So hätte das Etikett ursprünglich aussehen sollen.
So hätte das Etikett ursprünglich aussehen sollen. / Foto beigestellt

»Ich habe mich einmal dort umgesehen, wo die Sonne aufgeht, und bin im Osten auf eine geschichtsträchtige ­regionale Rebsorte gestoßen: den Lindenblättrigen«, so Josef Umathum, Winzer aus Frauenkirchen. Diese Sorte war der Tafelwein der ungarischen Könige, traditionell wurde Hars­levelü, wie er im Ungarischen ­genannt wird, stets zu den Hochzeiten der Könige gereicht. Unsere Vorfahren hatten Anfang des letzten Jahrhunderts den Lindenblättrigen noch in ihren Weingärten kultiviert. Mangelnde Zuckerreife und die Umstellung auf Lenz-Moser-Hochkultur ließen den Lindenblättrigen aus den Weingärten des Burgenlandes verschwinden. Dabei ist gerade eine spät reifende weiße Rebsorte wie der Lindenblättrige eine ideale Traube für die pannonische Region.

Der Lindenblättrige bringt durch seine extrem späte Reife im Oktober und seine moderate Zuckerbildung die besten Voraussetzungen für einen Wein mit moder­aten Alkoholwerten bei einer lebendigen, frischen Säurestruktur. Die Sorte ist daher eine geradezu perfekte Strategie im Hinblick auf den Klimawandel. Geruch und Aroma erinnern an Lindenblüten, Heu und Mandeln. Mit zunehmender Reife entwickelt sich dann ein Hauch von Steinobst wie Ringlotten und Quitten, und so erinnert er ein wenig an Riesling. Die frische und strahlige Säure macht den Wein lebendig, erst beim zweiten Schluck lässt er seine Tiefe erkennen, zeigt aber dann mit der Zeit erst seine wahre Größe.

So weit so gut. Doch das Österreichische Weingesetz ist keines, das innovativen Winzern entgegenkommt. Die Behörde beschlagnahmte 300 Flaschen mit der traditionellen pannonischen Rebsorte und lässt sie nur mit entsprechenden Schwärzungen zu. Da das Österreichische Weingesetz beim Qualitätswein keinen Lindenblättrigen kennt, kann er nur als Tafelwein auf den Markt kommen und daher weder einen Hinweis auf Rebsorte, Jahrgang, Gebiet noch Ursprung am Etikett tragen.

Um den Wein schließlich doch in Verkehr bringen zu dürfen, griff Josef Umathum nun zu einer unorthodoxen Methode: die nicht zulässigen Bezeichnungen wurden einfach ausgestrichen. »Die Monarchie lebt, nicht nur in dieser Rebsorte, sondern auch mit all ihrer Bürokratie und Zensur« meint der Frauenkirchner Winzer. Und so wird das Etikett aussehen: