Grätzl-Guide: Genuss-Tipps für das Servitenviertel

Das Servitenviertel ist die mit Abstand frankophilste Ecke von Wien.

© Lukas Ilgner

Das Servitenviertel ist die mit Abstand frankophilste Ecke von Wien.

Das Servitenviertel ist die mit Abstand frankophilste Ecke von Wien.

© Lukas Ilgner

Servitengasse, Ecke Porzellangasse. Vor dem Bistro »La Mercerie« sitzen die Gäste in Korbstühlen, drinnen werden in der umgebauten ehemaligen Kurzwarenhandlung mit viel Holz und tollem alten Fliesenboden Croissants und Baguettes aus der hauseigenen Bäckerei sowie die täglich frisch aus Paris gelieferten Eclairs und Tartes an die Laufkundschaft verkauft. Wer drinnen oder draußen vor dem Lokal einen Tisch ergattert, kann sich unter anderem an französischen Klassikern wie Quiche Lorraine oder diversen Käseplatten delektieren.

Begehrtes Viertel

Man könnte durchaus meinen, man sei in Paris. Das Servitenviertel erinnert wie kein anderes Grätzel in Wien an typische Ecken der französischen Hauptstadt, für viele ist es das charmanteste und schönste Viertel Wiens – nicht umsonst ist das Lycée nahe.

Das Viertel im neunten Wiener Gemeindebezirk – der Name geht auf das 1639 gegründete Servitenkloster zurück – erstreckt sich zwischen Währinger Straße, Schottenring und Rossauer Lände. Es ist ein Stadtteil mit viel Geschichte. Sigmund Freud etwa wohnte und ordinierte in der Berggasse 19, in dieser Gegend wohnte auch Friedrich Torberg, und wer die Porzellangasse entlang schlendert, stößt auf die Strudlhofstiege, die Heimito von Doderer zu seinem gleichnamigen Roman inspirierte.

Heute ist das Servitenviertel eine der begehrtesten Wohngegenden Wiens. Nicht ohne Grund, denn es ist ein Stadtteil mit jeder Menge an schönen Geschäften und guten Lokalen.

Das Herzstück des Viertels ist die Servitengasse mit der Servitenkirche, einem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert. Hier kann man durchaus von einer geradezu dörflichen Struktur sprechen – mit einem Wirtshaus direkt neben der Kirche. Der »Servitenwirt« gleicht einem Dorfgasthof mit schattigem Gastgarten unter Bäumen und einer herzhaften und geradlinigen Küche. Man fühlt sich wie am Land.

Frankreich liegt ums Eck

Die Servitengasse selbst ist wohl jener Teil, der am meisten an Paris, vor allem an das bunte Viertel »Marais« erinnert. Das liegt an den vielen Geschäften und Lokalen mit zum Teil wunderschönen alten Holzfassaden. Wie etwa im Fall des Schokoladengeschäfts »Xocolat Manufaktur«, in dem unter anderem raffiniert und in Handarbeit hergestellte Trüffel verkauft werden.

Ganz in der Nähe das Delikatessengeschäft »König«, wo Gerald König Spezereien und Weine aus ganz Europa anbietet, vorwiegend aber aus Frankreich. In lockerer Atmosphäre kann das Erworbene gleich direkt im Geschäft oder an den Tischen davor genossen werden.

Pasta oder Asien

Wer hingegen italienische Küche bevorzugt, der ist im »La Pasteria« gut aufgehoben. Wie der Name bereits erahnen lässt, werden dort Pasta-Gerichte in allen Varianten, aber auch Fleisch- und Fischgerichte nach italienischer Machart kredenzt.

Ebenfalls in der Servitengasse: das Käsegeschäft »Edelschimmel« mit rund 80 herausragenden Käsesorten – die man auch im Geschäft, zusammen mit einem Glas Wein – verkosten kann.

Ein paar Schritte weiter in der Grünentorgasse, in der Nähe der Servitenkirche, befindet sich ein besonders empfehlenswertes Asia-Lokal mit schönem Schanigarten: Das »Kiang Wine & Dine« ist überaus puristisch eingerichtet und bietet herausragendes chinesisches Streetfood sowie eine ganz spezielle Weinauswahl. Insgesamt eines der besten Lokale des Grätzels. Im Sommer genießt man im Schanigarten vor dem Lokal.

Wirtshaus und Gourmet-Beisl

Zu den besten kulinarischen Adressen gehören auch zwei Lokalitäten am Rande des Servitenviertels. Einerseits das »Rebhuhn« in der Berggasse und andererseits das »Pramerl & the Wolf« in der Pramergasse, also am anderen Ende des Viertels.

Das »Rebhuhn« ist so etwas wie eine Wirtshaus-Institution und überzeugt die zahllosen Stammgäste seit Jahrzehnten mit einer immer gleichbleibend guten Wiener Küche in entspannter Beisl-Atmosphäre.

Damit kann auch das »Pramerl & the Wolf« aufwarten, allerdings arbeitet die Küche dort auf Michelin-Stern-Niveau, wie in einem Nobelrestaurant. Doch das ist das »Pramerl & the Wolf« keineswegs, denn Atmosphäre und Einrichtung gleichen einem Wiener Beisl und entsprechen dem aus Frankreich stammenden Bistronomy-Trend. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder in Paris wären …


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