Good Luck Truck: Foodtrucks als Business

On the road again: Zum ersten Truck der Wrapstars gesellt sich mittlerweile noch ein zweiter.

© Jochen Russmann / Lukas Ilgner

On the road again: Zum ersten Truck der Wrapstars gesellt sich mittlerweile noch ein zweiter.

On the road again: Zum ersten Truck der Wrapstars gesellt sich mittlerweile noch ein zweiter.

© Jochen Russmann / Lukas Ilgner

Fototermine laufen manchmal anders, als geplant. Die Idee war: »KARRIERE trifft die Wrapstars und dokumentiert das Mise en Place – bevor die ersten Mittagsgäste antanzen.« Ein netter Ansatz, der den Realitätscheck nicht besteht. David und Marie kommen nach der Vorbereitung in der Küche kurz nach 11 Uhr auf der Wiener Freyung an, parken ihren schwarzen Truck und, zackzack, kann’s los gehen. Nichts ist mit dem Motiv des Hochhebens der Frontklappe, denn die funktioniert automatisch. Was ist mit Stehtischen und Sitzbänken? Die wurden heute vergessen. Das macht aber offensichtlich gar nix, denn noch bevor der Fotograf umdisponieren kann, stehen sie schon an: die Büromenschen aus der Umgebung.

Im Mittagsgeschäft muss sowieso immer alles schnell gehen – und von einem quasi Imbiss-Stand erwartet man das erst Recht. Günstig sollte es dann auch noch sein, Getränke kauft darüber hinaus fast niemand, die gibt’s ja im Büro. Anders beim Catering, das oft nachmittags auf das Team wartet. »Ja, es funktioniert« bestätigt David Weber, während er einen der Wraps im Burritostyle fertigmacht. Für 100 bis 120 liebevoll befüllte Teigfladen ist man in den 2,5 Stunden Standzeit gerüstet. Drei Jahre nach dem ersten Roll Out kennt man ihn und seine zwei Kompanions Marko Ertl und Matthias Kroisz mittlerweile in der Stadt. »Fastfood ohne Bullshit«, ein Konzept, das sichtlich ankommt. Der zweite Truck ist realisiert, wenn auch später als ursprünglich geplant. Einen dritten soll es nicht geben, wenn dann eher ein Lokal.

Bei der anfänglichen Finanzierung habe man sich, so Marko Ertl, streng an die Regel »Friends, Fools and Family« gehalten. Geholfen habe der Ansatz, »lean« zu starten – mit kleinen Events und Testcaterings. Der erste Truck war dann auch ein ausgemustertes Bäckerei-Fahrzeug aus Deutschland, das man flexibel gehalten hat. Nachträglich eine gute Idee, drei Mal wurde am Fahrzeug noch herum geschraubt, bis jetzt »fast alles perfekt« ist, wie der Gründer sagt. Auch Crowdfunding sei immer mal wieder Thema, bisher aber am Zeitdruck für die Planung gescheitert.

»Bei der anfänglichen Finanzierung haben wir uns an die Regel ›Friends, Fools and Family‹ gehalten und sind alles sehr ›lean‹ angegangen.«
Marko Ertl, Wrapstars

Die Basis der Wraps: Bio-Couscous, schwarze Bohnen und knackiger Kohl.
Die Basis der Wraps: Bio-Couscous, schwarze Bohnen und knackiger Kohl.

© Jochen Russmann / Lukas Ilgner

Im Truck-Business seit 1998!

Anders Pit Reger vom veganen Réger Burger Foodtruck in Berlin. 18.000 Euro Kapital für die wichtigsten Kosten des ersten Geschäftsjahres – Anschaffung Truck ausgenommen – wurden via Crowdfunding (z. B. startnext.com) hereingespült. Oder eher an Land gezogen, denn »Selbstläufer ist so eine Aktion nicht«. Für 500 Euro gab’s zum Beispiel die Fritteusen-Taufe. »Der Erfolg hat vermutlich damit zu tun, dass unser Konzept noch nicht so häufig vertreten ist. Wir versuchen nicht nur, unsere Produkte möglichst komplett in Bio-Qualität anzubieten, sondern setzen auch voll auf vegan.« Jetzt sind die beiden Gründer mitten im ersten Geschäftsjahr. »Letztendlich sind Foodtrucks auch nur Imbisse 2.0; nur die Auswahl des Angebots und die Konzepte haben sich gewandelt – und sind vielfältiger geworden.« Wobei: bei aller Vielfalt eint die mobilen Gastronomen doch das konsequente Bekenntnis zur Qualität. Regionales und Bio ist fast schon Standard, vegetarisch darf es auch gerne sein – wenn nicht sogar vegan.

Für Réger Burger wurden 18.000 Euro Kapital für die wichtigsten Kosten des ersten Jahres – Truck ausgenommen – via Crowdfunding hereingespült.

»Glutenfrei waren wir schon immer«, lacht Vanessa Heiderer, die gemeinsam mit ihrer Mutter 1998 ins Foodtruck-Geschäft eingestiegen ist. Richtig gelesen: 1998! Und immer noch im Geschäft! »Damals hieß es noch Event Catering, gemeint ist aber dasselbe«, so die Betreiberin des »La Crêperie mobile«. »Entstanden ist die Idee aus unserer Liebe zur Bretagne, wo traditionsgemäß reines Buchweizen-Mehl für die salzigen Crêpes verwendet wird. Auf Anfrage machen wir auch die süßen Crêpes glutenfrei, laktosefrei geht auch. Nur vegan nicht – unsere wichtigsten Zutaten sind Liebe und Butter.«

Der erste Truck, eigentlich ein Anhänger, wurde 2003 angeschafft, er ist bis heute im Einsatz. Der zweite folgte 2005 und 2015 komplettierte ein Citroen HY-Oldtimer den Fuhrpark. Die Mutter dreier kleiner Kinder ist überzeugt, dass dieser Oldtimer-Truck eine ganz besondere Ausstrahlung hat. Konkret: Beständigkeit signalisiert. Dadurch sei er perfekt für den Einsatz auf Hochzeiten. »Nach Geburtstagen der zweitgrößte Teil der Business-to-Consumer-Aufträge. Crêpes und Galettes eignen sich wunderbar für die Agape, weil die Gäste in ungezwungener Atmosphäre beim Show-cooking-Buffet ins Gespräch kommen.«

Schwarmprojekt. Der Réger Burger-Truck wurde über die Crowd finanziert und gemeinsam perfektioniert.

© Jochen Russmann / Lukas Ilgner

Liebäugelei mit fixem Laden

Bei Fabio Spennato vom Münchner »Napo Amo Pizza Catering« lebt der Traum von der echt neapolitanischen Pizza nur durch den Mix aus Mittagsgeschäft, Catering und Events. Wobei der Unternehmer nüchtern analysiert: »Das Mittagsgeschäft in München funktioniert nicht.« Das Angebot sei zu groß, der Preisdruck enorm. »Die Münchner sind extrem preissensibel. Wenn sie schon hohe Unterhaltskosten haben, dann muss halt beim Mittagessen gespart werden.« Spennato bastelt derzeit an einem Fast Casual Konzept, einer »Made-to-order«-Pizzeria. Investoren und Mitbegründer sind willkommen.

Es ist durchaus auffällig, dass etliche Truckies mit dem fixen Ladenlokal liebäugeln. Eine fraglos mühsame Rechtslage befeuert den Wunsch nach Sesshaftigkeit. Auch der etwas schleppende Jahresbeginn mit den schwierigen Monaten Januar und Februar kann dadurch abgefedert werden. Leonie Mayer-Rieckh von »Hildegard Wurst« kombiniert die Asphalt-Gastro mit einem kleinen Deli, das zudem als Büro, Lager und Meeting-Raum dient. Auch Franchise war ein Thema, hat sich bisher aber nicht ergeben. »Foodtruck-Kollegen haben uns davon abgeraten, um nicht 24/7 als Technik- und Servicesupport zu enden. So ein Truck ist ständig unterwegs, die Gefahr, dass etwas schief läuft, groß. Nichts ist nerviger, als das Reißen der Kupplung auf dem Weg zu einem Event.« Wrapstar David Weber bringt es auf den Punkt: »Gastro ist nie einfach.« Gleichzeitig sind er und seine zwei Mitgründer, von denen ein Strahle-Teamfoto im Truck hängt, das beste Beispiel dafür, dass dieses Business sehr wohl Fahrt aufnehmen kann.

www.wrapstars.at
www.napoamo.de
www.regerburger.com
www.creperie-mobile.at
www.hildegardwurst.at

Artikel aus Falstaff Karriere Special 2016.

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