Große Genuss-Arien

Bariton Markus Werba als Papageno in »Die Zauberflöte« an der Wiener Staatsoper 2013.

© Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Bariton Markus Werba als Papageno in »Die Zauberflöte« an der Wiener Staatsoper 2013.

© Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Der Magen ist der Meister der Musik, der das große Orchester der Leidenschaften bremst oder anspornt«, schrieb Gioachino Rossini, der nicht nur einer der bedeutendsten Opernkomponisten, sondern auch ein ausgesprochener Gourmet war. Oper und Genuss – das scheint ein untrennbares Paar zu sein. Komponisten verewigten ihre Leibspeisen in ihren Stücken und legten damit auch Zeugnis über die kulinarischen Sehnsüchte ihrer Zeit ab. 

Wenn im Musiktheater von Lebensgenuss oder Liebe die Rede ist, dann kommt zum Beispiel oft Schaumwein ins Spiel. Prinz Orlofsky in Johann Strauss’ »Fledermaus« erhebt sein Glas mit den Worten: »Champagner, König aller Weine! Hoch die sprudelnde Majestät und ihre Untertanen!« Dass es auch den liebeshungrigen Gourmet Falstaff zu diesem Getränk hinzieht, verwundert nicht. In Otto Nicolais Oper »Die lustigen Weiber von Windsor« (1849) singt er: »Als Büblein klein an der Mutter Brust […] da war der Sekt schon meine Lust.« William Shakespeare war da puristischer. In seinen Dramen trinkt Falstaff »Sack«, eine damals gängige Bezeichnung für Sherry. Da »Sack« aber so ähnlich klingt wie »Sekt«, machten deutsche Übersetzer Sir John Falstaff kurzerhand zum Sektliebhaber.

Mozarts Leibspeise war Geflügel, und so lässt er in »Don Giovanni« den Fasan eine wichtige Rolle spielen. Im zweiten Akt ahnt der Weiberheld, dass er seine Henkersmahlzeit einnimmt, als er sich alleine an seine Tafel setzt. Seinen Diener Leporello, dem das Wasser im Mund zusammenläuft, lässt Mozart schimpfen: »Welch barbarischer Appetit! Welch riesige Bissen!« Don Giovanni lässt ihn aber nur den Wein einschenken: »Versa il vino! Eccelente Marzimino«, singt Don Giovanni und setzt dieser Rebsorte damit ein Denkmal. Leporello allerdings möchte bloß ein Stück des Fasans.

Gioachino Rossini war ein Meister der Töne – und des Genusses. Bekannt ist, dass Rossini gerne Menüs zusammenstellte und die passenden Weine dazu aussuchte. Seine zweite Frau, Olympe Pélissier, schrieb einem Freund: »Der Maestro und ich, wir leben, um zu essen, und diese Aufgabe erfüllen wir gewissenhaft.« Vor allem seine Leidenschaft für Trüffel ist legendär. Seiner ersten Frau, Isabella Colbran, schrieb er: »Der Trüffel ist der Mozart der Pilze. Um ehrlich zu sein, ich weiß für den Don Juan keinen besseren Vergleich als den Trüffel. Beide haben es in sich, dass, je öfter man sie genießt, umso mehr Reize entfalten sie.« Als echter Genussmensch liebte Rossini auch Austern. Während er in Mailand komponierte, machte er gut tausend Lire Schulden wegen einiger Körbe Austern. Sein Lieferant, der auch ein Gelegenheitsdichter war, erließ sie ihm für die Vertonung einiger Verse – das »Austernlied« war geboren. Die Liebe zu Austern verbindet Rossini übrigens auch mit Mozart. Es mag erstaunen, aber Meeresfrüchte standen zur Zeit Mozarts auf dem Speiseplan der Salzburger Fürsterzbischöfe. 

»Trinke, Liebchen, trinke schnell, trinken macht die Augen hell. Sind die schönen Äuglein klar, siehst du alles licht und wahr.« 
aus der »Fledermaus« Operette von Johann Strauss

In der Operette »Die Fledermaus« wird Champagner besungen.

In der Operette »Die Fledermaus« wird Champagner besungen.

© Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Eine sizilianische Pasta ist indessen eng mit der Oper verbunden: Die »Pasta alla Norma« ist ein altes sizilianisches Nudelgericht mit typisch mediterranen Geschmacksnuancen, das um die Jahrhundertwende nach Vincenzo Bellinis Oper »Norma« benannt wurde (siehe rechts). Der Überlieferung nach war Nino Martoglio, ein sizilianischer Dichter, so von der außergewöhnlichen Schmackhaftigkeit dieses Gerichts angetan, dass er es mit der Norma aus der berühmten Oper verglich und anfing, den Ausdruck »una vera Norma« (»eine echte Norma«) als Superlativ zu gebrauchen. Seither trägt dieses köstliche Gericht den Namen »Pasta alla Norma«. 

Zurück zum Schaumwein. Bis heute ist Champagner untrennbar mit der »Fledermaus« verbunden. Aber auch in anderen Opern wird dem Schaumwein gefrönt, etwa in Verdis »La traviata«. Auch in der Blütezeit der österreichischen Operetten hatte das sprudelnde Getränk besondere Auftritte.
So erklärt Balduin Graf Zedlau der jungen Pepi in Johann Strauss’ »Wiener Blut« seine Lebensphilosophie mit den Worten: »Stoß an! Stoß an, du Liebchen mein, und schlürf mit mir Champagnerwein, und denk an die Moral: Man lebt das eine Mal!«

Mister X in Emmerich Kálmáns »Zirkusprinzessin« weiß schließlich, dass Champagner ganz allgemein positives Denken fördert: »Wenn man das Leben durchs Champagnerglas betrachtet, sieht man es strahlen«, singt er. Und Danilo aus der »Lustigen Witwe« von Franz Lehár schwärmt vom Maxim, wo »champagni­siert« wird. 

Und auch in Ralph Benatzkys »Das weiße Rössl« sind Champagner und Lebensfreude eng miteinander verbunden: »Lasst uns Champus trinken mit lächelndem Gesicht, denn die Freudentränen, die füll’n die
Gläser nicht!«

Kulinarische Buchtipps zur Oper

Über Kulinarik und Oper wurde schon viel geschrieben. Bekannte Buchklassiker darunter sind Christoph Wagners historisches Kochbuch »Amadeus à la carte« und Eva Gesine Baurs »Zu Gast bei Mozart« (beide 2005). Rezepte von Rossini finden sich im Buch »Rossini – Bonvivant und Gourmet« von Thierry Beauvert (1997).

Aus dem Falstaff Spezial Opernball 2017.

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