Gin mit Herkunftsgarantie

© Shutterstock

Die Herkunft der Botanicals prägen auch den Gin.

© Shutterstock

Vor zehn Jahren lancierte die schottische Whisky-Brennerei Bruichladdich den »The Botanist Gin«. Die Spirituosenwelt erwartete einen rauchigen Gin, der dem Profil von Bruichladdich-Whiskys wie Octomore oder Port Charlotte entspricht – und wurde überrascht durch einen kräutrigen, zitronigen Gin mit weicher Wacholdernote und minziger Frische am Gaumen. Mittlerweile ist »The Botanist« zu einem Klassiker geworden. Von Beginn an stand das schlagende Argument für die Spirituose prominent auf dem Etikett: »22 foraged island botanicals«. 22 Ingredienzen also, die auf der Insel Islay gesammelt wurden, prägen den Gin mit – vor zehn Jahren ein Novum und bis heute nur selten kopiert.

Das Sammeln von Ingredienzen ist nämlich aufwendig. James Donaldson ist »Forager« bei der Brennerei, er ist das ganze Jahr damit beschäftigt, die benötigten Kräuter und Pflanzen
zu sammeln, zu trocknen oder zu konservieren, um damit die Produktion sichern zu können. »Der Begriff ›Foraging‹ lässt sich nicht auf Deutsch übersetzen«, erklärt Ewald Stromer, Bruichladdich-Brand-Ambassador für den deutschsprachigen Raum. »In Großbritannien hat das Wort einen hohen Stellenwert. Die besten Marmeladen beispielsweise sind mit dem Begriff ›foraged‹ gekennzeichnet, sie werden also aus wild gesammelten Früchten hergestellt

Botanicals aus direkter Umgebung

Das Suchen von Ingredienzen in der Natur ist mit Risiken verbunden, die Sicherstellung nicht immer einfach. »Es gibt Pflanzen, die nur während eines kurzen Zeitfensters die richtige Qualität liefern«, erklärt Stromer. »Die Ackerkratzdistel beispielsweise ist diffizil zu sammeln. Sie muss innerhalb einer Stunde nach dem Pflücken in Alkohol eingelegt werden, sonst
verliert sie ihr Aroma. James muss hier also darauf achten, dass die Fundorte nah genug bei der Distillery liegen.«

Neben den 22 Islay-Botanicals stecken im »The Botanist« auch die Aromen von neun Grundbotanicals, die nicht von der Insel stammen. Allen voran der prägende Wacholder. »Es gibt auf der Insel nur mehr kleine Wacholderbestände«, berichtet Ewald Stromer. »Wir haben eine Initiative gestartet, um ihn wieder auf Islay auszupflanzen.« Mit wild gesammelten Botanicals arbeiten nach wie vor wenige Gin-Brennereien, sehr wohl aber sind bekannte Rezepturen von Zutaten der jeweiligen Region geprägt.

Etwa der bekannte »Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin«, der zur gleichen Zeit wie der »The Botanist« aufkam und Botanicals des Schwarzwalds mit internationalen Ingredienzen
vermählt. Diesem Beispiel folgen viele kleinere Gin-Brennereien und liefern dabei erstklassige Resultate. So etwa die Gebrüder Steiner aus der niederösterreichischen Wagram-Region mit ihrem »Steinhorn Gin«. Das Produkt war zum wiederholten Mal bei der Falstaff-Gin-Trophy überaus erfolgreich. Die Rezeptur verraten die Brüder zwar nicht, finden aber einen Großteil der Botanicals am Wagram und sogar im eigenen Garten. Darunter Holunderbeere und Rosmarin.

Mit regionalem Grundalkohol und Quellwasser

Der Meister-Destillateur Hans Reisetbauer hat für seinen erfolgreichen »Blue Gin« einen ganz anderen Ansatz gewählt: Nicht die Botanicals stammen bei ihm aus der unmittelbaren Umgebung, sondern der Grundalkohol, der natürlich ebenso wichtig ist. Die Reise des »Blue Gin« beginnt mit Weizen. Genauer gesagt mit der Weizensorte Mulan. Diese wächst auf oberösterreichischen Feldern und ist damit der regionale Rohstoff für den Rohbrand. Schließlich wird dieser Brand zu einem Feinbrand destilliert. Darin werden nun sorgfältig ausgesuchte Gewürze aus aller Welt mazeriert und es folgt die dritte und letzte Destillation.

Das Quellwasser, mit dem der »Blue Gin« schließlich auf Trinkstärke gebracht wird, stammt wiederum aus der Region, genauer von einer Mühlviertler Alm im Norden von Oberösterreich. Dieser Schritt ist laut Brenner Hans Reisetbauer besonders wichtig, um ein harmonisches Endprodukt erreichen zu können. Das Wasser sollte besonders weich und mild sein und dass es aus der Region stammt, ist hier natürlich besonders sinnvoll.

Mediterranes Flair aus dem Tessin

Auch die Schweizer Gin-Landschaft bietet einige interessante Beispiele für den regionalen Ansatz. Darunter der Gewinner-Gin der diesjährigen Trophy: der »Delta Spirits London Gin«. Hersteller Terreni alla Maggia ist ein moderner Landwirtschaftsbetrieb mit rund 150 Hektar Anbaufläche bei Ascona im Tessin. Das Unternehmen gehört zur Hotel- und Restaurantgruppe »The Living Circle«, dem auch das renommierte Hotel »Widder« in Zürich oder das »Castello del Sole« in Ascona angehören.

Für den Gin kommen zum größten Teil auf der eigenen Farm und deren unmittelbarer Umgebung angebaute Botanicals zum Einsatz, die das mediterrane Flair der Landschaft auf perfekte Art einfangen: Tessiner Wacholder, Melisse, Salbei, Gurke und sogar Yuzu aus lokalem Anbau. Ein superb reintöniger, überaus intensiver Gin, der folglich nirgendwo anders auf der Welt hergestellt werden kann.

Swiss Blended mit Alpenkräutern

Wiederum ein anderes Konzept, um Lokalität in das Produkt zu bringen, wählt Oliver Ullrich vom »nginious!« aus Basel. Sein Swiss Blended Gin trägt mit seinem Alpenkräuter-Charakter aromatisch eindeutig die Schweiz in sich. Kreiert wird dieser Eindruck mittels einer raffinierten Botanicals-Mischung aus 18 Ingredienzen. Enthalten sind etwa Goldmelisse, Rotklee, Heublumen, Silberdistel und Kamille. Ein Gin, der so fein austariert wie ein Parfum wirkt und sich definitiv auch für den Purgenuss eignet.

Exotische Botanicals aus Japan

Die Idee des herkunftgeprägten Gins ist nicht auf Europa beschränkt. Ein erstklassiges Exemplar lancierte der internationale Spirituosenkonzern Beam Suntory im Jahr 2017. Der »Roku Gin« vereint sechs japanische Zutaten aus vier Jahreszeiten. Dazu zählen im Frühling geerntete Kirschblüten und Kirschblätter, im Sommer verarbeiteter grüner Tee und veredelter grüner Tee, im Herbst gewonnener Sansho-Pfeffer und die Schalen der Yuzu-Frucht, die im Winter Saison hat. Allein mit dieser exotischen Botanicals-Kombination dürfte sich der Brand allerdings kaum als Gin bezeichnen. Deshalb kommen auch noch Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Angelikasamen, Kardamom, Zimt, Bitterorange und Zitrone hinzu. Gin muss eben auch Gin sein und dazu gehört neben lokalen Ingredienzen immer auch der Wacholder – und das ist auch gut so.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Gin Special 2020
Zum Magazin

MEHR ENTDECKEN

  • Themenspecials
    Best of Gin
    Gin ist in: Wissenswertes rund um Geschichte und Sorten, die besten Gin-Produzenten und ihre Spirituosen, kreative Cocktail-Rezepte der besten Bartender Europas und interessante Neuigkeiten rund um Gin und seine Einsatzgebiete.
  • 11.02.2022
    Gin, Wermuth & Co: Pink Spirits im Trend
    Kindchen-Schema im Cocktailglas: Beerig-fruchtige Varianten bekannter Spirituosen – von Gin und Aquavit bis Wermut – sorgen in diesem Sommer...
  • 22.05.2019
    Gingläser: Die Hülle zur Fülle
    Wem die Gin-Qualität nicht egal ist, der sollte auch beim Cocktail-Glas alles richtig machen. Dieses Quartett zelebriert den Gin Tonic so...
  • 18.10.2018
    Gin: Die verschiedenen Arten und Stile
    Gin ist nicht gleich Gin. Die bekannteste Gin-Art ist der London (Dry) Gin. Es gibt aber noch andere Arten und Stile wie etwa Aged Gin, Gin...
  • 01.10.2018
    Ginial: Best of Gin aus Österreich
    Noch vor 20 Jahren waren Gin-Brenner in Österreich so selten wie Palmen im Hochgebirge. Inzwischen ist ein wahrer Gin-Hype ausgebrochen.
  • 08.09.2018
    Gin & Tonic: Göttliche Kombi
    Gin & Tonic ist nur vermeintlich ein einfacher Drink. Wer wahllos drauflosmischt, verpasst etwas. Falstaff kennt für jeden Gin den passenden...
  • 12.06.2021
    Gin: Von der Medizin zum Trendgetränk
    Wie aus dem traditionellen holländischen Wacholderschnaps Genever der Gin entstand – eine der vielfältigsten und erfolgreichsten Spirituosen...

Mehr zum Thema

News

Bachls Restaurant der Woche: Bierführer

Sepp Schellhorn hat das Gasthaus »Bierführer« in Goldegg übernommen und setzt auf traditionelle Küche und eine österreichische Weinkarte.

News

Top 10 kurios-kulinarische Aberglauben

In Portugal wird fleißig Wein verschüttet, die Griechen fürchten Petersilie und in Südamerika lässt man sich von Trauben die Zukunft prophezeien.

News

See, Job & Card: »Team Card Pörtschach« jetzt sichern!

Ein Job in einem der Pörtschacher Betriebe bringt neben jeder Menge Work-See-Balance mit der »Team Card Pörtschach« zahlreiche Vorteile.

Advertorial
News

Gewöhnlich anders: Gin »FIOR«

Frische Kräuter und Früchte machen den österreichischen London Dry Gin zu einem unverwechselbaren Trinkerlebnis.

Advertorial
News

Mischen Possible: Tonic-Alternativen für Gin

Es muss nicht immer Tonic sein! Es gibt viele andere Filler, die in Kombination mit Gin eine mehr als gute Figur machen. Ob Almdudler, Makava...

Cocktail-Rezept

Roseamries Baby

Michael Horak, Barkeeper in der »Spelunke«, serviert diesen »beerigen« Hot Drink.

News

Ginial: Die besten Gin-Zitate

Gin ist ein Kultgetränk – auch in Film, Politik, Literatur und Musik. Falstaff präsentiert die besten besten und bekanntesten Zitate zum Drink.

News

Auf den Spuren von London Dry Gin

Manchmal sind es gerade die stabilen Säulen, an denen sich Trends und Hypes messen lassen, an denen sich Kulinarisches und Historisches sichtbar...

News

Wacholder: Rau(s)ch der Götter

Mit seinem Haupt-Botanical, einer der ältesten Heilpflanzen der Menschheit, hat der Gin anderen Spirituosen einiges voraus. Denn die Spur des...

News

Vom Fieber zum Filler: Die Geschichte des Tonic

Kranke Könige, Monopolisten, Invasoren, aber auch ein Nobelpreis – die Geschichte des Tonics ist abenteuerlich: Wie aus bitterer Medizin der...

News

Monkey 47 Gin-Package mit Lobmeyr Gläsern gewinnen

In Kooperation mit der traditionsreichen Wiener Glas-Manufaktur entstand ein ganz besonderer Tumbler. Wir verlosen zwei Stück und eine Flasche des...

Advertorial
News

Monkey 47 launcht neuen Gin mit Marille und Mohn

Wie die streng limitierte Österreich-Edition »Monkey 47 Experimentum Series 2y03: Vienna« schmeckt, erfahrten Sie hier.

News

Österreichs erster Gin aus Sauvignon Blanc

Gin-novation: Spitzenwinzer Walter Skoff präsentiert den ersten Gin seines Hauses, dessen Basis aus den besten Rieden der Südsteiermark kommt.

News

»The Botanist« Gin-Packages mit Riedel Gläsern gewinnen

Gewinnspiel: Beantworten Sie zehn Fragen zum Thema Gin allgemein sowie zu »The Botanist« und Sie nehmen an der Verlosung teil.

News

Neuer Gin am Markt: »Chill amoi Gin«

Die sechswöchige Corona-bedingte Zwangspause ließ Spitzenkoch Andreas Krainer und Edelbrenner Edgar Wernbacher kreativ werden.

News

Das Rick-Gin-Team in Folge zehn bei »2 Minuten 2 Millionen«

Mit einem Bekenntnis zu Regionalität und Nachhaltigkeit überzeugt die Bio-Gin-Marke »Rick« nicht nur Spirituosenliebhaber sondern auch Investoren bei...

Advertorial
News

»Villa Ascenti Gin«: der neue Menü-Begleiter

Der Gin, der auch Menschen schmeckt, die ihn bisher aufgrund seines bitteren Geschmacks vermieden haben. »Villa Ascenti Gin« zeigt eine neue Seite als...

News

Hendrick’s feierte die Gurke und launcht Sommer-Gin

Im Rahmen des Welt-Gurkentags am 14. Juni wurde die Cucumber Lounge im Wiener Le Méridien eröffnet. Außerdem wurde der Hendrick’s Midsummer Solstice...

News

Top 5: Gin-Cocktails zum Welt-Gurkentag

Zum Feiertag der Salatgurke, der auf Initiative von Hendrick’s Gin alljärlich und heuer am 14. Juni gefeiert wird, gibt's fünf Drink-Empfehlungen zum...

Rezept

Munich-Gin-Sorbet mit Schokoladen-Ganache und Himbeeren

Andreas Hillejan aus dem »Das Marktrestaurant« präsentiert ein raffiniertes Dessert mit Gin.