Grüne Hingucker für den Innen- und Außenbereich

30 Meter hoch ist die eindrucksvolle Vertical-Garden-Wand im Pariser Hotel Pershing Hall.

 

© Persinghall

Hoch hinaus 30 Meter hoch ist die eindrucksvolle Vertical-Garden-Wand im Pariser Hotel Pershing Hall.

30 Meter hoch ist die eindrucksvolle Vertical-Garden-Wand im Pariser Hotel Pershing Hall.

 

© Persinghall

Vorbei sind die Zeiten, in denen vereinsamte Topfpflanzen hie und da einsam ihr Dasein fristen, florale Konzepte sind heute wohldurchdacht und oftmals sogar blühender Blickfang. Dafür braucht es keine ausufernden Gartenanlagen. Stadthotels können grüne Akzente im kleinen Rahmen auf ihren Balkonen umsetzen oder im größeren Maßstab auf der (Dach-)terrasse – nach einem Tag im urbanen Dschungel freuen sich die Gäste über einen Ruhepol im Freien. Viele Hotels, wie das Hotel »Daniel« in Wien, nutzen ihre Flächen im Freien nicht nur zur Entspannung der Gäste, sondern auch gleich für den eigenen Betrieb. So finden sich auf den stufenförmig angelegten Terrassen Kräuter- und Gemüsebeete, deren Ertrag direkt in die Küche wandert. Und am Dach leben Bienenvölker, die für den hauseigenen Honig verantwortlich zeichnen. Einen ähnlichen Zugang hat das »25hours Bikini Berlin« gewählt, das gemeinsam mit dem botanischen Vorreiter Infarm ein Mi­krogartensystem entwickelt hat. Neben der großzügigen Dachterrasse, die an die New Yorker High Line erinnert, findet hier Gärtnern im ganz kleinen Rahmen statt. Das System, eigens für das Hotel entwickelt, ist modular aufgebaut und wird je nach Bedürfnis der Küche erweitert respektive reduziert. Angebaut werden sogenannte Microgreens, die auf dem Markt so nicht erhältlich sind. Eine kompakte Variante junger Gemüse, die reich an Vitaminen und Nährstoffen sind – und ebenso an Geschmack.

Wem futuristisches Farming für den Anfang zu viel ist, der beginnt vielleicht mal mit einer Wand. Der entsprechende Trend heißt Vertical Gardening und ist eigentlich gar nicht mehr so jung. Als Erfinder gilt Patrick Blanc, der bereits in den 1980er-Jahren seine ersten grünen Wände gestaltet hat. So richtig Fahrt aufgenommen hat die Begrünung im Hochformat allerdings erst nach 2011 – als ihm der internationale Durchbruch mit der spektakulären 30 Meter hohen Wand des Pariser Hotels »Pershing Hall« gelang. Seither wächst und gedeiht das Phänomen weltweit – und ist dabei in der Handhabung alles andere als kompliziert. Während man bei klassischen Kletterpflanzen wie etwa Efeu oft lange ­warten muss, bis die Wand tatsächlich im gewünschten Grün erstrahlt, bringt Vertical Gardening bereits kurzfristig das gewünschte Ergebnis. Die Bewässerung erfolgt automatisch, die gewählten Pflanzen zeichnen sich zumeist durch ihre Anspruchslosigkeit aus, was Pflege anbelangt. Auch für Architektur und Atmosphäre bieten die Green Walls ­einige Vorteile: Die Mauer ist vor Umwelt­einflüssen geschützt, die pflanzliche Pracht resorbiert Schall und wandelt CO2 in Sauerstoff um. Die Natur im Fokus hat man auch beim »Parkroyal« in Singapur. Hier nimmt die Grünfläche sogar doppelt so viel Raum ein wie das Hotel. Über 15.000 Quadratmeter sind hier Flora und Fauna gewidmet. In- und Outdoor gehen dabei nahezu nahtlos ineinander über. Die Terrassen gemahnen an Reisterrassen, Lobbys und Korridore wurden etwa mit Trittsteinen, Holzelementen und Pflanzen gestaltet. Überdimensionale Vogelkäfige fungieren als Ruheoasen in Singapurs Großstadtdschungel. Das spektakuläre Design kommt auch der Natur zugute: So verbraucht das Hotel bis zu 30 Prozent weniger Energie als ein konventionelles Haus dieser Größe. Die jährliche Wasserersparnis etwa würde mehr als 32 Schwimmbecken mit olympischen Maßen füllen. Und mit solcherart beruhigtem Gewissen schläft es sich doch gleich ein kleines bisschen leichter.

Pflanzentipps

Die ideale Balkonpflanze . . . ist sommergrün, ein ein- bis zweijähriger Dauerblüher. Schön sind drei bis vier Gattungen in ­Abstufungen eines Farbtons.

Für die ganzjährige Pflanzung . . . empfehlen wir Strukturpflanzen, am besten Immergrün gemischt mit zwei, drei Sommerblühern.

In der Sonne glücklich . . . sind Glyzinien, die sich gut an Geländern ranken, oder ­niedrige Stauden wie etwa Sedum oder Lavendel.

Für die Schattenseite . . . eignen sich ­Hortensien, Farne und Funkien.
Allroundtalente . . . sind Eibe und Kirsch­lorbeer. Sie sind an den meisten Standorten zufrieden und immergrün – somit auch im Winter gut.

Blickfang . . . Bonsais oder mehrstämmige Felsenbirne mit raffiniertem Solitärtrog.
Dezent . . . Frauenmantel, Caryopteris und Perovskie.

Die No-Gos . . . Haselnuss, Birke, Weide ­(Allergierisiko!), großblättrige Pflanzen in der Sonne wirken verloren, Pflanzen, die Ausläufer bilden, nicht winterhart sind oder viel Pflege brauchen.

Planungsteam von Lederleitner
www.lederleitner.at

Expertentipps

2 m2
Weniger ist oft mehr – eventuell ist eine ­einzige Pflanze genug. Interessant können auch Lösungen mit vertikalen Gärten sein. Platz sparen lässt sich, indem man den Trog etwa in einer Bank versteckt oder die Pflanzen hängen außen am Balkon. Auch Kletterpflanzen sind hier gut geeignet, weil sie Wand begrünen, ohne viel Raum zu brauchen. Generell muss man auf dem Balkon leider mit extremen Bedingungen auskommen. Vor Fenstern kommt es durch Reflexion zu einer Verstärkung der Sonneneinstrahlung und in Innenhöfen kann es so dunkel werden, dass fast gar nichts mehr wächst.

5 m2
Einen kompakten Grünraum plant man am besten so wie andere kleine Räume – möglichst effizient. Platz kann man oft ­doppelt nutzen. Das Daybed unter der Außentreppe, die Bank, die sich in einen Tisch verwandeln lässt.

10 m2
Generell gilt: Gäste wissen heute einfach, was möglich ist und was geboten wird. Betonplatten mit einem Schirm drauf genügen nicht mehr. Im Sommerurlaub ist ein schöner Platz im Freien hundertmal wichtiger als ein Fernseher mit 3-D-Technik. Der ideale Garten bietet Licht und Schatten, Weite und Geborgenheit. Materialien dürfen nicht zu heiß und nicht zu kalt werden. ­Interessant sind natürlich auch Bereiche, an denen man einen ruhigen Platz für Gespräche finden kann – die Outdoor-Lobby sozusagen. Am Abend ist die richtige Beleuchtung sehr wichtig.

Artikel
»Es grünt so grün«  aus Falstaff KARRIERE 02/2017.

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