Gregor Bloéb über Wildburger & Kantinenhorror

© Soll und Haben GMBH

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FALSTAFF: Interessieren Sie sich für Lebensmittel und deren Ursprung?
Gregor Bloéb: Sehr. Ich esse eigentlich ausschließlich Fleisch, von dem ich weiß, wie das Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde. Noch dazu bin ich Jäger und habe ein Damwild-Gehege mit 2,7 Hektar und zwanzig Hirschen darin. Unsere Tiefkühltruhe ist also voll mit feinstem Wildbret.

Zerlegen Sie das Wild denn auch selbst?
Nein. Nach dem Erlegen breche ich das Wild selbstverständlich noch auf. Das Zerlegen macht dann aber ein Fleischer, der keine 500 Meter von unserem Haus entfernt ist. Es ist auch schade um das Fleisch, wenn man darin nicht geübt ist. Nicht umsonst hat das ein Fleischer gelernt. Ich behalte mir jedoch die Decke und lass sie mir bei einem Kürschner herrichten.

Und was wird aus dem Wildbret im Hause Bloéb/Proll zubereitet?
»Nose to tail« sozusagen. Das heißt: vom Schnitzel über Gulasch und Ragout bis hin zu Wildburgern. Letztere lieben unsere Kinder. Ich koche gerne. Und gut. Das habe ich gelernt, als ich mit 18 Jahren von zu Hause an das Residenztheater München und nach Nürnberg gegangen bin und mit wenig Geld auskommen musste. Das Kantinenessen war für mich der Horror. Meine Mama, ein unbeschreiblich gute Köchin, schickte mir Rezepte, und so begann meine kulinarisch Kochkarriere.

Können Ihre drei Brüder auch so gut kochen?
Tobias (Anmerkung: Schauspieler Tobias Moretti) war für mich ein Vorbild. Allerdings hat er sich eine Frau geschnappt, die ebenfalls eine tolle Köchin ist, und jetzt kocht er kaum mehr.

Sind Sie ein Schöngeist?
Ich glaube, dass Geschmack, Fantasie und unsere Sinne kostbare Dinge sind, mit denen man achtsam umgehen und derer man sich bewusst sein sollte. Dazu gehört auch, was man Kindern vorlebt. Ich bin ein leidenschaftlicher Gärtner, der alle Pflanzen und vor allem Blumen liebt. Ich umgebe mich einfach gern mit Schönheit. Es geht eigentlich immer nur um Schönheit. Und Geschmack ist ein Teil davon.  

Haben Sie vielleicht noch einen kulinarischen Tipp für uns?
Ja! Ich habe einen Geheimtipp für die Falstaff-Leserinnen und -Leser: Probieren Sie einmal, nachdem Sie die Zwiebeln für ein Wildgericht angeröstet haben, diese mit etwas Glühwein abzulöschen. Und zwar mit einem ganz einfachen, gekauften Glühwein. Das ist sensationell.

Gregor Bloéb

Der Schauspieler, Jahrgang 1968, spielte in vielen nationalen wie internationalen Filmproduktionen mit und war 2019 bei den Salzburger Festspielen in Hugo von Hofmannsthals Bühnenklassiker Jedermanns guter Gesell/Teufel. 2013 wurde der Tiroler mit dem Nestroypreis als »Bester Schauspieler« ausgezeichnet. Er lebt mit Ehefrau Nina Proll und den beiden Söhnen auf einem Bauernhof in Pfaffenhofen in Tirol.


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 08/2019
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