Die Glenmorangie-Destillerie in Tain vor einem Fässermeer
Die Glenmorangie-Destillerie in Tain vor einem Fässermeer / Foto: beigestellt

1843 von den Brüdern Matheson in Tain in den nördlichen Highlands gegründet, ging es nach schwierigen Zeiten in den 1930er- und 1940er-Jahren steil bergauf. Seit den frühen 1980er-Jahren ist Glenmorangie der meistverkaufte Single Malt in Schottland, mehrmals wurde die Destillerie vergrößert – sie beherbergt heute zwölf Brennblasen –, um die Nachfrage befriedigen zu können. 1997 übernahm und revitalisierte Glenmorangie die aufgelassene Islay-Destillerie Ardbeg, bevor sie 2004 selbst Besitzer wechselte und seitdem das Spirituosen-Portfolio von Moët Hennessy Louis Vuitton veredelt.

Glenmorangies Brennblasen sind die höchsten Schottlands: Die 5,14 Meter hohen Hälse sorgen dafür, dass nur die leichtesten Alkohole in das Geistrohr überlaufen. Die große Kupferoberfläche reinigt das Rohdestillat gleichzeitig von schwefeligen Noten.
So entsteht ein feiner Spirit,

Das Glenmorangie-Stillhouse / Foto: beigestellt
Das Glenmorangie-Stillhouse / Foto: beigestellt

zu dessen Basisreifung Glenmorangie ausschließlich Fässer aus amerikanischer Weißeiche verwendet – Sherryfässer wären eindeutig zu dominant. Bevor die Fässer zu Glenmorangie kommen, reift vier Jahre lang Bourbon darin und entzieht dem frischen Holz viele Tannine. Erst danach werden sie nach Schottland geliefert und dort mit dem Rohdestillat befüllt. Nach zehn Jahren werden sie geleert und ein zweites Mal, wieder für zehn Jahre, mit Rohdestillat befüllt. Die Kombination dieser Erst- und Zweitfüllungen ergibt schließlich den Glenmorangie Original 10 years.

Das akribische »wood management« hebt Glenmorangie im Übrigen unter allen Destillerien Schottlands hervor:

Dr. Bill Lumsden, Glenmorangie Director of Whisky Creation and Distilling, bei der Fassprüfung / Foto: beigestellt
Dr. Bill Lumsden, Glenmorangie Director of Whisky Creation and Distilling, bei der Fassprüfung / Foto: beigestellt

In den frühen 1980er-Jahren wurde viel Geld investiert, um die besten Hölzer zur Reifung ausfindig zu machen. In den »Ozark-Mountains« (eine Hochlandregion in den USA, die die südliche Hälfte Missouris sowie große Teile des Nordens von Arkansas einnimmt) fand man schließlich ein nach Norden ausgerichtetes Areal, in dem die Bäume sehr langsam wachsen. In den Jahresringen bildet sich dadurch wenig Spätholz und besonders viel Frühholz, das durch seine Porosität ideal für die Fasserzeugung ist: Der Whisky kann während der Reifung leichter die Röst- und Vanillearomen aus dem Holz aufnehmen.

Auch was das »Finishen«, die Veredelung von Whisky durch zusätzliche Lagerung in (meistens) Weinfässern aller Art, anbelangt, leistete die Highland-Destillerie Pionierarbeit. Als sie beispielsweise 1994 den Glenmorangie Port Wood Finish auf den Markt brachte, schlug ihr allerorten Skepsis entgegen. Die Abfüllung wurde aber schnell sehr beliebt, sodass andere Destillerien auf diesen Zug aufsprangen. Da Finishes manchmal dem Vorurteil begegnen, bloß ein schlechtes Destillat maskieren zu wollen, legt Glenmorangie auch hier sehr großen Wert auf das »wood management«: Zehn Jahre muss der inzwischen »Quinta Ruban« getaufte Whisky sich in amerikanischen Weißeichefässern gedulden, bevor er für zwei Jahre in Ruby-Portwein-Fässern Aromen tauschen darf. Dadurch erhält er zusätzliche Facetten, wird aber nicht fassdominiert.

Glenmorangies »Extra Matured«-Range: Lasanta, Quinta Ruban, Nectar d'Or / Foto: beigestellt
Glenmorangies »Extra Matured«-Range: Lasanta, Quinta Ruban, Nectar d'Or / Foto: beigestellt



INFO
Glenmorangie Distillery
Tain, Ross-Shire IV19 1PZ
www.glenmorangie.com

(Georg Schullian)