Gin mit Herkunftsgarantie

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Vor zehn Jahren lancierte die schottische Whisky-Brennerei Bruichladdich den »The Botanist Gin«. Die Spirituosenwelt erwartete einen rauchigen Gin, der dem Profil von Bruichladdich-Whiskys wie Octomore oder Port Charlotte entspricht – und wurde überrascht durch einen kräutrigen, zitronigen Gin mit weicher Wacholdernote und minziger Frische am Gaumen. Mittlerweile ist »The Botanist« zu einem Klassiker geworden. Von Beginn an stand das schlagende Argument für die Spirituose prominent auf dem Etikett: »22 foraged island botanicals«. 22 Ingredienzen also, die auf der Insel Islay gesammelt wurden, prägen den Gin mit – vor zehn Jahren ein Novum und bis heute nur selten kopiert.

Das Sammeln von Ingredienzen ist nämlich aufwendig. James Donaldson ist »Forager« bei der Brennerei, er ist das ganze Jahr damit beschäftigt, die benötigten Kräuter und Pflanzen
zu sammeln, zu trocknen oder zu konservieren, um damit die Produktion sichern zu können. »Der Begriff ›Foraging‹ lässt sich nicht auf Deutsch übersetzen«, erklärt Ewald Stromer, Bruichladdich-Brand-Ambassador für den deutschsprachigen Raum. »In Großbritannien hat das Wort einen hohen Stellenwert. Die besten Marmeladen beispielsweise sind mit dem Begriff ›foraged‹ gekennzeichnet, sie werden also aus wild gesammelten Früchten hergestellt

Botanicals aus direkter Umgebung

Das Suchen von Ingredienzen in der Natur ist mit Risiken verbunden, die Sicherstellung nicht immer einfach. »Es gibt Pflanzen, die nur während eines kurzen Zeitfensters die richtige Qualität liefern«, erklärt Stromer. »Die Ackerkratzdistel beispielsweise ist diffizil zu sammeln. Sie muss innerhalb einer Stunde nach dem Pflücken in Alkohol eingelegt werden, sonst
verliert sie ihr Aroma. James muss hier also darauf achten, dass die Fundorte nah genug bei der Distillery liegen.«

Neben den 22 Islay-Botanicals stecken im »The Botanist« auch die Aromen von neun Grundbotanicals, die nicht von der Insel stammen. Allen voran der prägende Wacholder. »Es gibt auf der Insel nur mehr kleine Wacholderbestände«, berichtet Ewald Stromer. »Wir haben eine Initiative gestartet, um ihn wieder auf Islay auszupflanzen.« Mit wild gesammelten Botanicals arbeiten nach wie vor wenige Gin-Brennereien, sehr wohl aber sind bekannte Rezepturen von Zutaten der jeweiligen Region geprägt.

Etwa der bekannte »Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin«, der zur gleichen Zeit wie der »The Botanist« aufkam und Botanicals des Schwarzwalds mit internationalen Ingredienzen
vermählt. Diesem Beispiel folgen viele kleinere Gin-Brennereien und liefern dabei erstklassige Resultate. So etwa die Gebrüder Steiner aus der niederösterreichischen Wagram-Region mit ihrem »Steinhorn Gin«. Das Produkt war zum wiederholten Mal bei der Falstaff-Gin-Trophy überaus erfolgreich. Die Rezeptur verraten die Brüder zwar nicht, finden aber einen Großteil der Botanicals am Wagram und sogar im eigenen Garten. Darunter Holunderbeere und Rosmarin.

Mit regionalem Grundalkohol und Quellwasser

Der Meister-Destillateur Hans Reisetbauer hat für seinen erfolgreichen »Blue Gin« einen ganz anderen Ansatz gewählt: Nicht die Botanicals stammen bei ihm aus der unmittelbaren Umgebung, sondern der Grundalkohol, der natürlich ebenso wichtig ist. Die Reise des »Blue Gin« beginnt mit Weizen. Genauer gesagt mit der Weizensorte Mulan. Diese wächst auf oberösterreichischen Feldern und ist damit der regionale Rohstoff für den Rohbrand. Schließlich wird dieser Brand zu einem Feinbrand destilliert. Darin werden nun sorgfältig ausgesuchte Gewürze aus aller Welt mazeriert und es folgt die dritte und letzte Destillation.

Das Quellwasser, mit dem der »Blue Gin« schließlich auf Trinkstärke gebracht wird, stammt wiederum aus der Region, genauer von einer Mühlviertler Alm im Norden von Oberösterreich. Dieser Schritt ist laut Brenner Hans Reisetbauer besonders wichtig, um ein harmonisches Endprodukt erreichen zu können. Das Wasser sollte besonders weich und mild sein und dass es aus der Region stammt, ist hier natürlich besonders sinnvoll.

Mediterranes Flair aus dem Tessin

Auch die Schweizer Gin-Landschaft bietet einige interessante Beispiele für den regionalen Ansatz. Darunter der Gewinner-Gin der diesjährigen Trophy: der »Delta Spirits London Gin«. Hersteller Terreni alla Maggia ist ein moderner Landwirtschaftsbetrieb mit rund 150 Hektar Anbaufläche bei Ascona im Tessin. Das Unternehmen gehört zur Hotel- und Restaurantgruppe »The Living Circle«, dem auch das renommierte Hotel »Widder« in Zürich oder das »Castello del Sole« in Ascona angehören.

Für den Gin kommen zum größten Teil auf der eigenen Farm und deren unmittelbarer Umgebung angebaute Botanicals zum Einsatz, die das mediterrane Flair der Landschaft auf perfekte Art einfangen: Tessiner Wacholder, Melisse, Salbei, Gurke und sogar Yuzu aus lokalem Anbau. Ein superb reintöniger, überaus intensiver Gin, der folglich nirgendwo anders auf der Welt hergestellt werden kann.

Swiss Blended mit Alpenkräutern

Wiederum ein anderes Konzept, um Lokalität in das Produkt zu bringen, wählt Oliver Ullrich vom »nginious!« aus Basel. Sein Swiss Blended Gin trägt mit seinem Alpenkräuter-Charakter aromatisch eindeutig die Schweiz in sich. Kreiert wird dieser Eindruck mittels einer raffinierten Botanicals-Mischung aus 18 Ingredienzen. Enthalten sind etwa Goldmelisse, Rotklee, Heublumen, Silberdistel und Kamille. Ein Gin, der so fein austariert wie ein Parfum wirkt und sich definitiv auch für den Purgenuss eignet.

Exotische Botanicals aus Japan

Die Idee des herkunftgeprägten Gins ist nicht auf Europa beschränkt. Ein erstklassiges Exemplar lancierte der internationale Spirituosenkonzern Beam Suntory im Jahr 2017. Der »Roku Gin« vereint sechs japanische Zutaten aus vier Jahreszeiten. Dazu zählen im Frühling geerntete Kirschblüten und Kirschblätter, im Sommer verarbeiteter grüner Tee und veredelter grüner Tee, im Herbst gewonnener Sansho-Pfeffer und die Schalen der Yuzu-Frucht, die im Winter Saison hat. Allein mit dieser exotischen Botanicals-Kombination dürfte sich der Brand allerdings kaum als Gin bezeichnen. Deshalb kommen auch noch Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Angelikasamen, Kardamom, Zimt, Bitterorange und Zitrone hinzu. Gin muss eben auch Gin sein und dazu gehört neben lokalen Ingredienzen immer auch der Wacholder – und das ist auch gut so.

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