Grün als Trendfarbe

Grün wurde zur beliebtesten Farbe gewählt.

© Hotel Walther

Grün wurde zur beliebtesten Farbe gewählt.

© Hotel Walther

Grün wurde im Jahr 2017 zur »The world’s favorite color«, also die beliebteste Farbe der Welt, gewählt. Ob unumstößlich und auf alle Zeit mag man bezweifeln, aber für den Moment heißt die Farbe aller Farben: »Marrs Green«. Der britische Papierhersteller G.F. Smith hat 30.000 Stimmen ausgewertet und ein intensiver Türkiston ist es geworden. Man könnte diese Wahl ignorieren, wäre es nicht auffällig, dass sich Grün – in einer meist bläulichen Variante – seit einiger Zeit gefühlt überall findet. Auch der Farbenhersteller Behr hat im zweiten Halbjahr 2017 einen ähnlichen Ton zur Farbe des Jahres 2018 ausgerufen. »In the moment« ist ein Blaugrün, dem die Hersteller eine beruhigende Wirkung nachsagen.

Die – in Designer- und Hipsterkreisen – bekannteste Trendwahl des Jahres kommt jeden Dezember von der amerikanischen Firma Pantone LLC. Die Entscheidung für 2018 fiel auf »Ultra Violet«, für 2017 hieß es: »Greenery«. Obwohl sich diese Grün-Spielart von »Marrs Green« und »In the moment« so stark unterscheidet, dass man fast von entfernten Verwandten ausgehen könnte, ist es doch unumstößlich: Grün ist tonangebend.

»Mein Tipp: Kombinieren Sie satte Farben mit Camel oder Rosa anstatt mit Schwarz oder Weiß. Oder Sie verwenden Nuancen der eigenen Farbfamilie.«
Virginia Maissen, Interior Designerin

Vollendete Neutralität

Die Gründe dafür lesen sich in allen Trendberichten exakt gleich. Grün wird mit Natur assoziiert, mit allem Natürlichen. Mit Nachhaltigkeit, mit bewusstem Leben und Entspannung. Mit Einen-Gang-Runterschalten. Nein, das ist fürwahr nicht neu. Neu ist aber, dass man nicht nur vonseiten veganer oder vegetarischer Restaurants und Take-aways in diese Farbtöpfe greift: Grün kann mehr und Grün ist mehr. Markus Frentrop, Bereichs­leiter RAL Farben, teilt diese Beobachtung, wie er im Gespräch mit KARRIERE zu verstehen gibt: »Zunächst vor allem im privaten Bereich zu erkennen, findet sich Grün in den letzten Jahren immer häufiger in Konzepten für den gewerblichen Bereich. Insbesondere in der Hotellerie wird mit einer kräftigen Farbgebung auch dem Trend Rechnung getragen, dass sich viele Gäste von den oftmals vorherrschenden braunen und grauen Grüntönen zunehmend weniger angesprochen fühlen.« Es gehe um ein »neues Raumgefühl«, so Frentrop. Auch bei RAL erfreut sich die Kombination von Blau und Grün großer Beliebtheit. »Hier verbinden sich die natürlichen bodenständigen Eigenschaften des Grün mit den Attributen der Farbe Blau. Also Ehrlichkeit, Interesse und Intelligenz. Je nach Nuancierung, Sättigung und Tiefe des Farbtons werden die jeweiligen Eigenschaften unterschiedlich betont.«

Ein aktuelles Beispiel: Hotel »Walther«, Ober­engadin. Zum 110-jährigen Jubiläum erhielten dieses Frühjahr Eingangsbereich, Rezeption, Lobby, Grand Restaurant, Bar und Fumoir für 3,3 Millionen Schweizer Franken ein Refurbishment der Interior Designerin Virginia Maissen. »Mein Ziel war es, die historischen Elemente zu betonen oder wieder sicht- und spürbar zu machen.« Es sei »naheliegend« gewesen, die Farben der Bergwelt zu verwenden. »Allzu oft versucht man, mit kühlem ­Design oder trendigen Neuheiten historische Hotels aufzupeppen. Das ist nicht mein Ding«, so die Wahlzürcherin. Grün dagegen ist eindeutig ihr Ding, wie das Portfolio zeigt. Maissen lacht: »Ja, das stimmt, das reicht bis in meine Kindheit zurück. Mein erstes Zimmer hatte tannengrüne Vorhänge, mein zweites billardgrüne Wände. Mein Umfeld hat sich schon köstlich darüber amüsiert, wie viele verschiedene Varianten mein Vokabular umfasst.« Im Hotel »Walther« ist es ein dunkles anschmiegsames Grün, wie eine Umarmung. Passend für eine Lobby.

»Grün ist die Farbe der Mitte«, sinniert Maissen. »In seiner vollendeten Neutralität wirkt es beruhigend, ohne zu ermüden. Der Blick ins Grüne ist niemals anstrengend, ­sondern stärkt das Auge für alle anderen Eindrücke.« Und die können dann durchaus auch herausfordernd sein. So empfiehlt die Interior Designerin, satte Farben etwa mit Camel oder Rosa anstatt mit Schwarz oder Weiß zu kombinieren. Oder mit Nuancen der eigenen Farbfamilie. Die Zeiten von »Es muss Ton in Ton sein« sind vorbei.

Pistazie und Safran

Maissen exkulpiert die Farbe auch von negativen Begleiterscheinungen. So stimme es nicht, dass man dunkle Lokale – also etwa Bars – nicht grün streichen dürfe. Auch dass das neutrale Grün die Haut fahl aussehen lasse oder den Geschmack der Speisen ungünstig beeinflusse, will sie so nicht stehen lassen. »Das kommt auf den speziellen Ton und vor allem das Licht an«, so die Farbversteherin. Dass sich die Kolorierung der Wände – oder auch nur des Tischtuchs – auf unser Empfinden auswirkt, ist so weit bekannt. So wird in Fast-Food-Restaurants gerne mit grellen Farben und kühlem Licht gearbeitet, während die gehobene Küche zumeist in warmes Licht gebettet ist. Doch das war es noch lange nicht an Erkenntnissen! Einer Studie zufolge wirkt etwa die Portion nicht nur größer, wenn sie auf einem kleinen Teller serviert wird, sondern auch, wenn der Farbkontrast zwischen dem ­Gericht und dem Service höher ist. Die Speise schmeckt außerdem auch intensiver, wenn man an der Kontrastschraube dreht. Und um das Ganze noch auf die Spitze zu treiben: Selbst eine Serviette, schön akkurat gefaltet neben dem Besteck drapiert, wirkt sich darauf aus, wie wir das Gegessene kategorisieren. Das wiederum hat das Hygiene-Unternehmen Tork herausgefunden. In diesem speziellen Fall sollte man jedoch kurz innehalten, wenn es um die beliebteste ­Farbe der Welt geht: eine grüne Serviette (konkret: Pistazie und ­Pinie) harmoniert ­ideal mit gelben Lebensmitteln – wie etwa Curry oder Safran-Fischsuppen. Das ist nun doch sehr speziell.

Artikel aus falstaff KARRIERE 06/2017.

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