittler im positivsten Sinne! Alle profitieren von diesem Ereignis: unsere Beisln, unsere Restaurants, unsere Kaffeehäuser, die Heurigen und – nicht zu vergessen – unsere Würstelstände.

FALSTAFF Gibt es etwas, das sich Politik und Wirtschaft von der Kultur abschauen könnten?

Ruck Die Kunst ist ein großer Wirtschaftsfaktor, und es ist schon extrem faszinierend, was es ausmacht, ob ein Künstler wirtschaftlich erfolgreich ist oder nicht. Regeln gibt es dafür wohl keine, und viele Künstler müssen oft ein Leben lang damit verbringen, um wirtschaftlich zu reüssieren. Da das aber bei der Kunst nicht im Vordergrund stehen soll, braucht es Unterstützung für die Kunst von öffentlichen Stellen und auch aus der Wirtschaft. Die Kunst muss frei sein und kann mit ihrer Kreativität auch für uns in der Wirtschaft Anregungen schaffen. Die positive Wechselwirkung funktioniert seit vielen Jahrhunderten, muss aber immer wieder neu erfunden werden.

Häupl Oft beneide ich die Künstler, weil ich glaube, dass sie freier von Zwängen, Normen und Regeln sind und ihrer Kreativität viel mehr Freiraum lassen können als ein Politiker. Wir sollten vielleicht auch viel mehr auf Künstler hören, um unsere Visionen zu erneuern und uns mutiger freizuspielen. So gesehen sind Kunst und Kultur wahnsinnig wichtig für eine politische Ethik und Weiterentwicklung. Deshalb fördern wir Kunst und Kultur in Wien, wo wir nur können.

FALSTAFF Das Festwochen-Programm hat einen besonders starken multikulturellen Auftritt. Wie stehen Sie zur Vielfalt in unserer Stadt?

Häupl Wien ist in der Tat eine unglaublich vielfältige Stadt, worauf wir alle stolz sein sollten. Natürlich sehen wir auch die damit verbundenen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Herausforderungen. Aber Wien hat in seiner Geschichte ähnliche 
Situationen schon mehrfach bewältigt und wird es auch diesmal schaffen. Das geht jedoch nur mit gemeinsam Spielregeln, die nicht nur auf Toleranz, sondern auch auf gegenseitigem Respekt aufgebaut sind. 

Ruck Wir haben gerade in der Wiener Wirtschaft sehr viele unterschiedliche Ethnien, die viele positive Impulse in das Wirtschaftsleben der Stadt einbringen, vor allem in der Kulinarik! Ich möchte die vielen Ethnolokale in Wien nicht missen. Und selbst die sogenannte »Wiener Küche« ist ja eigentlich eine Multikulti-Küche, die ihre Wurzeln in den einstigen Kronländern wie Böhmen, Mähren, Ungarn oder der Slowakei hat. Ein multikulturelles Food-Angebot seitens der Restaurants oder auf den Märkten beweist auch die Internationalität unserer Stadt. Dennoch müssen wir die Tradition der »Wiener Küche« stets hochhalten.

Die Vielfalt der Metropole Wien präsentiert sich auf den Tellern der Gastronomie. 

© Shutterstock

FALSTAFF Wien ist ja auch die einzige Hauptstadt der Welt, in der es einen bedeutenden Weinbau gibt. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu den »Wiener Kreszenzen«?

Ruck Ich bin besonders beeindruckt vom wirtschaftlichen Erfolg des Wiener Weins im Ausland. Dass der Grüne Veltliner in den USA längst einen Siegeszug angetreten hat, wissen wir. Aber wenn man in New York in der schicksten Weinbar einen Gemischten Satz aus Wien offeriert bekommt – so wie es mir passierte –, ist man schon unglaublich stolz auf diese Entwicklung. Wien und sein Wein sind untrennbar mit-einander verbunden, und die Qualität des Wiener Weins hat sich auch in den letzten 15 Jahren unglaublich weiterentwickelt.

Häupl Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass ich mir gerne ein gutes Glas von einem Gemischten Satz aus den Wiener Weingärten genehmige. Wein ist ja auch ein Kulturgut, und in unserer Stadt hat der Weinbau schon seit Jahrtausenden Tradition. Abgesehen von der Heurigenkultur prägt der Wiener Wein in wunderschöner Weise das Landschaftsbild am Rande unserer Metropole. Gibt es denn etwas Schöneres, als nach einem langen Tag irgendwo in den Wiener Weinbergen bei einem Heurigen zu sitzen und auf die Stadt hinunterzublicken? Darum beneidet uns die ganze Welt, und ich würde solche Momente des perfekten Genusses niemals missen wollen.  

Wien ist eine der wenigen Städte der Welt mit eigenen Weingärten. 

© Lois Lammerhuber

FALSTAFF Jonathan Meese, der den Parsifal inszeniert, hat uns sein persönliches Lieblingsmenü komponiert, das aus Currywurst, Spaghetti Bolognese und Germknödel besteht – dazu der »Meeswein« vom Mayer am Pfarrplatz. Bitte verraten Sie uns doch auch Ihres!

Häupl Ich würde mit Jonathan Meese gerne auf eine Käsekrainer oder ein Burenhäutl gehen und ihn von den Vorteilen der typischen Wiener Würstelstand-Produkte gegenüber der Currywurst überzeugen. Mein Lieblingsgericht ist übrigens Fleischlaberl mit Erdäpfelpüree.

Ruck Ich bin ein Fan der saisonalen Spezialitäten und genieße derzeit den heimischen Spargel, aber bei Jonathan Meese freut es mich, dass er den »Meeswein« von Wiens größtem Winzer, Hans Schmid, liebt und offensichtlich auch schon auf den Germknödel gekommen ist. Wenn der Bürgermeister den »Missionar« für die Käsekrainer macht, bin ich sicher, dass dieser großartige Künstler sie schon bald ex aequo mit der Currywurst reihen wird.

Aus dem Falstaff Wiener Festwochen Spezial 2017

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